Erinnern Sie sich noch an die großen Zeiten des Wietzer Fußballs?

Geflügelschlachtbetrieb: Freunde formieren sich

Freunde des Schlachthofes formieren sich
Internetgruppe hat 150 Mitstreiter
(Von Simon Ziegler, CZ, 22.05.2010)

Während die Schlachthof-Kritiker in Wietze seit Monaten gegen die Rothkötter-Pläne demonstrieren, sind die Befürworter in der Öffentlichkeit bislang kaum in Erscheinung getreten. Es gibt sie aber: Auf einem Internetportal hat sich eine Gruppe von fast 150 – vornehmlich jungen – Nutzern gebildet, die sich für die Hähnchenschlachtfabrik stark machen.

WIETZE. Es ist ein ziemlich sperriger Name, den sich die Schlachthof-Freunde gegeben haben. „Celler Land Frischgeflügel GmbH – Wir sind dafür“ heißt die Community, die vom 26-jährigen Wietzer Torsten Beyersdorff auf dem Internetportal „MeinVZ“ ins Leben gerufen wurde. Genau 146 Mitglieder hat die Gruppe inzwischen, die sich nicht als Bürgerinitiative versteht, wohl aber als Gegenpol zur in Wietze sehr präsenten „Bürgerinitiative für den Erhalt des Aller-Leine-Tals“, die mit aller Macht den Schlachthof verhindern will.

„Wir wollen zeigen, dass es auch viele Befürworter gibt“, sagt Beyersdorff, der in der Verwaltung der Bundeswehr arbeitet. Sein Mitstreiter Björn Horn (33) verweist darauf, dass man überhaupt keine Werbung für das Anliegen gemacht habe. „Das ist ein Selbstläufer“, sagt der EDV-Fachmann über den Zuspruch im Netz.

„Der Trend ist klar pro”: Torsten Beyersdorff (hinten) und Björn Horn machen sich im Internet für den Wietzer Schlachthof stark.
Foto: Langguth

Bei „Gruppen“, die Internet-User in sozialen Netzwerken wie „MeinVZ“ bilden, handelt es sich um Möglichkeiten, das eigene Profil zu erweitern, Mitstreiter zu finden und sich auszutauschen. Anders als die Gegner, die ein Bürgerbegehren gestartet, Info-Stände aufgebaut und mehrmals in politischen Gremien ihren Unmut geäußert haben, planen die „Onliner“ keine Aktionen in der Öffentlichkeit. „Wir hatten mal über eine Unterschriftenaktion nachgedacht, um zu zeigen, dass es in Wietze auch viele Befürworter gibt. Das ist aber gar nicht mehr notwendig. Der Trend ist ohnehin klar pro“, glaubt Beyersdorff, dass die Mehrheit der Bevölkerung in Wietze eher von den Vorteilen als von den Nachteilen des „Hendl-Booms“ überzeugt ist.

Horn hat indes durchaus Verständnis für einige Argumente der Gegner, etwa bei Fragen des Tierschutzes. Einigen Mitgliedern der Bürgerinitiative hält er aber Scheinheiligkeit vor: „Wenn ich sehe, dass manche ihr Fleisch weiter beim Discounter kaufen oder sich einen halben Hahn vom Grillwagen holen – das regt mich einfach auf.“

Dass nach Monaten der Auseinandersetzung um Für und Wider die Bevölkerung in Wietze inzwischen tief gespalten ist, glauben die beiden nur bedingt. „Ich finde es übertrieben, wenn man das Verhältnis als stark gespalten bezeichnet“, sagt Horn. Klar gebe es „Hardcore-Gegner“. Auch würden Schreckensszenarien entworfen. „Wenn man aber mit Emsländern oder Anwohnern von Mastställen spricht, verstehen sie die Aufregung nicht. Ein- bis zweimal im Jahr riecht es ein bisschen, aber das ist doch normal auf dem Land.“

Der 33-Jährige macht aus seinem Lokalpatriotismus keinen Hehl: „Ich würde den Betrieb lieber in Wietze als in einer Nachbargemeinde sehen. Ich halte die Gerüche für absolut vertretbar.“

Das Interview mit Torsten Beyersdorff und Björn Horn