
Dr. Paul Hornbostel
Unser Landarzt Dr. Paul Hornbostel
Helmut Speiel erinnert sich an Menschen aus Wietze
Viele werden sich noch an den Dr. Paul Hornbostel zurückerinnern, ein Mann mit viel Humor und Freude am Leben. Er duzte fast alle Patienten und half, wo er konnte.
Anfang der 50er-Jahre stand bei Familie Rahte eine Treibjagd an. Wir, die „Schützenhof-Leute bekamen den Auftrag, für Essen und Trinken in dem Gemeinschaftshaus (heute steht dort der Netto-Markt) im sogenannten „Hirsch-Grund"-Zimmer zu sorgen. Auch der begeisterte Jäger Dr. Hornbostel war eingeladen. Es war sehr kalt im Gelände und die Männer kamen durchgefroren zurück. Dr. Hornbostel sagte: "Ihr seid alle gefährdet, ich gebe euch ein Mittel, dass ihr nicht krank werdet." Alle waren begeistert und schluckten das Medikament. Das „Schüsseltreiben” war beendet und ein zünftiger Umtrunk begann.
Ein Jäger kam von der Toilette zurück mit einem bedenklichen Gesicht. Ein Zweiter schien sehr traurig zu sein. So ging das weiter... bis einer fragte: Herr Dr. Hornbostel, was haben Sie uns da eigentlich gegeben?”
„Das ist ein altes, bewährtes Wehrmachtmedikament, es heißt „Prontosil” gegen Grippe”.
„Und warum sieht unser Urin aus wie reines Blut?”
„Das ist eine lustige Nebenwirkung, die völlig harmlos ist.”
Ein fröhliches Gelächter kam auf und es wurde heftig auf die Gesundheit vom Doktor getrunken. In vorgerückter Stunde, es wurde „Nicolaschka” getrunken, das ist ein Weinbrand mit Zitronenscheibe und feinem Zucker oben drauf, "Nico Dostal” nannten sie das.
Ein Jagdfreund aus Ostpreußen hatte plötzlich seine Schrotflinte zur Hand und wollte dem Pendel der Uhr einen „aufbrennen. Das wurde aber verhindert. So ging ein lustiger Jagdabend gut zu Ende.
Viel später erzählte mir ein ehemaliger Treiber bei einem Jagdessen im selben Zimmer eine Geschichte. Der Gastgeber hatte eine Runde Sekt ausgegeben. Man brachte ein „Horrido” aus. Der Treiber rief: „Und nun nach alter Flieger-Art schmeißen wir die Gläser an die Wand!” Das ließen sich die Leute nicht zweimal sagen. Dem Gastgeber gefiel es nicht so ganz. Er machte aber gute Miene zum bösen Spiel.
Aber ich wollte ja eigentlich noch was vom Doktor erzählen. Im November 1940 ging es meinem Großvater Heinrich Schuster sehr schlecht. Dr. Hornbostel musste kommen. Er sagte zu meiner Mutter: "Ihr Vater muss Wadenwickel haben. Haben Sie noch irgend etwas Hochprozentiges im Keller? Es ist sehr wichtig."
Mutter Grete kam mit einer Flasche Schwarzwälder Kirsch 50 %.
„Das ist genau richtig.”
Dann haben die beiden „Wadenwickel” gemacht, die Flasche war leer und die beiden richtig voll. Opa wurde ins Bett gebracht und hatte am anderen Morgen das Zeitliche gesegnet. Nach meiner Meinung hat Opa einen tollen Lebensabschluss gehabt.







