
Wietze-Steinförde: Werbung 1932
Ein Artikel aus dem "Heideführer" des Jahres 1932
Die Heide ist modern geworden. Die Zeiten, da man verächtlich über dieses Stück des deutschen Vaterlandes die Nase rümpfte, sind vorbei.
Alljährlich ergießt sich ein Strom von Menschen in die friedliche Heide. Dort wollen sie Ruhe und Stärkung suchen, um nachher mit neuer Kraft in den Lebenskampf eintreten zu können. Und die meisten von ihnen finden, was sie gesucht haben. Darum kehren sie Jahr für Jahr in die Heide zurück. Sie haben erfahren, dass nicht himmelaufragende Felsen und brandende Meereswogen, wo die Menschen sich in der Saison zusammenballen, ihren zerrütteten Nerven Stärkung gewähren, sondern die einsame Heide mit ihren:
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Es gibt noch viele Orte, deren verschwiegene Orte, deren verschwiegene Schönheiten noch längst nicht vom Verkehr erschlossen sind. Ein solcher Ort ist Wietze-Steinförde.
Ausgedehnte Kiefernwaldungen umgeben den Ort, abwechselnd mit weiten Heideflächen und verschwiegenen Heideseen. In der ozonreichen Luft weiten sich beim Wandern die Lungen und werden kräftig und gesund.
Der Waldboden bietet mit seinen reichen Schätzen an Heidelbeeren und Kronsbeeren dem Wanderer Erquickung.
Etwa zwei Kilometer südlich vom Dorfe dehnt sich das große Wietzenbruch aus, das früher so beliebte Jagdgebiet der Celler Herzöge, der Lieblingsaufenthalt unseres Heidedichters Hermann Löns. Hier ist der Schauplatz seines bekannten Romans aus dem dreißigjährigen Kriege, des „Werwolf".
Hier fristeten vor einem halben Jahrtausend die Waldschmiede, die aus dem unter der Erdoberfläche lagernden Raseneisenstein das Schmiedeeisen gewannen, ihr kärgliches Dasein.
Die zahlreichen mit Gras bewachsenen Schlackenhügel legen noch heute Zeugnis ab von den längst vergangenen Anfängen deutscher Industrie, jetzt ist das Wietzenbruch ein unendliches, von dichtem Gebüsch durchsetztes Wiesental, dessen schattige Wege zum Wandern einladen. Ein Eldorado des Wildes.
Auf dem Rückwege über Wieckenberg werden wir der alten Kapelle einen Besuch abstatten. Dieselbe ist erbaut von 1692-1697 von Stechinelli, jenem Günstling des Herzogs Georg Wilhelm von Celle. Auch das nebenan gelegen Steintor zum Herrenhof trägt noch das Wappen Stechinellis.
Etwa drei Kilometernördlich des Ortes an der Aller befindet ein ausgezeichneter Badestrand, der Schwimmern sowohl wie Nichtschwimmern willkommene Gelegenheit zu einem kühlen Bade bietet. Eine große Liegewiese lädt nach dem Bade zum Ruhen ein. Behaglich schweift dann unser Auge über das saftige Allertal bis zu den dunklen Kiefernwaldungen, die das Tal sanft umrahmen, oder es beobachtet den Angler, der unermüdlich hinter einem Weidengebüsch am Ufer steht.
Bevor wir jedoch den Heimweg antreten, statten wir erst noch der ganz in der Nähe gelegenen, dem Herrn von Hornbostel gehörigen, Hutriede einen Besuch ab. Wir treffen hier eine ausgedehnte Wacholderlandschaft, wie sie an Schönheit und Größe in ganzDeutschland ihres gleichen sucht. Einen Tag unseres Aufenthaltes werden wir auch dem Erdölgebiet widmen, das sich als schmaler Streifen nördlich des Ortes in einer Länge von ca. 5 Kilometern erstreckt.
In Wietze selbst befindet sich ein Sol-, Moor- und Heilbad. Auskunft über alle Fragen erteilt die Gemeindeverwaltung. Pensionen von 3,50 RM an sind in den Gasthäusern sowie auch privat zu haben.
Wietze-Steinförde ist Station der Bahn Celle-Schwarmstedt. Sonntagskarten nach hier werden in Celle und Hannover ausgeben.
Celle und Wietze sind durch eine ausgezeichnete Asphaltstraße - aus Wietzer Erdöl hergestellt - verbunden, die im weiteren Verlauf über Verden nach Bremen führt.
Außerdem führen gute Radfahrwege nach unserem Ort. Vom Bahnhof Bennemühlen führt ein solcher durch die Forst Rundshorn über Wieckenberg nach hier (12 km).
Von Celle aus ist der Radfahrweg über Hambühren – Oldau - Südwinsen – Wietze-Steinförde sehr lohnend.








