
Speiel: Schießstanderlebnisse
Helmut Speiel erinnert sich...
Die Geschichte mit dem Fast-Unfall auf dem Schießstand...
Ende der 50er Jahre war an einem Sonntagvormittag ein Übungsschießen angesetzt. Damals hatten wir noch keine Scheibenzuganlagen. Es mussten immer zwei Schützenbrüder in die Anzeigerdeckung gehen. Danach musste die Pforte abgeschlossen werden. Dafür war der Schießmeister verantwortlich. An diesem Vormittag war schon so etwas Stimmung aufgekommen.
Als Zaungäste waren immer einige Kinder zugegen, die das Treiben aufmerksam beobachteten. Wir schossen Runden aus. Ich setze mich an den Anschusstisch. Entfernung 50 Meter sitzend aufgelegt. Ich richte mein Gewehr genau ein, habe die „Zehn” ganz genau im Visier und bewege den Abzugfinger langsam bis zum Druckpunkt. In diesem Moment schaute ein kleiner Junge genau in meinen Gewehrlauf hinein. Von der Lösung des Schusses war ich nur ein Zehntel Millimeter entfernt. Wie ich da ruhig geblieben und den Schuss noch verhindert habe, weiß ich nicht. Aber weiter schießen konnte ich dann nicht mehr. Der kleine Junge, der in unserem Hause wohnte, wäre sofort tot gewesen. Ich bin dann zum Schießmeister gegangen und habe ihm den Vorfall berichtet. Er war sichtlich erschüttert, ein tödlicher Unfall durch eine Verletzung der Aufsichtspflicht. Es wäre sein Verschulden gewesen. Da ich mit ihm unter 4 Augen gesprochen hatte, ist das nicht publik geworden.
Die Pforte zur Anzeigerdeckung wurde mit einem zusätzlichen Vorhangschloss gesichert und ein Mann hatte das zu kontrollieren. Eine kurze Zeit später bekamen wir moderne Zuganlagen für die Scheiben und die Pforte war ständig zu. Noch einmal richtig Glück gehabt!
Die „Schießuhr"...
Eine Begebenheit, bevor wir Zuganlagen hatten. Der Schützenbruder Hermann Thies hatte eine „Anzeiger-Uhr” gebaut. Die sah so aus wie eine Turmuhr und hatte einen schwarzen Zeiger für die geschossene Ringzahl, und einen roten Zeiger, mit dem man das „Abkommen” anzeigen konnte. Das ist die Richtung, in der der Schuss „saß”.
Ein älterer Schützenbruder wollte es besonders gut machen und schoss auf die „Uhr”. Da meldete sich der Anzeiger per Feldtelefon: "Sofort Feuer einstellen!” Da waren schon die beiden Zeiger völlig durchlöchert. Die Telefone hatte ich über die Nachkriegszeit „gerettet”. Die haben noch gute Dienste getan. Den Schützenbruder hat es aber einige „Runden” gekostet.
So kurz nach 1950 soll es vorgekommen sein, dass das Königsschiessen „manipuliert” wurde. Wenn der, der König werden sollte, am Anschusstisch saß, bekam die Kapelle Benstem-Naumann einen Wink und spielte den „Lustigen Hannoveraner” und die Anzeiger zeigten dann dreimal „Zwölf`. Und Ruckzuck war der König ermittelt.
Böse Zungen behaupteten, dass auch mit dem Feldtelefon die Sache geregelt worden ist.
Manchmal riefen auch die Anzeiger an und klagten, sie könnten vor lauter Durst die Scheiben nicht mehr sehen. „Feuer einstellen” und zwei halbe Liter hinbringen.
Ein Jäger hatte sonntags mal seine Schrotflinte mit gebracht. Der erste Schuss mit einem Riesenknall war der "Renner”. Die Anzeiger meldeten sich:
„Welchen Schuss sollen wir denn anzeigen? Da sind so hundert Treffer auf der Scheibe!”








