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Domenico Galassi

Unser Eismann Domenico Galassi
Helmut Speiel erinnert sich an Menschen aus Wietze

Er stammte aus Norditalien und verstand sich sehr gut auf die Herstel¬lung von italienischem Eis. Er hatte einen Eiswagen, ein Fahrraddreirad. Da waren silberne, blitzblanke Glocken drauf. Er selbst trug eine weiße Jacke und einen Hut mit einer Feder. Wir sahen ihn schon von Weitem, hörten die Glocke: Der Eismann ist da! Wenn man dann nicht gerade vorher was ausgefressen hatte, gab Mutter oder Opa mal einen Groschen. Manchmal auch nur ein 5-Pfennigstück. Domenico hatte noch keine Portionier¬zange wie heute üblich. Er hatte einen Hornspatel. Damit sah die Eis-Portion sehr groß aus, war aber innen hohl. Kam man mit der Zunge daran, war man sofort durch.

Eines Tages kam er mit einem Motordreirad von DKW angefahren. Wir haben vielleicht gestaunt. Stolz kam er angefahren, aber meistens sprang der Motor nicht wieder an. Wir Jungs boten ihm an, das Gefährt anzuschieben. Gesagt, getan. Ein Eis zu „fünf" war unser Lohn! Er war ein freundlicher Mann, der immer fröhlich war und schöne Geschichten erzählen konnte.
Wenn er als Gast zu uns kam, war er elegant gekleidet, trug immer eine Blume im Knopfloch. Während des Krieges fuhr er öfter in seine Heimat und brachte Parmesan-Käse und auch etwas Parmaschinken mit.

Nach dem Kriege kam die Währungsreform. Aus Celle kam dann ein Eiswagen von Talamini bis nach Wietze, eine sehr schöne Zeit. In den Kaufmannsläden und Wirtschaften gab es danach überall Eis. Auch bei uns war eine große Eismaschine im Einsatz. Ein Bier- und Kaffeegarten mit 130 Plätzen war entstanden. Das war eine richtig schöne Zeit. Aus Winsen kam manchmal noch ein Eismann. Damit war die fahrende Eismannzunft wohl zu Ende.

Ach ja, eine Erziehungsmaßnahme meiner Mutter will ich noch erzählen. Ich bekam den Auftrag bei Kaufmann Lohmann heute Haus Bosse) ein Pfund Zucker zu holen. Sie gab mir 40 Pfennig mit, ich kaufte den Zucker, bekam 2 Pfennig zurück und lief schnell nach Hause. Gegenüber der Darre war das Haus von Gerling. Davor war eine große Pfütze. Ich nahm einen Anlauf und war ruckzuck drüber. Meine Mutter fragte nach den 2 Pfennig. Oh, die waren weg. „Geh hin und suche!” Ich fand nichts. „Dann such noch mal!”
Ich hatte den ganzen Weg abgesucht. Das Geld konnte nur noch in der großen Pfütze sein. Mit der Hand schöpfte ich die Pfütze leer und hatte das 2-Pfennigstück gefunden.
Das war die Erziehungsmaßnahme.. so was vergisst man nicht.