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Hornbostel: „Hutweide”/Planung

Naturschutzgebiet „Hornbosteler Hutweide”

Auerochse und Urpferd sollen bei Wietze weiden
(von Andreas Babel, CZ, 13.10.2006)

Ein Einblick in eine einige hundert Jahre zurückliegende Tierwelt soll schon im kommenden Jahr im Naturschutzgebiet „Hornbosteler Hutweide” möglich sein. Das Land Niedersachsen will hier eine Urpferd-Rasse und eine Nachzüchtung des ausgestorbenen Auerochsen ganzjährig halten. Die Tiere sollen zunächst etwa 65 Hektar beweiden und dafür sorgen, dass wertvolle Biotope erhalten bleiben. Der Landkreis Celle bekommt eine neue Natur-Attraktion. Im neu ausgewiesenen Naturschutzgebiet „Hornbosteler Hutweide” soll eine kleine Herde des nach Przewalski benannten Ur-Pferds und einer Nachzüchtung des ausgestorbenen Auerochsen dauerhaft weiden. Durch die Tierhaltung will das Land Niedersachsen dafür sorgen, dass die wertvollen Biotope in diesem Bereich wie Wacholder, der Hutewald, Heide und Magerrasen erhalten bleiben.Heckrinder und Przewalski-Pferde sollen dafür sorgen, dass der Bewuchs kurz gehalten wird, damit sich die geschützten Pflanzen in der Allerniederung gut entwickeln können.Projektleiter Danny Wolff vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz stellte das Projekt am Donnerstagabend im Hornbosteler Dorfgemeinschaftshaus dem Wietzer Gemeinderat vor.

Das Projektgebiet umfasst 107 Hektar, von denen am Anfang erst 65 Hektar beweidet werden. 30 bis 32 Tiere sollen sich in dem Gebiet frei bewegen. Sie können vom gesamten Allerdamm, der das Areal südlich einfasst, beobachtet werden. Außerdem ist geplant, auf der Allerinsel bei der Bannetzer Schleuse einen Beobachtungsturm zu bauen. Von dort könnten sowohl die reiche Vogelwelt auf dem Fluss beobachtet als auch die weiten Wiesen an der Aller gut eingesehen werden, meinte Wolff. Infotafeln sollen über das Projekt informieren. Über den öffentlich zugänglichen „Geländebrückenweg” wäre sogar ein direkter Kontakt zu den Tieren möglich.
Wolff schlug vor, diesen Weg zu entwidmen und ihn für Fahrzeuge zu sperren. Anfang November will die Behörde Gespräche mit Landwirten führen, die Interesse daran haben, die Betreuung der Tiere zu übernehmen.

Einige Politiker äußerten Skepsis, dass man einen zuverlässigen Tierbetreuer in der Nähe der Hutweide finden werde. Wolff zeigte sich aber optimistisch. Man habe einige geeignete Kandidaten. Was die Flächen angeht, so hat der NLWKN sich die meisten schon vertraglich gesichert. Einige interessante Bereiche, zum Beispiel der bewaldete im Allerknick, seien noch fraglich.Die Kosten des Tierkaufs und des Transports sowie des Zaunbaus werden mit rund 70.000 Euro veranschlagt. Diesen Betrag zahlt das niedersächsische Umweltministerium. Die Kosten für den Bau eines Aussichtsturms beziffert das NLWKN in etwa genauso hoch wie die für sieben Infotafeln. Dafür wären jeweils rund 15.000 Euro fällig. Zuschüsse „von 75 Prozent und mehr” seien aus den EU-Töpfen ELER oder EFRE zu erwarten, so Wolff. Für den Eigenanteil der Gemeinde könne man sich Kooperationspartner wie Umweltlotterien oder Stiftungen denken.

Jürgen Behrens (CDU) wollte wissen, warum „nicht heimische Tierarten” für das Projekt gewählt worden sind. Neben den Brzewalski-Pferden sind auch noch Koniks im Gespräch, Nachfahren der Tarpans. Für die Rassen habe man sich wegen ihrer Robustheit und ihrer körperlichen Besonderheiten ausgesprochen, erläuterte Wolff. Die normalen Schwarz-Bunten wären nicht in der Lage, ganzjährig im Freien zu weiden.
Irene Rahte (CDU) brachte Wisents als weitere Rasse ins Spiel. Heckrinder hält man mit normalen Weidezäunen in Schach. Um Wisents zu halten, bräuchte man aber einen zwei Meter hohen Knotengitterzaun, der in der Landschaft fremd und störend wirken würde.

Warum sind die Wietzer Politiker so skeptisch? Fragen nach den Kosten, warum man ortsfremde Rassen gewählt hat und Bedenken, dass man einen zuverlässigen Tierbetreuer finden wird, bestimmten die Debatte im Gemeinderat. Dabei hätten die Volksvertreter jubeln sollen, als sie den Vortrag gehört hatten.

Das Vorhaben der Landesbehörde ist ein weiteres Argument, sich im Celler Westkreis niederzulassen und wird Natur-Begeisterte anziehen. Der Landkreis Celle wird etwas bieten, was der Zoo Hannover, der Serengeti-Park Hodenhagen und der Vogelpark Walsrode nicht können: Mit diesem Beweidungsprojekt bei Hornbostel und dem Vogelbeobachtungs-Vorhaben des NABU-Guts Sunder können in Kürze Tiere optimal in intakter Natur beobachtet werden.