Wissen Sie, dass einige Hornbosteler Schulkinder früher einen erheblich kürzeren Schulweg hatten - die Schule lag dort, wo heute die ev. Kirche steht - als beispielsweise die Kinder unserer Wietzer Bauern? (mehr)

Steinförder Betrugsprozess 1929/30

Ende November 1928 - kurz nach der Zusammenlegung der beiden früher selbständigen Gemeinden Wietze und Steinförde zu einer Gemeinde Wietze (5. Oktober 1928) - traten Umstände ein, die die Vermögenslage Steinfördes in einem ganz anderen Licht erscheinen ließen. Es stellte sich nämlich heraus, dass der Gemeindevorsteher Höppner zusammen mit Beigeordneten zu Gunsten des Sägewerksbesitzers Rose Wechsel im Gesamtbetrag von rund 330.000 RM für die Gemeinde Steinförde unterschrieben hatte. Weiterhin stellte sich heraus, dass ein Bürgschaftsbeschluss über 135.000 RM dazu benutzt worden war, ein weiteres zusätzliches Darlehen von 100.000 RM für Rose unter Bürgschaft der Gemeinde aufzunehmen. Von diesen Manipulationen war der Gemeindevertretung von Steinförde, wie die dann in den anhängigen Prozessen erhobenen Beweise ergaben, nichts bekannt.

Landrat Heinichen brachte diese Vorgänge dann zur Anzeige.
Gemeindevorsteher Höppner und Sägewerksbesitzer Rose wurden dann ab Januar 1929 in Untersuchungshaft genommen. Der Prozess begann am 13. Februar 1929 im neuen Amtsgerichtsgebäude in der Kanzleistraße, das noch nicht einmal die offizielle Einweihung bestanden hatte. Die Aufmerksamkeit für diesen Prozess ging weit über die Grenzen des Landkreises hinaus und erregte die Gemüter.

Nach gut einem Jahr, am 21. März 1930, wurde das Urteil gesprochen. Rose wurde verurteilt zu vier Jahren und sechs Monaten Gefängnis, Höppner zu einem Jahr und neun Monaten Gefängnis.
Andere Beteiligte aus Steinförde erhielten Geldstrafen oder wurden freigesprochen.

Die Cellesche Zeitung gab das Urteil des Steinförder Betrugsprozesses mit folgender Einleitung bekannt:
Celle hat seinen Sensationsprozess gehabt. Das Urteil ist gesprochen.
Endlich, werden nicht nur die Angeklagten ausrufen, die diesem Tag seit über einem Jahr entgegengebangt haben und für die die heutige Nacht vielleicht die erste Nacht ruhigen Schlafes seit vielen Wochen bedeutet. Endlich, werden auch alle die ausgerufen haben, die amtlich oder ehrenamtlich mit diesem Monsterprozess zu tun hatten. Endlich, rufen auch die Berichterstatter der Presse aus, für die dieser Prozess keine reine Freude war.

Dr. Erich Bunke - Auszug aus seinem Buch »Wietze im 20. Jahrhundert«