
Geflügelschlachtbetrieb: Info/Fraktionen CDU/SPD/FDP..
Liebe Bürgerinnen und Bürger
Sie hatten am 9. November Gelegenheit, sich über die Ansiedlung des Betriebes Emsland-Frischgeflügel GmbH zu informieren. Dabei konnten Sie auch ihre Fragen, Anregungen und Bedenken formulieren, die vom Rat aufgegriffen, abgewogen und in den weiteren Entscheidungsprozess einfließen.
Der Gemeinderat beschäftigt sich seit Anfang September mit der Ansiedlung. Zusammen mit dem Kreistag fand eine Informationsfahrt nach Haren statt, wobei der Schlachtbetrieb und zwei Mastanlagen besichtigt wurden. Herr Rothkötter stand uns damals wie auch bei der Informationsveranstaltung als offener Gesprächspartner gegenüber, der sein Anliegen darstellte, in Wietze einen Schlachtbetrieb zu eröffnen.
Seinen Zusicherungen zunächst 250, später bei erfolgreichem Geschäftsverlauf bis zu 1000 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze zu schaffen bedeuten für Wietze einmalige Wachstumsimpulse. In seiner Folge zeichnet es sich schon jetzt ab, dass sich in dem seit Jahren eher nicht genutzten Gewerbegebiet neue Betriebe ansiedeln, die auch Arbeitsplatze sichern oder neue schaffen. Ebenfalls bestätigte Herr Rothkötter, dass es für ihn selbstverständlich sei, dass Gewerbesteuern auch dort bezahlt werden, wo sie erwirtschaftet werden: nämlich in Wietze.
Die Ansiedlung bedeutet für Wietze eine einmalige wirtschaftliche Chance, sich zu entwickeln und seine sehr engen finanziellen Möglichkeiten hinter sich zu lassen. Neben den neu entstehenden Arbeitsplätzen wird der Bürger durch den Erhalt der Infrastruktur Vorteile erleben. Ebenfalls wird die Kaufkraft in Wietze erhöht, mit der Folge, dass viele jetzt leer stehende Gebäude neue Nutzer finden und damit der Marktwert der Immobilien in Wietze steigt.
Gegenüber diesen unzweifelhaften Vorteilen sehen Kritiker, dass auch nachteiligen Folgen auf die Bürger zukommen.
In den folgenden kurzen Ausführungen mochten wir den Bürgerinnen und Bürgern sagen, worüber wir als Gemeinderat entscheiden können und weiche Entscheidungen Sie und wir als Verbraucher fallen. Daneben wollen wir Ihnen unsere Sicht zu den Befürchtungen von Kritikern der Schlachtanlage vermitteln.
Der Verzehr von preisgünstigem Hühner- oder anderem Fleisch aus Mastanlagen wird von jedem Bürger selbst gefallt und verantwortet. Wir alt Gemeinderat gehen davon aus, dass der Tierschutz durch die gesetzlichen Vorschriften eingehalten wird. Der Gemeinderat versteht, dass es vielen Bürgern ein Anliegen ist, die Haltungsbedingungen aller Tiere in Mastanlagen zu verbessern. Dieses Ziel ist Erfolg versprechend im Rahmen der europäischen Gesetzgebung zu erreichen. Eine Verlagerung des Schlachtbetriebs in andere Orte verhindert nicht Massentierhaltung und - Schlachtung in der Region.
Ein Schlachtbetrieb dieser Größenordnung erfordert ca. 100 Mastanlagen, die in einem Radius von 100 km entstehen sollen. Jede Mastanlage muss in einem gesonderten Verfahren auf seine Emission und Immission beurteilt und genehmigt werden. Der Gemeinderat ist überzeugt, dass ein Verzicht auf die Ansiedlung eines Schlachtbetriebs in Wietze bei einer Zunahme der Nachfrage nach preisgünstigem Hähnchenfleisch die Errichtung von Mastanlagen in dieser Region nicht verhindert, sondern vielmehr auch in Wietze ermöglicht.
Bei Ansiedlung des Schlachthofes kann der Lkw-Verkehr sich um ca. 10 % erhöhen. Durch Verkehrsberuhigungsmaßnahmen im wahrscheinlich am meisten betroffenen Ortsteil Jeversen versucht die Gemeinde den Lärm schon jetzt zu verringern. Gleichwohl weiß der Gemeinderat, dass der Verkehr auf der B214 für viele Anwohner schon heute eine Belastung ist. Durch den Umbau der B214 in Wietze und einem weiteren Kreisel aus Richtung Hambühren erwartet der Gemeinderat Beruhigungseffekte beim Durchgangsverkehr. Hauptursache für die starke Zunahme des Schwerlastverkehrs in den letzten Jahren ist ein mautfreier Ost-Westverkehr.
Eine Befürchtung der Kritiker ist, dass nur ungelernte Billiglohnkräfte kurzzeitig in Wietze arbeiten werden. In Wietze herrscht derzeit eine Arbeitslosigkeit von rd. 13 %. Mit dem Landkreis Celle sind wir der Meinung, dass für die sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze mit einem Lohn von über 10 € sich sehr viele Bewohner aus dem Westkreis finden werden und so eine Überfremdung vermieden wird. Wir sind sogar überzeugt, dass viele hier lebende Bürger Wietzes und der Region wieder Arbeit finden und die Arbeitslosigkeit mit ihren bedrückenden sozialen Folgen hinter sich lassen.
Die Situation von Wasser und Abwasser soll ebenfalls als Kontra-Argument herhalten. Der Gemeinderat ist sich darüber einig, dass nur Lösungen akzeptiert werden, die entsprechend den gesetzlichen Bestimmungen zu keiner Beeinträchtigung der Bürgerinteressen führen und die schutzwürdigen Güter erhalten.
Auch der leider in Wietze noch nicht ausgeprägte Tourismus soll unter der Ansiedlung leiden. Wer in Haaren die ansprechende Architektur des Lebensmittelbetriebs von Herrn Rothkötter gesehen hat, weiß jedoch nicht wodurch!
Die Abwägung von Vor- und Nachteilen, Argumenten pro und contra hat sich der Gemeinderat nicht leicht gemacht. Jedes Ratsmitglied ist sich bewusst, welche emotionale Wirkung eine Schlachthofansiedlung bedeutet. Gerade deshalb wurde die Schlachtanlage in Haaren besichtigt, die Meinung des dortigen Bürgermeisters und der Mitarbeiter von Emslandfrischgeflügel gehört sowie die Stimmung bei der Informationsveranstaltung berücksichtigt. Die Schaffung von Arbeitsplätzen und die Stärkung der Gemeinde zum Nutzen seiner Bürger gibt jedoch den Ausschlag sich um eine Ansiedlung der Emslandfrischgeflügel-GmbH zu bewerben.
Die unterzeichnenden Fraktionen begrüßen es, dass die Emslandfrischgeflügel-GmbH in Wietze sich ansiedeln, bedeutende Investitionen tätigen und im ersten Ausbau bis zu 250 Arbeitsplatze schaffen will.








