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Der Bohrturm

Ich wollte wie mein Großvater und mein Onkel Hans mal einen eigenen Bohrturm haben.
Ein Gast, Herr Wilhelm Hellberg, von Beruf Dreher, versprach uns, zu helfen. Das war so 1940.

Er baute uns eine richtige Schlammbüchse. Das ist ein Rohr, das oben eine Öse für Seilzug hat und unten eine runde Klappe innen. Die Klappe öffnete sich, wenn sie auf Sand im Bohrloch stieß und schloss sich, wenn die Büchse nach oben gezogen wurde. Aus drei Baumstämmen bauten wir einen Dreibock ca. 4 Meter hoch. Oben kam ein dicker Bolzen rein. Da hängten wir eine Rolle ein, über die ein Hanfseil gelegt war. Zwei 2 Meter lange Rohre hatte uns Herr Hellberg besorgt. Da war sogar Gewinde und eine Muffe dabei.
Und schon gings los. Das Standrohr eingraben schön senkrecht. Die Schlammbüchse mit Wasser füllen und mit 2 Mann am Seil ziehen und runterlassen. Wenn es schwerer geht, müsst ihr die Büchse ziehen und leer machen. Das klappte hervorragend. Wir sahen, dass unser Standrohr immer tiefer sackte. Herr Hellberg baute uns noch eine Zwinge, die wie um das Standrohr legen konnten. Damit drehten wir das Rohr, der Bohrfortschritt war erheblich schneller geworden. Das zweite Rohr wurde angeschraubt und ruckzuck hatten wir Grundwasser erbohrt. Viele Leute haben sich das in unserem Garten angeguckt und uns sogar gelobt. Das war neu für uns. Wir überlegten, dass man für andere Leute Brunnen bohren könnte, mit dem Ziel, damit Geld zu verdienen. Das ging aber nicht los, zu schwer für uns Jungs...

Und so sah unsere Bohranlage aus.

Helmut Speiel