Geflügelschlachtbetrieb: Wasserversorgung

Wasserverbrauch durch Schlachthof: Behörden sehen keine Probleme
"Grundwasserspiegel wird nicht sinken"
(Von Simon Zieglerm CZ, 25.11.2009)

Als vor über 35 Jahren die Wassergewinnung für Hannover im Fuhrberger Feld begann, veränderte sich auch die Landschaft in Wieckenberg, weil der Grundwasserspiegel erheblich sank. Kritiker des Schlachthofes fürchten jetzt, dass der Spiegel weiter abfällt.

Gestank, Tierschutz, Verkehrsbelastung: Die Gegner des Geflügelschlachthofes haben zahlreiche Argumente gegen die Betriebsansiedlung im Wietzer Westen zusammengetragen. An erster Stelle der Kritik wird immer auch der immense Wasserverbrauch genannt, den die Emsland Frischgeflügel GmbH verursachen würde.

WIETZE. Versiegende Hausbrunnen, Bauern, die ihre Felder nicht mehr beregnen können, niedriger Grundwasserspiegel: Die Gegner des Schlachthofes malen ein wahres Horrorszenario an die Wand. „Wir fürchten, dass die Wasserentnahme Auswirkungen auf die Landwirtschaft hat”, sagt Uschi Helmers von der „Bürgerinitiative für den Erhalt des Aller-Leine-Tals”.

Papierfabrik verbraucht mehr: Behörden, Energieversorger und Wissenschaftler versuchen unterdessen, diese Ängste zu nehmen. Nach Darstellung der Firma Rothkötter werden pro Hähnchen acht Liter Wasser benötigt. Bei voller Auslastung würden 880.000 Kubikmeter im Jahr abgeschöpft. Dass es sich dabei um eine enorm hohe Menge handelt, ist unstrittig. „Das ist viel Wasser, liegt aber durchaus noch im Rahmen”, sagt eine Wissenschaftlerin der Leibniz-Universität Hannover. Zum Vergleich: Die Papierfabrik in Lachendorf vebraucht laut Geschäftsführer Thomas Katzenmayer im Jahr 2,8 Millionen Kubikmeter Wasser, also mehr als dreimal soviel.

Gegenwärtig prüft das Unternehmen drei Möglichkeiten, wie der Schlachthof versorgt werden könnte. Möglich ist, dass entweder die Stadtwerke Hannover oder der Celler Energieversorger SVO diesen Auftrag erhalten.

Dritte Variante: Rothkötter übernimmt die Versorgung selbst. Dafür hat die Firma im Bannetzer Feld bereits einen Versuchsbrunnen aufgebaut, der über zehn Tage untersucht, wieviel Wasser vorhanden ist, sagt Heiner Kötter, einer der von Rothkötter beauftragten Planer.
SVO-Geschäftsführer Karl Hans Hradil ist überzeugt davon, dass genug Wasser vorhanden ist. „Wir betreiben zwei Wasserwerke in Wietze und Winsen und kennen die Gegend. Der Grundwasserspiegel wird in der Wietzer Ecke nicht um einen Zentimeter sinken”, so Hradil.

Klar ist inzwischen, dass das Wasser nicht aus dem Bereich südlich der Aller kommen wird. Grund: Dort wird die Firma keine Wasserrechte bekommen, weil südlich der Aller schon Rechte in erheblichem Umfang, unter anderem an Landwirte, vergeben sind. Diese Rechte werden vom Landkreis beziehungsweise vom Land Niedersachsen erteilt.
Sowohl der Landkreis Celle als auch die Gemeinde Wietze verweisen darauf, dass die Konsequenzen der Wasserentnahme unabhängig geprüft werden. „Voraussetzung für die Genehmigung ist, dass der' Bedarf für die Bevölkerung gedeckt ist”, sagt Kreisdezernent Gerald Höhl. Würden etwa Beregnungsanlagen von Bauern trockengelegt, würde ein Wasserrecht rechtmäßig nicht erteilt werden können, ergänzt Bürgermeister Wolfgang Klußmann.

Winser Sorgen wegen Rothkötter
Woher kommt Wasser für Hähnchen?
(Von Simon Ziegler, CZ, 20.03.2010)

Die Auseinandersetzung über den Wietzer Geflügelschlachthof ist endgültig in der Gemeinde Winsen angekommen. Mehr als 100 Menschen besuchten am Donnerstag die Ratssitzung im Grooden Hus. Die meisten waren wegen der möglichen Wasserentnahme in Bannetze gekommen.

WINSEN. Zahlreiche Bürger haben während der Winser Ratssitzung ihre Sorge zum Ausdruck gebracht, dass eine mögliche Wasserentnahme der Firma Rothkötter aus dem Raum Bannetze zu einem Absinken des Grundwasserspiegels führen könnte. 45 Minuten dauerte die Fragestunde, in der etliche Anwesende Antworten von der Winser Gemeindeverwaltung forderten. Verwaltungsvize Berthold Walter versicherte, dass die Verwaltung versuche, Schaden von der Gemeinde fernzuhalten. Die Wasserversorgung sei bislang aber nicht Teil des Verfahrens, sagte Walter, der deshalb kaum konkrete Aussagen machte.

Rothkötter hatte Ende November, Anfang Dezember des vergangenen Jahres über einen Zeitraum von zehn Tagen an der Landesstraße zwischen Bannetze und Thören über einen Versuchsbrunnen die vorhandene Wassermenge geprüft. Laut Kreisdezernent Gerald Höhl liegen Ergebnisse noch nicht vor.

Das Unternehmen hatte grundsätzlich drei Möglichkeiten für die Wasserversorgung in Erwägung gezogen. Im Gespräch waren eine externe Versorgung durch die Stadtwerke Hannover „enercity“ aus dem Fuhrberger Feld, eine ebenfalls externe Lösung durch den Celler Anbieter SVO oder eine eigene Versorgung aus dem Raum Bannetze. Dem Vernehmen nach soll die Entnahme im Fuhrberger Feld nicht mehr aktuell sein. Rothkötter selbst hatte gesagt, dass er die eigene Versorgung bevorzugt. Auch das Unternehmen am Stammsitz in Haren im Emsland hat einen eigenen Brunnen.

Das Unternehmen hat angegeben, bei maximaler Auslastung eine Million Kubikmeter Wasser im Jahr zu benötigen. Zum Vergleich: Die Papierfabrik in Lachendorf hat eine Genehmigung über 4,6 Millionen Kubikmeter jährlich.

Da die Grundwasserentnahme vom Landkreis Celle genehmigt werden muss, hat die Gemeinde Winsen keinerlei Entscheidungsbefugnis. Der FDP-Politiker Albrecht Hoppenstedt kritisierte während der Ratssitzung, dass die Winser Ratsherren nicht ausreichend unterrichtet würden. „Wir können zwar nicht entscheiden, wir können aber Informationen verlangen, um Stellungnahmen abzugeben“, sagte Hoppenstedt. Sein Antrag, wonach der Winser Rat über alle Vorgänge in Verbindung mit der Grundwasserentnahme berät und beschließt, fand aber keine Mehrheit. Stattdessen wurde ein ähnlich lautendes Papier von CDU und SPD verabschiedet, dass der Rat von der Winser Verwaltung unverzüglich über alle Schritte bei Probebohrungen und Wasserentnahme informiert werden soll.

SVO versorgt Schlachthof mit Wasser
(Von Simon Ziegler, CZ, 07.10.2010)

Die Firma Rothkötter und der Celler Energieversorger SVO haben einen Vertrag zur Wasserversorgung des Wietzer Geflügel-Schlachthofes geschlossen. Alternativen aus dem Bannetzer Moor oder aus dem Einzugsbereich der Stadtwerke Hannover seien nicht erforderlich, teilte Rothkötter mit. Die Wasserversorgung war in den vergangenen Monaten heftig umstritten.

WIETZE. Der Hähnchen-Schlachthof in Wietze wird mit Wasser des öffentlichen Versorgungsnetzes beliefert. Sowohl der Energieversorger SVO als auch der Rothkötter-Konzern bestätigten auf CZ-Nachfrage, dass die Wasserentnahme vertraglich geregelt worden sei. Der Hähnchen-Produzent hat zu Beginn von vier Ausbaustufen eine Wasserentnahme von bis zu 250000 Kubikmeter im Jahr veranschlagt. Maximal sind 1,15 Millionen Kubikmeter jährlich geplant, so SVO-Sprecher Andreas Gerow.

Die Lösung über den heimischen Wasserversorger hatte sich bereits im Frühjahr abgezeichnet. Ende April hieß es, dass Rothkötter die SVO aus Kostengründen favorisiere. Möglich sei aber, zu einem späteren Zeitpunkt auf Bannetze zurückzukommen. In dem Winser Ortsteil hatte die Firma Probebohrungen für eine eigene Wasserversorgung durch-geführt. Ein Sprecher sagte jetzt, dass die SVO die „Trinkwassermenge für die erforderli-chen Produktionskapazitäten zu-sichert, so dass weitere Alternativen, zum Beispiel aus dem Bannetzer Moor, nicht erforderlich sind“. Unklar blieb, ob der Konzern die Pläne in Bannetze grundsätzlich aufgegeben hat. Zahlreiche Bürger aus Wietze und Winsen hatten die dortigen Versuche kritisiert, da ein Absinken des Grundwasserpegels befürchtet wurde. Dagegen teilten die SVO und die Firma Rothkötter mit, dass die Wasserentnahme aus dem öffentlichen Netz keine Auswirkungen auf den Grundwasserspiegel habe.

Wietzes Bürgermeister Wolfgang Klußmann begrüßte die Einigung der beiden Unternehmen. „Aufgrund der Sensibilität der Eigenversorgung habe ich ganz klar gesagt, dass die
SVO die beste Lösung ist“, so 
Klußmann. Das Unternehmen braucht für ein geschlachtetes Hähnchen etwa acht Liter Wasser. Dagegen sagte Norbert Juretzko, Vorsitzender der Bürgerinitiative, dass noch immer keine wasserrechtliche Genehmigung durch den Landesbetrieb für Wasserwirtschaft vorliege. Die Einigung zwischen SVO und Rothkötter habe sich abgezeichnet. „Das betrifft unsere Aktivitäten in keinster Weise“, so Juretzko.

Experte warnt: Unterdessen hat der Geflügelmarkt-Experte Hans-Wilhelm Windhorst aus Vechta vor einem Zusammenbruch des Hähnchenmarktes in Niedersachsen gewarnt. Ein zu schnelles Wachstum von Rothkötter und den Konkurrenten Wiesenhof und Stolle könne dazu führen, dass in der gesamten Produktionskette kein Geld mehr verdient werde, so Windhorst im „DGS-Magazin“, einer Fachzeitschrift für Geflügelwirtschaft. Windhorst ist Professor an der Universität Vechta und beschäftigt sich mit Agrargeografie und Intensivlandwirtschaft.