
Waldbrände und Wassernot
Waldbrände und Wassernot
(ein Beitrag von Klaus Luttermann aus seinem Buch "Die große Waldbrand-Katastrophe")
Bereits 1473 kämpfte man gegen das Feuer
Seit Mitte Mai 1975 hatte es in Deutschland keine nennenswerten Niederschläge mehr gegeben. Die Menschen stöhnten unter der Hitzewelle mit Höchsttemperaturen bis zu 35 Grad. Dürreschäden erheblichen Ausmaßes stellten sich ein.
Im August 1975 kam es in Niedersachsens Wäldern und Mooren zur größten Waldbrandkatastrophe, die Deutschland bisher erlebte. Die Chronisten wissen zu berichten, daß frühere Generationen von solchen widrigen Witterungseinflüssen sehr viel härter getroffen wurden. Können wir heute auf einen wirksamen Brandschutz verweisen, den heißen Sommer in Freibädern, mit Erfrischungsgetränken und Kühleinrichtungen lindern und die meisten landwirtschaftlichen Erzeugnisse durch künstliche Beregnung retten, so lassen wir uns einmal bis in das Jahr 1473 zurückversetzen.
Die Bevölkerung Niedersachsens erlebte einen frühen Sommer. „Die Hitze war so groß, dass sich der Hartz und andere Wälder davon entzündet”, wird berichtet. „Man hat müssen von aufgebotenem Landvolk Gräben aufwerfen, um dem Feuer zu wehren.” Der Feuersbrunst in Wäldern und Mooren stand man nahezu hilflos gegenüber; häufig mußte man das Feuer wüten lassen und hoffen, daß es an Freiflächen zum Stillstand kommen würde.
Bereits 1479 stellte sich in Deutschland die nächste Katastrophe ein. Die Dürreschäden waren beträchtlich. Viele Bäche, ja selbst Flüsse, trockneten fast aus und die Wassermühlen standen still — Brunnen versiegten. Ein sehr heißer Sommer im Jahre 1539 ließ „die Küchenspeise und Futterung” fast gänzlich verbrennen. Der (damals noch in Niedersach¬sen) angebaute Wein war köstlich. Er geriet „so wohlfeil”, dass „viele Leute sich daran zu tode tranken”. Im Jahre 1615 „ist ein dürrer und truckener Sommer gewesen, daß die Weser dermassen ausgetrucknet, dass man ohne Gefahr hat durchschreiten können”.
Fünfzehn Jahre später leidet man abermals unter der Hitze. Es hatte „rnannigmahl fünf, sechs oder sieben Wochen nicht geregnet und ist die Erde gleichsam Staub und Asche gewesen”, weist die Chronik aus.
Über das Jahr 1656 wird mitgeteilt, dass „nach einem dürren Sommer, da es gar wenig und an etlichen Orten gar nicht regnete”, eine Raupenplage einsetzte. Der Kohl und das Gemüse in den Gärten wurden kahlgefressen, „dass alles stund wie Besen”. Lang anhaltende Hitze auch in den Jahren 1669, als die mit Wasserkraft betriebenen Bergwerksanlagen im Harz stillgelegt werden, 1719, als im Osnabrücker Gebiet vom 26. Mai bis zum 1. Oktober kein Tropfen Regen niedergeht und 1727, als ein "Feil der Stadt Cloppenburg niederbrennt und nach fünfzehn regenlosen Wochen die Aller überall durchfahren werden kann.
In der Gegend von Peine regnet es schließlich im Jahre 1810 vierzehn Wochen lang nicht und in den Sommermonaten 1819 müssen die „Marschenbewohner von Hadeln ihr Wasser von Franzburg und Wanna holen”.
Die Katastrophen fanden ihre Fortsetzung, als im Jahre 1911 erhebliche Dürreschäden gemeldet wurden, der Oberharzer Bergbau wieder einmal lahmgelegt wurde, die Weser ohne weiteres durchwatet werden konnte und im voll-kommen ausgetrockneten Lutterbach (bei Göttingen) das Gras zu sprießen begann. Wir werden uns sicher auch noch daran erinnern können, dass im Juli 1952 die Quecksilbersäule auf bekannte Höchstwerte kletterte. Aus der Zeitung war zu erfahren, daß bei Porta ein D-Zug in der Nähe des Bahnhofes entgleiste, weil sich in der Sonnenglut die Schienen stark verworfen hatten.
Schließlich wurden die niedhrsächsischen Wälder in einem Abstand von knapp drei Jahren gleich zweimal auf das schwerste getroffen und arg in Mitleidenschaft gezogen. Die Sturmkatastrophe am 13. November 1972 erreichte mit Spitzenböen von annähernd 190 Stundenkilometern ihren Höhepunkt und warf insgesamt etwa 16 Millionen Festmeter Holz. Der Schaden belief sich auf fast zwei Milliarden Mark. Im Wettlauf mit dem gefürchteten Borkenkäfer wurden die Orkanschäden schließlich beseitigt.
Am 8. August 1975 um 13.25 Uhr begann mit einem Flächenbrand im Raum Stüde-Grußendorf-Neudon/Platendorf (Landkreis Gifhorn) die vorläufig letzte Katastrophe - der größte deutsche Waldbrand.








