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Geflügelschlachtbetrieb: Flächenutzungsplanänderung..

Ausschuss in Wietze bläst Sitzung ab
Planer: „Neue Zahlen“ sind nicht neu
(Von Joachim Gries, CZ, 12.02.2010)

Knapp 2,6 Millionen Hähnchen soll der in Wietze geplante Geflügelschlachthof nach dem Endausbau der zwei Schlachtlinien pro Woche verarbeiten. Diese Zahl steht im Genehmigungsantrag der Firma Rothkötter. In der Beschlussvorlage des Wietzer Rates vom September war von gut einer Million Hähnchen die Rede, diese Zahl kursierte auch in der Öffentlichkeit. Gestern Abend sorgte die Diskrepanz für eine kurze Sitzung des Wietzer Infrastrukturausschusses. Kommenden Woche will das Gremium erneut über Flächenutzungsplanänderung und die neuen Bebauungspläne reden.

WIETZE. Nach 36 Minuten war alles vorbei. Weder waren die Experten zu Wort gekommen, noch hatten die Einwohner Fragen stellen können. Der Infrastrukturausschuss der Gemeinde Wietze setzte gestern die Sitzung ab, die sich um die Flächennutzungs- und Bebauungsplanänderung für den geplanten Gefügelschlachthof der Firma Rothkötter drehte. Kommende Woche soll an gleicher Stelle ein neuer Anlauf genommen werden.

Den Stein ins Rollen gebracht hatte Claus Friedrich Schrader (Grüne). Er beantragte, die entsprechenden Tagesordnungspunkte abzusetzen und begründete das damit, dass in der Beschlussvorlage vom September von etwa einer Million geschlachteter Hähnchen pro Woche die Rede gewesen sei. „Von diesen Planzahlen sind wir bisher bei allen interfraktionellen Beratungen ausgegangen“, sagte Schrader.

Firmenchef Franz-Joseph Rothkötter habe in der Informationsveranstaltung am 8. Februar erstmals eine geplante Schlachtkapazität für den Endausbau der Schlachterei von zwei Mal 13500 Tieren pro Stunde bei einem zweischichtigen Betrieb erwähnt. Diese Zahlen habe das Gewerbeaufsichtsamt Lüneburg auch in der Einladung zum öffentlichen Anhörungstermin im Rahmen des Genehmigungsverfahrens veröffentlicht. Das Amt kommt auf eine Zahl von 2,592 Millionen Hähnchen wöchentlich.

Nach einer von der CDU beantragten Sitzungsunterbrechung erklärte Bürgermeister Wolfgang Klußmann, dass der Hinweis von Schrader zu Recht ergangen sei. Auswirkungen auf die Tagesordnung hätte er nicht. Wie die bisher genannte falsche Zahl zustande gekommen sei, konnte Klußmann nicht sagen. CDU und SPD erklärten darauf hin, die Tagesordnung abzusetzen und kommenden Donnerstag erneut zu tagen. „Wir sind dafür, um den Vorwurf zu entkräften, dass wir das fahrlässig durchgewunken hätten“, sagte Jürgen Verhovec (SPD).

„Wir sind von Anfang an von diesen Zahlen ausgegangen“, sagte Bauleitplaner Michael Keller, der den Flächennutzungsplan und die Bebauungpläne für die Gemeinde begleitet. Damit meinte er die höheren Zahlen von Rothkötter. Es bleibe bei den bis zu 150 Mastställen, auch würden sich die Transporte nicht verdoppeln, sagte Keller.

Vor der Sitzung hatten rund 100 Demonstranten mit Plakaten, Trillerpfeifen und Sprechchören gegen den Geflügelschlachthof protestiert. „Keine Mastställe in Celle“, skandierten die Demonstranten. Vereinzelt waren auch „Klußmann raus“-Rufe zu hören. Anschließend verfolgten sie die Sitzung des Ausschusses.

Klußmann räumt Fehler ein
Zahlen nicht absichtlich falsch veröffentlicht
(Von Simon Ziegler, CZ, 13.02.2010)

Nach der vertagten Sitzung des Infrastrukturausschusses hat sich Wietzes Bürgermeister Wolfgang Klußmann gestern gegen Vorwürfe gewehrt, er habe absichtlich falsche Zahlen veröffentlicht. „Das ist definitiv falsch. Es ist eine Frechheit zu behaupten, dass die Politik die richtigen Zahlen jetzt zum ersten Mal bekommen hat“, sagte Klußmann der CZ.

WIETZE. Er verwies auf den Besuch des Wietzer Gemeinderats am 14. September in Haren im Emsland, wo sich die Politik einen Eindruck vom Stammsitz des Rothkötter-Konzerns gemacht hatte. Dort wurden in der Tat Zahlen genannt, die den am Mittwoch vom Gewerbeaufsichtsamt Lüneburg veröffentlichten Daten nahe kommen. Die CZ schrieb nach dem Besuch, dass in Haren seit dem Jahr 2007 rund 24000 Hähnchen pro Stunde geschlachtet werden. Pro Woche sind es dort über zwei Millionen Tiere. Rothkötter hatte angekündigt, den Wietzer Schlachthof etwa eins zu eins zum Stammsitz in Haren zu errichten. Auch Claus Friedrich Schrader, der am Donnerstag den Stein ins Rollen brachte, dass die Infrastrukturausschuss-Sitzung vertagt wurde, war bei dieser Besichtigung dabei.

Nach Angaben der Gewerbaufsicht sollen in Wietze in der Endausbaustufe, also bei zwei Schlachtlinien im Zwei-Schicht-System, 27000 Tiere in der Stunde geschlachtet werden. Anders ausgedrückt: Pro Woche wären es knapp 2,6 Millionen Tiere.

Klußmann räumte gestern Fehler ein. Die Zahl von einer Million geschlachteter Hähnchen pro Woche stamme aus einer Beschlussvorlage vom 9. September, also noch vor der Besichtigung in Haren. Diese Zahl habe sich fälschlicherweise nur auf eine Schlachtlinie bezogen. Allerdings geht das Gewerbeaufsichtsamt jetzt von wöchentlich annähernd 1,3 Millionen Hähnchen pro Schlachtlinie aus.

Der Infrastrukturausschuss wird am kommenden Dienstag um 19 Uhr in der Aula der GHRS erneut zur Beratung zusammenkommen. Die für Dienstag geplante Ratssitzung wird verschoben.

Kommentar
Argumente zählen
(Von Joachim Gries, CZ)

Zugegeben, dass in der Wietzer Politik über Monate die falschen Zahlen über den geplanten Hähnchenschlachthof kursierten, ist für Bürgermeister Wolfgang Klußmann eine peinliche Geschichte. Ihm Vorsatz zu unterstellen, ist aber ziemlich schlicht gedacht. Die tatsächlichen Zahlen stehen ja, für jeden lesbar, in den Antragsunterlagen.
Was bei der Auseinandersetzung um den Schlachthof einzig zählt, sind Argumente. Mit Trillerpfeifen, Sprechchören und Anwürfen wird sich das Projekt nicht verhindern lassen. Bei Bauleitplanung und Genehmigungsverfahren ist die Mitwirkung der Anwohner ausdrücklich vorgesehen. sie können sich mehr-fach äußern. Politik und Behörden werden dann die Einwände abzuwägen und zu bewerten haben.
Wietzes Kommunalpolitiker werden sich die Entscheidung nicht leicht machen. Sie haben aber das ganze Gemeinwesen im Blick. Und wären von negativen Auswirkungen genauso betroffen wie der Rest der Bevölkerung.

Trotz starker Proteste im Ausschuss: Wietzer Politik steht hinter Rothkötter
(Von Simon Ziegler, CZ, 18.02.2010)

Die Wietzer Kommunalpolitik hat ein deutliches Ausrufezeichen hinter den Geflügelschlachthof gesetzt und die Weichen für die Änderung des Flächennutzungsplanes und die Aufstellung der Bebauungspläne gestellt. In einer phasenweise polemischen und turbulenten Ausschuss-Sitzung kritisierten zahlreiche Bürger das Vorhaben.

WIETZE. Willi Runne aus Schwarmstedt erntete in der Fragestunde wohl den größten Applaus. „Was tun Sie uns an?“, fragte er die Mitglieder des Infrastrukturausschusses. „Sie können entscheiden, ob Mastställe kommen oder nicht. Wir müssen aufstehen, sonst gucken wir morgens aus dem Fenster und sehen nur noch Mastställe“, appellierte der Mann aus Schwarmstedt an die Wietzer Kommunalpolitiker, ihre Haltung zum Schlachthof zu überdenken.

Genau 51 Minuten dauerte allein die Fragestunde. Sie hätte wohl noch viel länger gedauert, hätte der Ausschuss-Vorsitzende Dietrich Ziemke sie nicht um 19.51 Uhr für beendet erklärt. In diesen 51 Minuten mussten sich die Befürworter des Großprojektes Einiges anhören. Uschi Helmers vom Vorstand der Bürgerinitiative kritisierte, dass der Rat schon einen Tag nach der Besichtigung des Rothkötter-Konzerns einen Pro-Schlachthof-Beschluss gefasst hatte.

„Wir fühlen uns verdummt und vorgeführt“, sagte Helmers mit Blick auf die falschen Zahlen, die über Monate in Wietze bezüglich der Schlachtkapazität kursierten. Andere Bürger, die unter anderem aus Lachendorf, Celle, Winsen und Hambühren nach Wietze gekommen waren, stellten kritische Fragen zu Massentierhaltung, zum Zwischenkredit der Gemeinde oder zum Wasserverbrauch des Unternehmens.

Im Anschluss an die turbulente Auftaktrunde scheiterte Claus Friedrich Schrader damit, die Bauleitplanung von der Tagesordnung abzusetzen. Für eine Bewertung der ökologischen Folgen sei nicht genügend Zahlenmaterial vorhanden, argumentierte der Grünen-Politiker. Dem schloss sich aber keiner der Ausschuss-Mitglieder an.

Die Ausschuss-Mehrheit folgte stattdessen den Beschlussvorlagen der Gemeindeverwaltung. Alle vier Abstimmungsvorgänge zur Bauleitplanung endeten mit dem gleichen Ergebnis. Die acht CDU- und SPD-Mitglieder stimmten dafür, Schrader dagegen.

Sollte der Gemeinderat diesen Empfehlungen folgen, wovon angesichts des eindeutigen Votums wohl ausgegangen werden kann, werden die Planentwürfe öffentlich ausgelegt. Das bedeutet, dass Anregungen und Bedenken geäußert werden können. Anschließend wird der Planentwurf angepasst und steht erneut zur Abstimmung im Rat.

Bürgermeister Wolfgang Klußmann verteidigte im Ausschuss abermals das Großprojekt. „Ich hielte es gegenüber der Gemeinde für verantwortungslos, die Ansiedlung nicht voranzutreiben“, so Klußmann. Hätte sich Rothkötter nicht für Wietze entschieden, wäre er entweder in den Kreis Rotenburg oder in den Kreis Walsrode gegangen. „Das Problem der Mastställe würde uns dann im gleichen Maße betreffen.“ Von der Realisierung des Vorhabens gab er sich überzeugt. „Ich halte es vom Grundsatz her für fast völlig ausgeschlossen, dass Rothkötter nicht kommt.“

KOMMENTAR
(Von Simon Ziegler, CZ, 18.02.2010)

Die Befürworter des Wietzer Schlachthofes waren zuletzt schwer in die Defensive geraten. Erst kam raus, dass mit falschen Zahlen zur Schlachtkapazität hantiert wurde, dann wurde eingestanden, dass mehr als 400 Mastställe statt der kommunizierten 150 errichtet werden könnten. Keine Frage: Man schafft kein Vertrauen, indem man einerseits die Arbeitsplätze hoch-, andererseits aber die Probleme kleinrechnet. Die Wietzer Verwaltung und der Landkreis Celle müssen sich deshalb den Vorwurf gefallen lassen, den Rothkötter-Kritikern unnötig in die Karten gespielt zu haben.

Der Infrastrukturausschuss hat ein Zeichen gesetzt, das eindeutiger gar nicht ausfallen kann. Es lautet: Ja zu Rothkötter, Ja zu Arbeitsplätzen, Ja zu den Chancen für Wietze. Damit ist dokumentiert, dass auch ein halbes Jahr nach Bekanntwerden der Pläne die große Mehrheit der Volksvertreter hinter dem Geflügelschlachthof steht.

Die Bürgerinitiative hat es entgegen eigenem Bekunden nicht geschafft, einen Stimmungsumschwung herbeizuführen. Sicher: Am Dienstag haben 250 Bürger demonstriert. Auch wird ein Bürgerentscheid angestrebt. Es dürfte sich jedoch nichts daran geändert haben, dass es sich dabei um eine Minderheit handelt, die besonders stark in die Öffentlichkeit drängt.

Die Befürworter sollten sich die Butter nicht vom Brot nehmen lassen. Denn es ist nichts falsch daran, dass ein Unternehmer investiert, weil der Markt es hergibt. Nur mal zur Erinnerung: Nach der Pleite der Landbäckerei Engelke und der Fast-Pleite von Stankiewicz wird hier hunderten von Familien eine Perspektive geboten. Das darf nicht in den Hintergrund geraten.

Nächste Runde im Rat

Nach dem breiten Interesse der Bürgerinitiative gegen den Schlachthof rechnet die Verwaltung auch am Dienstag, 19 Uhr, mit großem Andrang. In der Aula der Grund- und Hauptschule wird der Wietzer Gemeinderat die Pläne „Sondergebiet Trannberg“ behandeln.
(Von Tore Harmening, CZ, 27.02.2010)

WIETZE. Wer die Ratssitzung in Wietze am kommenden Dienstag verfolgen will, sollte früh kommen. „Wir können 199 Besucher einlassen“, sagte Wietzes Bürgermeister Wolfgang Klußmann nach einem Gespräch mit dem Landkreis. Nach den Protesten von mehr als 200 Bürgern beim Infrastrukturausschuss geht er von regem Interesse aus.

„Mehr als diese 199 Leute dürfen wir aber nicht in die Aula lassen, weil es sonst eine Versammlungsstätte wird, die höhere Anforderungen erfüllen muss“, begründete Klußmann die Begrenzung. Der Einlass für die Ratssitzung beginnt um 18 Uhr.

Bisher wurde noch keine Veranstaltung beim Kreis angemeldet. Das kann aber bis 48 Stunden vorher passieren und es soll flexibel gehandhabt werden. Sollten viele Menschen kommen, wird die Polizei eventuell die Schulstraße sperren. „Wir werden den Schutz jeder möglichen Veranstaltung und den ordnungsgemäßen Ablauf der Sitzung gewährleisten“, sagte Polizeisprecher Christian Riebandt. Alle Verantwortlichen gehen davon aus, dass es friedlich bleibt.

Landvolk nennt Zahlen: Unterdessen sorgt der Bau von Mastanlagen weiter für Streit. Das Celler Landvolk hat erstmals eine Zahl zu möglichen Interessenten für den Bau einer solchen Anlage mit Plätzen für bis zu 40000 Tiere genant. „Nach unseren Informationen gibt es derzeit im Landkreis Celle sieben bis acht Ställe, die geplant sind“, sagt der Landvolksvorsitzende Jürgen Mente. Angesichts der immer wieder in die Diskussion aufgetauchten Zahl von 400 Mastställen, die im Landkreis Celle gebaut werden sollte, stellte Mente fest: „Die Realität ist eine andere.“

Auch die Landespolitik beschäftigt der Bau von Mastställen. Die Grünen im Landtag attackieren Landwirtschaftsminister Hans-Heinrich Ehlen für einen geplanten Erlass, der es ermöglichen würde, nahe an Waldgebieten zu bauen. Waldflächen würde dabei im juristischen Status umgewandelt, ohne dass die Bäume abgeholzt werden. Das wäre besonders für Standorte an der A7 wichtig. Diese „virtuelle Abholzung“ ist nach Einschätzung der Grünen nicht zulässig. Das Ministerium weist die Vorwürfe zurück. Mit dem Erlass würde Wald geschont, der sonst erst abgeholzt und dann an andere Stellen aufwendig aufgeforstet werden müsste.

Wietzer Rat stellt Weichen
Ja zu Schlachthof-Plänen
(Von Simon Ziegler, CZ, 04.03.2010)

Der Wietzer Gemeinderat hat am Dienstag in der Aula des Schulzentrums einen weiteren Schritt für die Ansiedlung der „Celler Land Frischgeflügel GmbH“ getan. Mit deutlicher Mehrheit stimmte das Gremium für die Bauleitplanung, die zuvor bereits vom Infrastrukturausschuss empfohlen war. Die Schlachthof-Kritiker waren erneut zahlreich vertreten.

WIETZE. Nach den beiden turbulenten Sitzungen des Infrastrukturausschusses im Februar, in denen die Schlachthof-Gegner ihren Unmut gegen die Rothkötter-Ansiedlung lautstark kundgetan hatten, hat die Bürgerinitiative für den Erhalt des Aller-Leine-Tals am Dienstag die Strategie geändert. Ein Großteil der knapp 200 Besucher protestierte während der Ratssitzung schwarz gekleidet und mit Mundschutz gegen die Absicht der Ratsmehrheit, den ersten Schritt der Bauleitplanung zu verabschieden. Als das geschehen war, standen die Kritiker geschlossen auf und verließen den Raum. „Die Schutzmasken sollten klar machen, dass es uns stinkt. Wir haben beschlossen, schweigend teilzunehmen, wie es sich für eine Trauergemeinde gehört“, erläuterte Norbert Juretzko vom Vorstand der Bürgerinitiative den ungewöhnlichen Protest.

Wie bereits im Fachausschuss stellte während der Ratssitzung der Grüne Claus Friedrich Schrader den Antrag, dass sich das Gremium nicht mit den Tagesordnungspunkten zur Änderung des Flächennutzungsplanes als auch zur Aufstellung der Bebauungspläne befassen möge, weil diese seiner Meinung nach gegen rechtliche Vorgaben verstießen. Die Ratsmehrheit lehnte Schraders Ansinnen ab.

Vertreter von CDU und SPD sowie Jürgen Vondracek (EWV) votierten anschließend mit 14 Ja-Stimmen für den von der Gemeindeverwaltung vorgeschlagenen Weg. Neben Schrader stimmten nur Eva Ehry (SPD) und Sabri Kizilhan (Linke) gegen die Änderung des Flächennutzungsplanes und die Aufstellungsbeschlüsse der Bebauungspläne „Trannberg“ und „Trannberg Süd“.

Nach den Beschlüssen vom Dienstag können Behörden und Bürger Stellungnahmen zu dem Vorhaben abgeben, erläuterte der von der Verwaltung beauftragte Stadtplaner Michael Keller aus Hannover. Es würden etwa 40 Behörden angeschrieben, darunter der Landkreis Celle. Bürger haben ab Mitte März für rund einen Monat die Gelegenheit, im Bauamt des Wietzer Rathauses Einwände vorzubringen. Nach dieser Phase bewertet das Planungsbüro Keller die Stellungnahmen und schlägt vor, wie damit umgegangen werden könnte. Wenn das geschehen ist, werden die Wietzer Gremien erneut über die Bauleitplanung beraten. Es kommt zu einer weiteren öffentlichen Auslegung, bevor die Abstimmung über die endgültigen Beschlüsse ansteht. Erst wenn die Änderung des Flächennutzungsplanes vom Landkreis Celle genehmigt ist, können die Bebauungspläne von der Gemeinde in Kraft gesetzt werden. Eine Baugenehmigung für Rothkötter könnte im Anschluss erteilt werden.

Kein Wasser aus Bannetze?
(Von Simon Ziegler, CZ, 27.04.2010)

Der Rothkötter-Konzern will die Wasserversorgung des Wietzer Schlachthofes offenbar doch über das öffentliche Versorgungsnetz sicherstellen. Derzeit werde nicht mehr angestrebt, Wasser aus Bannetze zu entnehmen, teilte ein Planungsbüro mit. In dieser Woche werden sich der Infrastrukturausschuss und der Gemeinderat erneut mit der Bauleitplanung befassen. Zahlreiche Bürger haben Einwände gegen den Schlachthof vorgebracht.

WIETZE. Kehrtwende bei der Wasserversorgung für den Geflügelschlachthof: Michael Keller, von der Wietzer Gemeindeverwaltung beauftragter Stadtplaner aus Hannover, erklärte, dass Rothkötter aus Kostengründen die Wasserentnahme aus Bannetze nicht mehr favorisiert. „Die Variante würde bedeuten, dass eine Leitung unter der Aller durchgebaut werden müsste“, sagte Keller. Zudem sei es unsicher, ob die Möglichkeit aus Bannetze überhaupt erfolgversprechend sei. Laut dem Planungsbüro werde die Variante von dem Konzern aber weiter geprüft. Möglich sei, dass Rothkötter zu einem späteren Zeitpunkt auf Bannetze zurückkommt, so Keller.

Das Unternehmen hatte zwei weitere Möglichkeiten für die Wasserversorgung in Betracht gezogen. Im Gespräch sind auch die Stadtwerke Hannover und der Celler Anbieter SVO. Ralf Horst, Sprecher der SVO, sagte, dass man noch keine Entscheidung von Rothkötter kenne.

Zahlreiche Einwände: Nachdem der Gemeinderat im März den Weg für die Bauleitplanung frei gemacht hatte, haben zahlreiche Bürger, Verbände, Kommunen und Behörden Stellungnahmen zu dem Großprojekt abgegeben. Dafür hatten sie bis Mitte April Zeit. Mit den rund 50 Kommentaren und Einwänden wird sich in dieser Woche der Infrastrukturausschuss und anschließend der Gemeinderat befassen. Insgesamt sind rund 300 Seiten zusammengekommen, die auch im Internet auf der Homepage der Gemeinde Wietze einsehbar sind.

Zunächst wird der Fachausschuss am Mittwoch ab 18 Uhr über die Einwände beraten. Einen Tag später wird der Gemeinderat um 19 Uhr zusammenkommen, um die Empfehlungen des Ausschusses zu beschließen. Wegen des erwarteten Besucherinteresses finden beide Sitzungen in der Aula des Schulzentrums statt.

Wietzes Bauamtsleiter Wolfgang Lehrich machte aber klar, dass nicht alle Einwände relevant sind. „Einige konnten nicht berücksichtigt werden, weil es sich um sachfremde Argumente handelt, die mit der Bauleitplanung nichts zu tun haben“, so Lehrich. Dazu zählt er unter anderem Stellungnahmen zu Mastställen.

Mit dem Schlachthof sind zahlreiche Behörden befasst. Die Gemeinde ist für die Bauleitplanung verantwortlich. Das Gewerbeaufsichtsamt vergibt die Betriebslizenz und die Baugenehmigung. Der Landkreis Celle ist beim Wasserrecht zuständig.

Rat stimmt für überarbeiteten Planentwurf
Fronten bleiben verhärtet
(Von Simon Ziegler, CZ, 30.04.2010)

Der Wietzer Gemeinderat hat gestern Abend einen weiteren Schritt zur Ansiedlung der „Celler Land Frischgeflügel GmbH“ gemacht. Das Lokalparlament stimmte mit großer Mehrheit für den überarbeiteten Planentwurf, in dem Bedenken und Anregungen von Bürgern und Behörden berücksichtigt wurden. Vertreter der Bürgerinitiative kritisierten das Verfahren.

WIETZE. Die Fronten in Wietze bleiben verhärtet. „Ich habe das Gefühl, dass Einwände gegen den Schlachthof beiseite gewischt werden“, sagte Wolf-Rüdiger Ehry am Mittwoch im Infrastrukturausschuss. Und Grünen-Ratsherr Claus Friedrich Schrader betonte, das gesamte Verfahren habe für ihn ein „Geschmäckle, weil der Planer Michael Keller auch vorgeschlagen habe, wie mit den Einwänden umgegangen werden soll.

Die Wietzer Ratsmehrheit sieht das anders. Sowohl der Infrastrukturausschuss am Mittwoch als auch der Rat gestern votierten mit den Stimmen von CDU, FDP, SPD und des Einzelbewerbers Jürgen Vondracek für die neue Version der Planentwürfe zur Bauleitplanung, die Einwände und Abwägungen von Bürgern und Verbänden berücksichtigen soll. Gestern im Rat votierten bei 17 Ja-Stimmen lediglich Claus Friedrich Schrader (Grüne) und Sabri Kizilhan (Linke) gegen die Pläne. Der Entwurf wird jetzt erneut öffentlich ausgelegt.

Während der Beratungen bemühte sich Schlachthof-Gegner Schrader den Planentwurf anzugreifen. Er kritisierte unter anderem eine von Keller bemühte Statistik. Der hatte vorgerechnet, dass bei 400 Mastställen in einem 100-Kilometer-Radius alle 80 Quadratkilometer, also alle neun Kilometer, ein Stall entstehen könnte. Hermann Alps-Lammers (CDU) verwies darauf, dass der Radius nach heutiger Annahme bei 150 Kilometern liegen dürfte. Firmenchef Franz-Josef Rothkötter sagte der CZ, dass er zunächst mit 50 neuen Mastställen zum Betriebsbeginn im kommenden Jahr rechnet.

Bestätigt wurde während der Beratungen, dass die Wasserversorgung voraussichtlich nicht aus Bannetze sichergestellt wird. Derzeit sei vorgesehen, das Frischwasser von der SVO zu beziehen, hieß es. Bürgermeister Wolfgang Klußmann betonte, dass die Frage, woher das Wasser komme, für die Bauleitplanung nicht entscheidend sei. „Wichtig ist, dass die Versorgung gewährleistet ist.“

Eine heftige Debatte entzündete sich am Mittwoch über die Frage, ob die Gemeinde Wietze ein so genanntes Raumordnungsverfahren beantragen soll. Dabei handelt es sich um ein Instrument der Landesplanung, das in dem Fall vom Landkreis Celle durchgeführt werden würde. Das Verfahren klärt, ob Einzelvorhaben wie der Bau von Autobahnen aufgrund der überörtlichen Bedeutung mit den Zielen der Raumordnung und der Landesplanung vereinbar ist.

Ein Bürger hatte am Mittwoch angeregt, dass dieses Verfahren hilfreich sein könnte, um die Polarisierung zwischen Befürwortern und Gegnern in Wietze zu überwinden. Norbert Juretzko von der Bürgerinitiative betonte, dass der Schritt den Rat entlasten würde. Dagegen verwies die Verwaltung darauf, dass die Entscheidung nicht in Wietze liege. Sollten das Land oder der Landkreis Interesse an dem Raumordnungsverfahren haben, wäre es längst eingeleitet worden.

Gemeinde stellt Weichen
(Von Simon Ziegler, CZ, 02.07.2010)

Die Pläne für den Wietzer Geflügelschlachthof der Celler Land Frischgeflügel GmbH werden immer konkreter. In der kommenden Woche wollen die politischen Gremien der Gemeinde Wietze die Bauleitplanung zum Abschluss bringen. Die Bauarbeiten auf dem Gelände „Trannberg“ sollen im August beginnen.

WIETZE. Nachdem der Wietzer Verwaltungsausschuss Mitte Juni das Bürgerbegehren zum Hähnchenschlachthof abgelehnt hatte, stehen am Dienstag und Mittwoch entscheidende Weichenstellungen an. Wie Verwaltungsvize Nicole Jürgensen sagte, sollen die abschließenden Beschlüsse zum Flächennutzungsplan und zum Bebauungsplan gefasst werden. „Damit würde die Bauleitplanung abgeschlossen werden“, sagte Jürgensen.

Zunächst wird am Dienstag, 6. Juli, der Infrastrukturausschuss um 17 Uhr in der Aula der Grund-, Haupt- und Realschule zusammenkommen und eine Empfehlung abgeben. Einen Tag später wird an gleicher Stelle ebenfalls um 17 Uhr der Gemeinderat Entscheidungen zur Bauleitplanung treffen. Angesichts der bisherigen Abstimmungen wird mit einem klaren Votum zugunsten der Rothkötter-Pläne gerechnet. Sollte die Politik die Beschlüsse erwartungsgemäß treffen, kann der Konzern die Grundstücke des Baugeländes im Wietzer Westen erwerben.
„Wir rechnen damit, dass die Grundstücke im Laufe des Juli verkauft werden“, sagte Wietzes Bauamtsleiter Wolfgang Lehrich.

Nach derzeitigem Stand könnte ebenfalls noch im Juli das Gewerbeaufsichtsamt Lüneburg Rothkötter die Baugenehmigung für den Geflügelschlachthof erteilen, so dass die Arbeiten im August beginnen könnten.
Mitte bis Ende August will die Gemeinde nach Lehrichs Worten mit dem Bau eines Kreisels auf der Bundesstraße 214 und zwei Zufahrtsstraßen beginnen.

Unterdessen hat die Bürgerinitiative für den Erhalt des Aller-Leine-Tals bekräftigt, den Beschluss des Verwaltungsausschusses gegen den Bürgerentscheid juristisch anzufechten. „Wir sind sehr sicher, dass wir recht haben“, sagte Norbert Juretzko, Vorsitzender der Bürgerinitiative. „Das läuft darauf hinaus, dass wir vor das Verwaltungsgericht Lüneburg gehen“, so Juretzko.
Vor wenigen Wochen hatte das Wietzer Gremium entschieden, die Zulässigkeit des Bürgerbegehrens aus mehreren formalen Gründen abzulehnen. Damit werden Bürger nicht darüber abstimmen, ob sie mit dem Zwischenkredit einverstanden sind, den die Gemeinde Wietze dem Investor zur Verfügung stellen könnte.

Wietze macht Weg für Rothkötter frei
(Von Simon Ziegler, CZ, 08.07.2010)

Nach der gestrigen Entscheidung des Wietzer Gemeinderates will das Gewerbeaufsichtsamt Lüneburg zügig über die Baugenehmigung für den Hähnchen-Schlachthof entscheiden. Unterdessen läuft nach Aussage der Gemeinde Wietze alles darauf hinaus, dass die Wasserversorgung durch die SVO erfolgen wird.

WIETZE. Ohne die SPD-Ratsfrau Eva Ehry, die wegen des politischen Umgangs mit dem Geflügelschlachthof ihr Mandat niedergelegt hatte, hat der Gemeinderat gestern die letzten Schritte zur Bauleitplanung für das Großprojekt beschlossen. „Damit ist ein ganz wesentlicher Teilabschnitt abgeschlossen“, sagte Wietzes Bürgermeister Wolfgang Klußmann gestern der CZ. Die in der Vergangenheit besonders umstrittene Wasserversorgung wird voraussichtlich von dem Celler Energieversorger SVO übernommen.
„Nach meiner Kenntnis läuft alles darauf hinaus, dass der Investor das SVO-Angebot annimmt“, sagte Klußmann am Dienstag im Infrastrukturausschuss. Er räumte zugleich ein, dass die ebenfalls diskutierte Wasserversorgung aus dem Bannetzer Feld „bei uns allen zu einem unguten Gefühl geführt hat“. Zuvor hatte Claus Friedrich Schrader (Grüne) in Zweifel gezogen, dass die Erschließung gesichert sei.
Das Gewerbeaufsichtsamt Lüneburg wird voraussichtlich in diesem Monat die Baugenehmigung erteilen. „Wir warten auf die bauplanerische Stellungnahme, dann sind wir entscheidungsreif. Ich nehme an, dass wir noch im Juli entscheiden“, sagte gestern Amtsleiterin Birgit Lensch. Von Seiten des Aufsichtsamtes seien keine Hindernisse für eine Genehmigung in Sicht.

Dem Zeitplan zufolge könnten die Arbeiten im August beginnen. Rothkötter will im Frühjahr 2011 in Betrieb gehen. Wie viele Mastställe im Kreis Celle errichtet werden, ist nach wie vor völlig unklar. Landvolk-Geschäftsführer Martin Albers sagte, dass er bislang nur von „fünf bis sieben Anträgen“ Kenntnis habe. Die Ställe sollen schwerpunktmäßig im Celler Ostkreis gebaut werden. Beim Landkreis Celle liegen erst drei Anträge zur Genehmigung vor, sagte gestern Kreissprecher Ulf Keller.

Briefe der Schlachthof-Gegner bleiben erfolglos
Wietzer Politiker von CDU, SPD und FDP lassen sich durch Bürgerinitiative nicht mehr umstimmen
(Von Simon Ziegler, CZ, 9.7.2010)

Vor der Sitzung des Wletzer Gemeinderates am Mittwoch haben die Schlachthof-Gegner der Bürgerinitiative versucht, nochmals Einfluss auf die Entscheidung der Kommunalpoiitiker zu nehmen. Alle Ratsmitglieder erhielten per Einschreiben einen Brief der Bürgerinitiative für den Erhalt des Aller-Leine-Tals.

"Sie haben vor, Weichen zu steilen, die weit über Ihre demokratische Legitimation hinausgehen", heißt es in dem Schreiben der Rothkötter-Kritiker. Die Ratsmitglieder werden aufgefordert, Mut zu haben. "Sagen Sie Nein." Weiter werden sie gebeten, allein ihrem Gewissen zu folgen. Es geht hier nicht um die nächste Kommunalwahl. es geht um unsere Zukunft, die Zukunft unserer Kinder und Enkelkinder. Werden Sie sich Ihrer großen Verantwortung bewusst, schreiben die Kritiker.

Erfolgreich war das Ansinnen allerdings nicht. Nur Claus-Friedrich Schrader (Grüne) und Sabri Kizilhan (Linkr) votierten gegen die ßauleitplanung für die Schlachtanlage. Alle anderen Ratsmitglieder blieben bei ihrer Haltung und stellten sich wie schon in den vergangenen Monaten hinter den Geflügelschlachthof.

Zu Beginn der Gemeinderatssitzung richtete Irene Ruhte (CDU) das Wort an die Öffentlichkeit, auch wenn nur wenige Hörer den Weg in die Aula des Wietzer Schulzentrums gefunden hatten. "Es ist unsere Pflicht, den Schlachthof auf den Weg zu bringen. Wir erwarten eine große Zunahme von Arbeitsplätzen aller Qualifizierungsstufen", begründete Rahte die Zustimmung der CDU/FDP-Gruppe. Sie fände es schade, dass das Bürgerbegehren gescheitert ist. Viele Menschen in der Gemeinde, die über die Ansiedlung froh seien, hätten die Miiglichkeit gehabt, dies in einem Bürgerentscheid zu zeigen, argumentierte die Christdemokratin.
Rahte: „Das Bürgerbegehren war aber so formuliert, dass dem Verwaltungsausschuss überhaupt kein Ermessensspielraum blieb.”

Der SPD-Fraktionschef Helmut Kersting sagte, dass „kein Ratsmitglied gekauft worden ist”. Solche Unterstellungen kursierten in der Gemeinde Wietze, so der Sozialdemokrat.

Grünen-Politiker Schrader betonte dagegen, dass erst noch herausgefunden werde, ob der Burgerentscheid stattfinde oder nicht. Die Büurgerinitiative hatte juristische Schritte gegen den Beschluss des Venwaltungsausschusses angekündigt.