Wissen Sie, dass die Hornbosteler Bauern, wenn sie ihre Äcker bestellen wollten, mit ihren Gespannen durch das Dorf Wietze fahren mussten, die Wietzer aber ihre Felder nur erreichen konnten auf Wegen, die über Hornbosteler Ländereien führten? (mehr)

Siedlungsförderung

1968 bis 1990
(von Dr. Erich Bunke aus seinem Buch »Wietze im 20. Jahrhundert«)

Nachdem die umfangreichen Ausbauarbeiten für die Schmutzwasserkanalisation und die Straßen nebst Anlagen abgeschlossen waren und unser Ort für Besucher und Durchfahrende einen ansprechenden Eindruck machte, wurde mit der Siedlungsförderung begonnen. Wir hofften, dass die seit 1964 rückläufige Einwohnerzahl und vor allem die Überalterung in der Bevölkerung. weil gerade junge Leute und junge Familien weggezogen waren, gestoppt würde.

Durch Verhandlungen mit den Grundstückseigentümern gelang es, eine Vielzahl von preiswerten Bauplätzen nachweisen zu können. Ende der sechziger Jahre lag der Preis für 1 m2 bei 20,00 DM. Im Vergleich zu den Nachbargemeinden, insbesondere zu den Gemeinden in Richtung Hannover, war dies ein äußerst günstiger Preis. Bis Anfang der achtziger Jahre stieg dieser Preis auf 50 bis 60 DM/qm je nach Lage. Wir beabsichtigten, durch Zinsvergünstigungen und die Ausschöpfung von staatlichen Hilfen einen Anreiz zu schaffen.

Nach der Überarbeitung des Flächennutzungsplanes der Gemeinde Wietze und der Verhandlung mit der Bauplanabteilung des Landkreises Celle sowie nach dem Besuch von Beamten aus der Planungsabteilung des Regierungsbezirkes gelang es, Bebauungspläne von annähernd 100 Wohngrundstücken und zwei Gebieten für Wochenendgrundstücke an der Aller im Flächen-nutzungsplan zusätzlich auszuweisen. Auch gab es zahlreiche innerörtliche Baulücken, für die damals die Baugenehmigung unkompliziert war und die insbesondere auch unseren Schmutzwasserkanalhaushalt rentabler gestalten wurden, weil wir Baulücken nicht mit Anschlussgebühren veranlagt hatten.
Weiterhin war zu bedenken. dass die Bestrebungen zur Schaffung von Samt- und Einheitsgemeinden ein Anwachsen unserer Bevölkerungszahl günstig beeinflussen würde, um Wietze die Qualität eines "zentralen" Ortes zu geben.

In die Siedlungsbemühungen gehören auch unsere Bestrebungen, eine direkte Straßenverbindung über Wieckenberg, Fuhrberg in den Wirtschaftsraum Hannover zu erlangen. Es war einfach nicht zu verstehen, dass an der Kreisgrenze zum damaligen Kreis Burgdorf Sperrschilder standen und den Durchgangs-verkehr verboten. Es waren Zustände wie an der Zonengrenze. Hierüber wird noch besonders zu berichten sein.

Im Zeitraum von 1970 bis 1980 wurden insgesamt 481 Bauanträge für Hausneubauten gestellt. Bei einem Multiplikator von 2,7 Einwohnern je Neubau ergab das 1.298 neue Einwohner.
Allerdings muss man dabei berücksichtigen, dass die Überalterung der Bevölkerung in Wietze erheblich war und in jedem Jahr mehr Ablebende als Geburten zu verzeichnen gewesen waren.

Auch im Steuerbereich wirkte sich diese Siedlungsmaßnahme nicht unerheblich aus. Die Grundsteuer B für Hausgrundstücke verdoppelte sich in etwa, obwohl noch eine Vielzahl von neu bebauten Grundstücken grundsteuerfrei blieben. Da die Vielzahl der Rentner in unserer Gemeinde nicht einkommensteuerpflichtig waren, und dadurch auch keine Gemeindeanteile an der Einkommensteuer bewirken konnten, so stiegen doch die Einkommensteueranteile jetzt um 50 % an.