Wietze und der liebe Gott: Hat Gott Wietze bevorzugt?

Kampfplatz „Kranz Ecke“

Kampfplatz „Kranz Ecke“
(Von Friedhelm Immig, gen Just)

Auch in unserer Schulzeit maßen die Jungen ihre Kräfte. Auftretende Unstimmigkeiten wurden manchmal mit Fäusten gelöst. Hierbei wurden wenn es nicht spontan losging, einige Rituale eingehalten.

Einer unserer Klassenkameraden ging durch die Klassen und sagte:“ Heute nach Schulschluss treffen wir uns an „Kranz Ecke“, dort kämpfen Karl gegen Hermann.“
Nach Schulschluss versammelten wir uns dort, und unter großem Hallo der Zuschauer gingen die beiden Kontrahenten aufeinander los. Manchmal ging der Kampf schnell zu Ende. Hatte einer den anderen im Schwitzkasten. Fragte er: „Gibst du auf?“
Sehr oft stimmte der andere zu und antwortete; „Ja ich gebe auf.“ Und der Kampf war beendet.

Des Öfteren dauerte es aber auch etwas länger und es wurde ein richtiger Ringkampf draus, der mit großem Beifall der Umstehenden begleitet wurde. Falls aber einem die Nase blutete, oder er weinte, war der Kampf auch beendet. Es wurde nicht mehr nach getreten.

Selbst war ich auch einige Male an der Sache beteiligt. Bei einem Ringkampf ging es rauf und runter, keiner wollte nachgeben, und so übersahen wir, dass unser Milchverkäufer Herr Berg, der zu der Zeit noch mit Pferd und Wagen durch Wietze fuhr und Milch, Käse und Butter verkaufte, sich dem Kampfplatz näherte. Er hatte die Pferdepeitsche in der Hand und zog uns erst mal einige Streiche über den Hintern und rief: „Ick will jau helpen, verflixte Bengels.“ Dies tat ganz schön weh. Der Kampf war auch sofort beendet.

Beschwert hat sich von uns keiner. Heute ist „Kranz Ecke“ zugepflastert und lädt wohl nicht mehr zum Ringkampf ein.