
Geflügelschlachtbetrieb: Winsen/Auswirkungen
Zoff um Schlachthof erreicht Winsen
CDU-FDP-Gruppe bricht auseinander
(Von Simon Ziegler, CZ, 23.02.2010)
Der Streit um die Ansiedlung des Wietzer Geflügelschlachthofes hat die Nachbargemeinde Winsen erreicht. Weil es unterschiedliche Auffassungen über die Richtigkeit der Wasserentnahme am Bannetzer Moor gibt, hat die FDP die gemeinsame Gruppe mit der CDU aufgelöst. Zudem haben zwei CDU-Ratsmitglieder die Fraktion verlassen – ebenfalls wegen Rothkötter. Albrecht Hoppenstedt (FDP) will als Zweiter Stellvertretender Bürgermeister abtreten.
WINSEN. Die Winser Lokalpolitik steht vor einem grundlegenden Wandel. Wie CDU und FDP gestern auf CZ-Nachfrage bestätigten, existiert die gemeinsame Zählgemeinschaft im Gemeinderat nicht mehr. Grund sind zwei Sachfragen. Zum einen wirft der FDP-Fraktionsvorsitzende Albrecht Hoppenstedt den beiden CDU-Kreistagskollegen Friedrich-Wilhelm Falke und Hans-Günter Grunke vor, bei der Abstimmung zur Gesamtschule im Kreistag im Juni 2009 nicht die Interessen Winsens vertreten zu haben. Zum anderen ist die FDP mit ihren drei Ratsmitgliedern gegen die Wasserentnahme am Bannetzer Moor. Dort hatte der Rothkötter-Konzern Probe-Bohrungen für den Schlachthof in Wietze vorgenommen.
Die Auseinandersetzung um das Großprojekt im Nachbarort hat außerdem dazu geführt, dass die beiden Christdemokraten Dorothea Voßberg-Berger und Stefan Rainer Potratz die CDU-Fraktion verlassen und ihre Parteimitgliedschaft gekündigt haben. Wie der Fraktionsvorsitzende Falke gestern sagte, wollten die beiden ihr Ratsmandat aber behalten. Hintergrund ist, dass die beiden CDU-ler einen Antrag gestellt haben, der darauf hinaus lief, dass alle Schritte im Zusammenhang mit der Wasserentnahme vom Rat zu genehmigen seien. Falke verwies darauf, dass diese Entscheidung nicht in Winsen liegt. Die Genehmigungsbehörde ist der Landkreis Celle.
Hoppenstedt bestätigte die Entwicklung im Grundsatz. Knackpunkt sei die Wasserentnahme. „Für mich als Wissenschaftler ist nicht hinreichend geklärt, ob nicht Schäden für die Ökologie entstehen könnten“, so Hoppenstedt, der mit einer „erheblichen Belastung“ rechnet. Hoppenstedt kündigte auch an, sein Amt als Zweiter Bürgermeister zur Verfügung zu stellen. „Das steht uns als kleine Fraktion dann nicht mehr zu.“ Die CDU wird mit elf Mitgliedern die stärkste Fraktion bleiben. Denkbar ist, dass die SPD als zweitstärkste Partei den Stellvertreterposten beanspruchen wird.
Das starke Tandem in Winsen wird in den kommenden Monaten Falke als Erster Stellvertretender Bürgermeister und Verwaltungsvize Berthold Walter sein. Bürgermeister Wilfried Hemme ist dem Vernehmen nach schwer erkrankt. Er wird mehrere Monate fehlen.








