
Zwei Götter treffen sich
Zwei Götter treffen sich, der eine in gebückter Haltung, schwer atmend, tief betrübt und schwer beladen mit den Lasten der Welt, mit den Sorgen seiner Liebsten, mit den Vorwürfen und Anklagen, mit Verzweiflung und Krankheit. Er hat keine Kraft mehr für Dinge, die ihm Freude bereiten oder um den Wohlstand zu halten, den er so gerne hätte.
Da bemerkt er einen anderen Gott. Dieser geht aufrecht und leicht, ein lustiges Lied auf seinen Lippen und das Herz weit offen. Bei sich trägt er nur seinen täglichen Reichtum, den er sich aus der Fülle nimmt.
Da fragt der beladene den befreiten Gott: „Du hast es gut, wie hast du das gemacht? Ich will auch so sein wie du!“
„Lass deine Lasten los und nimm dir das, was du brauchst. Die Welt ist voller Fülle,“ antwortet der befreite Gott.
Sagt darauf der beladene Gott voller Wut: „Du hast leicht reden, man kann doch nicht einfach seine Lasten loslassen. Du bist egoistisch und selbstherrlich! Du könntest mir wenigstens tragen helfen und mir einen deiner Diamanten schenken, weil ich so arm bin! Ich hasse dich dafür, dass es dir so gut geht.“
„Wenn ich dir tragen helfen würde, dann wären wir beide gefangen. Schau, du musst nur loslassen, du brauchst das alles nicht mehr, und dann wird dir so viel Kraft zur Verfügung stehen, die du jetzt gerade in das Tragen deiner Lasten steckst. Dann kannst du auch den Kopf heben und die Fülle und die Leichtigkeit sehen, an die du nicht glauben willst, weil du so gebückt gehst. Schau mich an, es geht ganz leicht.“
Darauf wird der beladene Gott noch wütender und schreit: „Du eingebildeter Gott, wo kämen wir denn da hin, wenn jeder einfach so leben würde, dass es ihm gut geht? Kümmere dich gefälligst um die armen und Kranken und um mich.“
„Das tue ich doch gerade und es geht mir gut dabei“, antwortet darauf der befreite Gott, mit einem Lächeln auf den Lippen.
Mit seiner letzten Kraft holt der wütende Gott ein Messer aus der Tasche und tötet damit den befreiten Gott, weil er es nicht mehr aushält vor Wut.
Einige Zeit später erkennt er plötzlich, was er da die ganze Zeit gemacht hat und mit einem Schrei lässt er all seine Lasten zu Boden fallen! Dann steht er auf … und… fast zu Tode erschrocken erkennt er, dass es jetzt ganz von alleine so herrlich leicht ist. Kraft beginnt ihn zu durchfließen, so viel Energie, dass er es kaum aushalten kann, immer mehr Energie … und da steht er auf und fängt an aus seiner Freude heraus zu erschaffen, mit einem Lächeln und einem Lied …einfach nur das zu tun, was ihm Freude macht … und der leere Beutel in seiner Hand füllt sich wie von alleine mit Diamanten, immer gerade so viel, wie er braucht, um sich alles zu gönnen, was er sich nur vorstellen kann.
Da springt er vor Freude auf und schreit. Er schreit den Schrei des Befreiten und Tränen kullern über sein Gesicht.
„Jetzt weiß ich, wovon er gesprochen hat!!!!!!!!“
„Es ist ja soooooooooooo einfach!!!!!!!!!!!!!!!!“
„Es ist ja sooooooooooooooo herrlich!!!!!!!!!!!!“
Nach dieser Erkenntnis blickt er sich um und sieht von weitem eine Gestallt. Ein gebücktes Häufchen Elend, Gott Nr. 3, und ganz hinten am Horizont Millionen gebückter Götter, schwer beladen, auf der Suche nach Leichtigkeit und Fülle, und er - ach, ja - er tanzt immer noch, denn er ist unsterblich!








