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Brenngläser und Hohlspiegel

Im Physikunterricht an der Mittelschule Celle lernten wir Optik und Spiegelgesetze, was für mich ein interessantes Thema war. Ich hatte eine Lupe, die man wunderbar als Brennglas benutzen konnte.
Mal eben ein Stück Papier in Brand setzen oder sein eigenes Monogramm in Holz einbrennen, war schon eine tolle Sache.

Auf unserem Hofe war aus dem alten Tanzsaal ein festes Kino geworden. Seit 1919 wurden da schon als Wander-Kino Stummfilme und später richtige Tonfilme gezeigt. Als Sohn des Hauses konnte ich überall dabei sein.
Ein besonderer Vorteil war, dass ich mit dem Filmvorführer, Herrn Karl Bieneck, ein tolles Verhältnis hatte.
Im Vorführraum Filmrollen umspulen, Filme zusammen kleben und überall ein bisschen helfen, das war für einen technisch interessierten Jungen etwas Tolles. Ich habe immer fein aufgepasst und viel von dem alten Herrn gelernt.

Mit der Einführung des Tonfilms bekamen die Vorführmaschinen eine neue Optik. Die alten Linsen und Hohlspiegel wurden ausgetauscht. Klar, dass ich fragte, ob ich die alten Gläser bekommen kann. Das klappte. War ich stolz!
Die Linsen hatten 110 mm Durchmesser und ca. 15 bzw. 20 mm Höhe. Sie waren konvex geschliffen und hatten eine gute Vergrößerung. Herausragend war aber war, dass ich ein Stück Papier in 3 Sekunden zum Brennen bekam. Sowas hatte keiner von uns.
Die beiden Hohlspiegel hatten ca. 280 mm Durchmesser und waren beim Feuermachen noch schneller. Brandmalerei war damit schnell gemacht.
Drei Linsen und einen Hohlspiegel habe ich heute noch.

Viel später im Jahre 1963 erlitt unser Kinopächter Herr Zeuner einen tödlichen Autounfall. Die Witwe wollte das Kinogeschäft nicht weiter führen und bot uns an, es in eigener Regie weiter zu führen. Wir gingen darauf ein und hielten das 3 ½ Jahre aufrecht. Dann wurde es geschlossen. Wir haben daraus eine 6-Bahn-Kegelbahnanlage gebaut, die bis heute besteht. Die optischen Kenntnisse, die man so nebenbei erlernt hatte, konnte ich gut verwerten.

Unser Physiklehrer „Karlchen“ König stellte uns mal folgende Frage: Ihr Jungs geht durch eine Straße. In der ersten Etage eines Hauses putzt eine hübsche Dame ein Fenster. An was denkt ihr dabei?
Da kamen aus unserer Jungsklasse schon ziemlich verwegene Antworten.
Alle falsch!
Die richtige Antwort wäre gewesen: “An die Spiegelgesetze“.

Der hervorragende Lehrer hatte aber eine eigenartige Aussprache. Statt „solche“ sagte er „soche“. Das und anderes konnte ich wohl besonders gut imitieren. Das gab dann vor der Stunde oft Beifall.

Helmut Speiel