
Helga Verhovecs DEA-Jahre/Allgemeines
Helga Verhovec: Meine Jahre bei der DEA
AllgemeinesIch hätte gern etwas anderes gelernt, aber die Zeiten waren trotz der goldenen 50-er-Jahre für unsere Familie noch nicht rosig.
Es war aber damals noch allgemein üblich, dass die Mädchen einen kaufmännischen Beruf erlernen und sowieso bald heiraten.
Beim Eignungstest bei der DEA waren 80 Bewerbungen auf vier Ausbildungsplätze, wovon zwei noch aus dem Vorjahr bereits vergeben waren. Ich hatte Glück, da nicht nur das Zeugnis, sondern der Kaufm. Direktor auch soziale Komponenten berücksichtig hatte. Ich habe die Abschlussprüfung mit sehr gut abgeschlossen und als Belohnung nicht nur einen Buch-Preis, sondern auch noch ein 14-tägiges Seminar in Malente erhalten und eine Gehaltsgruppe übersprungen.
Allen Lehrlinge wurden vier Wochen Aufenthalt im Fischerei-Jugendheim in Büsum mit allgemeinen Informationen über die DEA und das Erdöl gewährt. Natürlich wurde auch die Freizeit sehr abwechslungsreich gestaltet, wie Knoten und Spleißen, Segeln und Rudern und ein natürlich ein abschließender Bericht.
1956 hatte die „DEA° ca. 1.500 Mitarbeiter in Wietze.
Es gab ein Direktions-Sekretariat mit zwei Chef-Sekretärinnen, drei Schreibstuben mit je einer Schreibstubenvorstandsdame. Zu dieser Zeit wurde der Schriftverkehr noch mit der guten alten „Conti".erledigt. Es wurden „Schnell-Schreib-Tests” veranstaltet. Die Vorstandsdame hämmerte über 400 Anschläge in der Minute, es hörte sich im Flur wie ein Maschinengewehr an. Aber mit der Zeit habe ich diese Vorgabe noch gefoppt
Die Schreibstubendamen haben nach der Familiengründung gewöhnlich das Berufsleben aufgegeben. Es gab zwar einen Haushaltstag, aber es war noch die 48-Stunden-Woche. Wasch- und Spülmaschine war noch ein Traum.
Aus diesem Grunde wurden aber alle Lehrlinge übernommen.
1959 habe ich geheiratet, Tochter Ellen und ein Jahr später sind Tochter Barbara geboren. Da mir von der DEA-Wohnungsverwaltung nur ein Zimmer und ein gemeinsames „Klo” im „Bahnhofs-Hotel” angeboten wurde, haben wir aus lauter Not eine Heimstättensiedlung gebaut, die auch von der DEA mit einem zinslosen Darlehen mitfinanziert wurde. Es fehlten aber noch 1.500 DM, die damals von keiner Kasse ohne Sicherheit finanziert wurde. Wir bekamen diesen Betrag von der DEA als Lohnvorschuss, den wir mit 50,00 DM monatlich abgezahlt haben.
Zu dieser Zeit gewährte die DEA noch viele soziale Leistungen, z. B. Theaterfahrten, große Betriebsfeste, Bücherei, Zeltverleih, Konfirmationsbeihilfen, Kohle-, öl- und Benzin-Zuschüsse, Futter für Haustiere, Weihnachtskerzen
Aber so nach und nach sind alle diese Leistungen fortgefallen.
Mit Hilfe meiner Mutter konnte ich mit zwei Kindern weiter berufstätig bleiben. Später kam noch der Ganztagskindergarten dazu und so habe ich „vorübergehend” 40 Jahre bei der DEA meine Rente erworben.
Als Lehrling im Schachtbetrieb hat Herr Schuldei auch gern jungen Mädchen die „Hangenden” und „Liegenden`vor Ort erklärt. Meine beiden ältesten Brüder waren als „Öl-Muckel” tätig. Bei der Begrüßung haben sie vorher die Hände ins Öl getaucht. Dieser Spaß sollte viel Glück bringen.
Die „Muckel” untertage konnten auch „Gruben-Holz getränkt mit ÖL” erwerben, das gab eine besonders warme Stube in den kalten Wintern. Heute wohl undenkbar.
Ich war in den 40 Jahren immer in Wietze bei der gleichen Firma, nur die Namen und Abteilungen haben gewechselt.
Als Hauptaufgabe habe ich über 20 Jahre den Fernschreiber bedient. Zuerst noch eine alte Klapper-Kiste. Mit der gewählten Verbindung ist jede angeschlagene Taste auf der Gegenseite auch zu lesen gewesen. Es war also korrektes und flottes Schreiben angesagt. Jeder Fehler war zu erkennen. Besonders konzentrieren musste man sich, wenn man vom Stenoblock direkt schrieb.
Dann kam der neue Fernscheiber mit Lochstreifen. Man konnte zwar einige Buchstaben durch Zurücksetzen korrigieren oder wieder neu beginnen. Es hatte aber den Vorteil, das man diesen Lochstreifen (ähnlich wie beim Morsen) vielmals senden konnte, vor allem beim Bohr-Bericht an unterschiedliche Konsorten.
Dann kam Ende der 60-Jahre das Fax-Gerät auf. Dadurch wurden viele Maschinen-Schreibarbeiten eingespart, es ging einiges handgeschrieben und Skizzen heraus.
Im Laufe der Jahre kamen einige allg. Büroarbeiten dazu und auch andere Planstellen wurden angeboten, aber auch viele Rationalisierungen kamen dazu. Ich dachte mir aber immer, so lange der Fernschreiber gebraucht wird, hast Du auch einen Job in Wietze und kannst es ganz gut mit dem Hausfrauendasein vereinbaren.
Aber dann hielt auch in Wietze der Computer Einzug. Schulungen begannen, das Rechnungswesen umgestellt und Plätze gespart. Die letzten 10 Jahre arbeitete ich in verschiedenen Bereichen des Forschungslabors als Abteilungssekretärin. Freiwillig hätte ich mich dort nicht beworben, aber dann wollte ich eigentlich auch noch nicht nach Hause, aber die letzte Möglichkeit mit den guten Bedingungen in den Vorruhestand wollte ich auch nicht an mir vorüberziehen lassen.
Arbeiten bis 67? — will die alte Donnerbüchse nicht bald nach Hause gehen?!!!!
März 2007








