„Vor Gott und in Wietze ist nichts unmöglich!“ (Otto Meier, ehem. Rektor der Steinförder Schule)

Zwei Jagdaufseher erschossen

8. November 1919 - vor 75 Jahren: Doppelmord auf einer Waldlichtung
(Von Dr. Erich Bunke aus seinem Buch »Wietze im 20. Jahrhundert«)

In der bestimmt nicht ruhigen Zeit nach dem Ersten Weltkrieg hat eine Straftat im Landkreis Celle besonderes Aufsehen erregt, nämlich die Ermordung und Beraubung der beiden Jagdaufseher Ziemens aus Steinförde und Rothmann aus Fuhrberg »im Bruche, im sogenannten faulen Flöth, Gemarkung Wieckenberg« - wie später der Standesbeamte Thies in das Sterberegister von Wietze eintragen wird.

Im November 1919 war es bitterkalt. Eine dicke Schneedecke lag auf dem Bärenbruch, als die beiden Jagdaufseher (gegen die zunehmenden Wilddiebereien setzten die Gemeinden Jagdaufseher ein) Ziemens und Rothmann am Morgen des 8. November auf einer Lichtung verschnauften. Vom gegenüberliegendem Rand der Lichtung bekamen sie unerwartet Feuer. Danach haben sich die beiden Aufseher sofort auf den Boden geworfen und das Feuer erwidert.
Nach dem ersten Schusswechsel rührte sich Willi Ziemens nicht mehr. Eine Kugel war ihm der Länge nach durch Schädel und Körper gegangen. Wilhelm Rothmann konnte bis zum nächsten Graben laufen. Als er jedoch aus seiner Deckung sprang, ist eine Kugel an seinem Hinterkopf eingedrungen und glatt durch den Kopf gegangen.
Die Leichen wurden Stunden später von einem Waldarbeiter gefunden.

Gewalttaten waren damals fast an der Tagesordnung: Schüsse von Wilddieben auf Jäger, Jagdaufseher oder sogar Gendarmen und zuletzt die Ermordung des Gemeindevorstehers von Wietze, August Höfener, gar nicht so viele Wochen davor während einer Hausdurchsuchung. Dieser letzte Anschlag auf zwei Amtspersonen brachte dann das Fass zum Überlaufen.

Wegen eines Eisenbahnerstreiks konnten die hannoverschen Kriminalbeamten erst Tage später aufs Land kommen und die Ermittlungen aufnehmen. Die verbliebenen Spuren wiesen in die Gemeinde Wietze.
In der Nacht zum 18. November wurden Polizeikräfte aus dem gesamten Landkreis, Kriminalbeamte und Militär aus Hannover - insgesamt fast 150 Mann - in Wietze zusammengezogen, und in der Morgendämmerung die gleichzeitige Durchsuchung mehrerer Häuser in Steinförde vorgenommen, in denen man die Tatverdächtigen vermutete.
Bei der anschließenden Vernehmung im »Wietzer Hof« wurden tatsächlich die beiden Schuldigen dingfest gemacht, die laut Bericht der Celleschen Zeitung vom 22. November 1919 auch geständig waren; es waren Arbeiter des Kalischachtes in Steinförde. Sie hatten im ganzen Ort damit geprahlt, dass sie den Jagdaufsehern die Jagdscheine abgenommen hätten.

Zur Erinnerung an die beiden Opfer ihres Berufes wurden zwei fast gleich gestaltete Gedenksteine errichtet - einer für Willi Ziemens, Sohn des Radmachers Salomon Ziemens und Großvater des Bäckermeisters Hans-Günter Ziemens. der für diesen Artikel freundlicherweise einige Informationen zur Verfügung stellte.

Die ganze Tragik der damaligen Verhältnisse zeigt sich darin, dass die Täter den ortsansässigen Jagdaufseher Ziemens sehr wohl kannten, auch im Nebel des Novembertages erkannten.

Zwei Gedenksteine im Wietzenbruch sind stumme Zeugen jener katastrophalen Zustände.