Wietze hat Energie und hier zu leben, ist goldrichtig!

Umweltverschmutzung zur Erdölzeit

Für Umweltverunreinigungen gab es damals noch kein Gespür und keine Verordnungen. Rund um die Bohrlöcher gab es große ölverschmutzte Bereiche und bei der Spülung der Gestänge, wenn sie von Zeit zu zeit gezogen wurden, lief die Spülmasse dahin, wo sie aus den Bohrungen gerade herauskam. Immerhin blieben diese Verunreinigungen an den Bohrstellen in einem engeren Bereich, und das Gras wuchs bis an diese Ölflecken heran. Schlimmer waren die Verschmutzungen im Wasser. Diese traten bei dem fast alljährlichen Hochwasser von Wietze und. Aller und bei starken Regengüssen auf. Das Regenwasser konnte in den ölverschmutzten Bereichen rund um die Bohrtürme nicht versickern und wurde dann im Allgemeinen in Bereiche abgeleitet, wo noch eine Versickerung möglich war. Dabei blieben die Ölreste an der Oberfläche und verklebten dort mit den Sandkörnern, während das Regenwasser praktisch filtriert in den Boden versickerte. Durch diese sich wiederholenden Vorgänge wurden die verschmutzten Bereiche rund um die Bohrtürme immer größer.

Über die Verunreinigungen in den Flüssen klagten dann die Alleranlieger unterhalb von Wietze, besonders im Landkreis Fallingbostel. So erging bereits am 29.09.1903 ein Telegramm der landwirtschaftlichen Vereinigungen aus den Bereichen Ahlden und Rethem an das Landratsamt in Celle:
"Die Viehtränken an der Aller sind vermutlich durch Abwässer aus Wietze seit einigen Tagen total verdorben. Wir bitten um schleunige Abhilfe."

Eine Untersuchung ergab. dass größere Mengen von Öl täglich in die Wietze und Aller direkt eingeleitet wurden. Viele kilometerweit waren die Ufer der Aller von Wietze aus ölverunreinigt. Auch als Trinkwasser fier das Vieh war das Flusswasser unbrauchbar geworden. Fische, die in diesen Wietze nahen Gewässern gefangen wurden, schmeckten sogar nach Erdöl. Einige Landwirte beklagten, dass selbst die Milch von Kühen, die auf allernahen Wiesen weideten, nach Erdöl schmecken würde weil bei den häufigen Überschwemmungen Ölreste auf dem Wasser schwammen und sich bei Nachlassen der Überschwemmung in den vorhandenen Gräsern absetzten.

Die Landratsbehörden erließen strenge Erlasse mit hohen Exekutionsstrafen, um das Abfließen von Öl in die Wietze zu unterbinden. Beidseits der Wietze-Ufer mussten Uferbefestigungen und Erhöhungen vorgenommen werden, und alle Bohrstellen mussten ähnlich gegen Ölabfluss gesichert werden. wenn auch die Betriebe versuchten, durch Umwallungen ihrer Bohranlagen wie auch durch einen etwa einen Meter hohen Damm an der Wietze und durch den Bau von Kläranlagen die Verunreinigung zu stoppen, so hielt die Verschmutzung im Flusswasser an, weil die Uferbereiche schon viel zu sehr Ölrückstände aufgenommen hatten. Erst nach vielen Jahren, als die Erdölförderung lange beendet war, trat eine Normalisierung des Flusswassers ein.

Unser Heimatdichter Hermanns Löns, der vor und nach Beginn der Erdölzeit gern nach Wietze kam und im Wietzer Hof logierte, ahnte schon um die Jahrhundertwende diese Umweltgefahr. Voller Sorgen hat er auf die schwaren Gespenster (Öltürme ) geblickt und das Gedicht "Der Bohrturm" verfasst.

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Dr. Erich Bunke - Auszug aus seinem Buch »Wietze im 20. Jahrhundert«