
Fuhrenäpfel-Pflücker
Bei der Schmalheit der Einkünfte und der geringen Möglichkeit, durch Frachtfahren noch etwas hinzu zu verdienen, sah man sich nach mancherlei Nebenverdienst um. Gut, daran waren Meinheit und Drösemeyer mit ihren Teerkulen, die manchen Taler einbrachten, wenn sie such gegen die Wallmannsche Teerkule nicht ankommen konnten. In Dröms Hause werden noch heute Postkarten aufbewahrt, die von dem großen Absatz in alle möglichen Orte zeugen. Allgemeiner war der Nebenverdienst mit dem Pflücken von Fuhrenäpfeln und dem Verkauf von Fuhrensamen. Da hat unser Dorf Steinförde einen besonders guten Ruf erhalten. Das Sammeln von Fuhrensamen muß schon in recht früher Zeit hier üblich gewesen sein.
Nach dem Forstbuch von Heinrich Burckhardt sind die ersten eigens eingerichteten Kiefernsamendarren im Hannoverschen im Jahre 1699 und 1701 in Steinförde bei Celle entstanden. Bis dahin klengte man in der Sonne und den geheizten Wohnstuben und heimlich auch im Backofen. Der Sonnensamen galt als der beste. Die Firma Rahte als älteste Klenganstalt Niedersachsens hat neben dem künstlichen Betrieb in früheren Jahren auch immer noch mit der Sonnendarre auf einem freien Platz im Wieckenberger Holz gearbeitet. Erstaunlich sind die Mengen, die unter der Kontrolle des Amtsvogts verkauft wurden.
Verzeichnis der Einwohner, die Fuhrensamen geliefert haben
Mit dieser erstaunlichen Menge ist aber noch längst nicht die gesamte Erzeugung von unserem Kirchspiel Winsen-Aller gegeben, es fehlt noch die bedeutendste Firma von allen, unsere Rahte'sche Firma, die eine der ältesten Klenganstalten Norddeutschlands ist. Es ist für diese Zeit noch nicht zu übersehen, welche Umsätze sie im Jahre gehabt hat. In späterer Zeit trieb auch der Kötner Lüßmann in Wietze einen bedeutenden Samenhandel, ebenso der Bauer Kothe auf dem Leymernhofe in Bannetze.
Da mußte mancher "Feldkieker", wie man die Samenfuhren zu nennen pflegte, abgepflückt werden. Erst im Monat Dezember war das Abpflücken der Fuhrenzapfen erlaubt. Jeder suchte nun aber auch möglichst viel von dem Segen einzuheimsen. Schon in frühester Dunkelheit begannen morgens die Auszüge ins Bruch mit der leichten Pflückleiter auf dem Arm. In den Wochen vorher hatte man sich die besten Fruchtträger schon heimlich angesehen. Jeder suchte möglichst schnell einen solchen "Feldkieker" zu besetzen. Es soll vorgekommen sein, daß in der Dunkelheit zwei Pflücker denselben Baum bestiegen hatten. Mit dem vollen Pflücksack stieg man nach unten, wo ein Gespann am Abend die Beute abholte. Bei dem Wechsel von einem Baum zum anderen wählten die Gewandtesten nicht erst den langweiligen Umweg über die Leiter hinab und hinauf, sondern setzten den Fuhrenwipfel in schwingende Bewegung, um sich in weitem Schwung durch die Luft zum nächsten Fruchtträger befördern zu lassen. Bei diesem waghalsigen Geschäft hat manch einer den Tod gefunden oder ist als schiefer Krüppel jahrelang durchs Dorf gegangen. Aber der Verdienst war nicht unbedeutend.
Besonders gut schnitten die Aufkäufer wie der Lehrer Krüger in Wieckenberg und der Leymernbauer in Bannetze bei dem Geschäft ab. Ein Bauer aus unserer Umgegend wußte von seinem Großvater noch, daß er nur mit Hilfe von Fuhrenäpfelpflücken die Zinsen von seinen Hofschulden hätte herbeischaffen können. Mancher Nebenverdienst fiel auch bei den Arbeiten in der Darre ab, Die getrockneten und entsamten Fuhrenäpfel wurden nach Celle mit hochbepackten Wagen gebracht, wo sie als Feuerungsmaterial gern gekauft wurden. In unserem Kirchenbuch findet sich aber auch die Eintragung: "Von einer Fuhre zu Tode gefallen".








