Geflügelschlachtbetrieb: Standort Haren

50 Millionen Euro für neuen Schlachthof
(Neue Osnabrücker Zeitung, tb Haren, November 2009 13.11.2009)

Die Harener Firma Emsland Frischgeflügel will 50 Millionen Euro in einen neuen Schlachthof in Wietze bei Celle investieren. Das haben die beiden Geschäftsführer Franz-Josef Rothkötter und Wilfried Fleming mitgeteilt.

In dem neuen Schlachthof sollen anfänglich eine Million Hähnchen pro Woche geschlachtet werden und 250, später mindestens 500 Menschen einen Arbeitsplatz finden. Der Schlachthof wäre damit halb so groß wie der in Haren bestehende.
Franz-Josef Rothkötter erklärte, ausschlaggebend für die geplante Investition sei die Entwicklung beim Hähnchenfleischverbrauch. Nach seinen Angaben liegt er bisher in Deutschland pro Kopf und Jahr bei 11,1 Kilogramm, im Rest der Europäischen Union aber schon bei rund 17 Kilogramm.

„Wir gehen davon aus, dass der Geflügelfleischkonsum in Deutschland in den kommenden drei bis fünf Jahren auf 13 bis 15 Kilogramm steigen wird“, sagt Rothkötter. Wilfried Fleming ergänzt: „Wir rechnen hier verhalten und mit realistischen Zahlen.“ Für steigenden Verbrauch sprächen unter anderem steigendes Gesundheitsbewusstsein der Verbraucher, die leichte und schnelle Verarbeitung von Geflügel in der Küche und der demografische Wandel in der Gesellschaft, der auch das Ernährungsverhalten verändere. Zudem sei Hähnchenfleisch relativ ressourcenschonend zu erzeugen.

Rothkötter und Fleming betonen, der Standort am Eurohafen Haren sei für Emsland Frischgeflügel ideal und biete beste Voraussetzungen. Gleichfalls biete das Emsland den Landwirten, ohne deren Produktion keine Schlachterei funktionieren könne, gute Rahmenbedingungen. „Aber wir sehen, dass die Grenze des Wachstums im Emsland auf landwirtschaftlicher Seite irgendwann erreicht ist“, sagt Rothkötter.

Um dennoch am wachsenden Markt vor allem für frisches Geflügel und zerlegte Ware teilhaben zu können, habe man sich deshalb einen neuen Standort gesucht und treibe dort die Planungen voran. Die Gemeinde Wietze bei Celle sei zwar weit genug vom Emsland entfernt, um auch Risiken, die durch die Konzentration von Produktion und Verarbeitung im Emsland entstehen könnten, zu minimieren. Gleichzeitig bleibe man aber in Niedersachsen, das der Ernährungswirtschaft sehr positiv gegenüberstehe, und in logistischer Reichweite zum Stammbetrieb.

Ziel sei der Produktionsbeginn im Frühjahr 2011, Voraussetzung der Bau von etwa 100 Hähnchenställen im Umkreis von 100 Kilometern rund um Wietze. „Wir gehen nach vielen Vorgesprächen und Informationsabenden davon aus, dass sowohl die Kommune als auch die Landwirte mitmachen werden“, sagt Fleming.

In der Region gebe es bisher intensiven Ackerbau und wenig Tierhaltung. Aber Änderungen in der EU-Agrarpolitik führten dazu, dass bisherige Produktionszweige wie Zuckerrüben- und Kartoffelanbau wegbrächen. „Die Landwirte suchen nach Alternativen, um ihre Betriebe zu sichern“, sagt Rothkötter. Zudem liege die Arbeitslosenquote bei 13,6 Prozent, und potenzielle Arbeitgeber seien hochwillkommen.

Rothkötter und Fleming betonten, der Neubau der Schlachterei werde in Haren keinen einzigen Arbeitsplatz kosten, sondern in Ostniedersachsen neue schaffen.