In Wietze können Sie bauen! Wir haben noch Platz für Neubürger!

Geflügelschlachtbetrieb: Stimmen/Pressekommentare

Kommentar der CZ
Riesenschlachthof - Chance nutzen
(CZ, 16.9.2009)

Massentierhaltung und einen Schlachtbetrieb im Großformat – das sind Bilder, die man als Verbraucher nicht sehen will. Stattdessen träumen viele lieber von grüner Öko-Landwirtschaft, die zu günstigen Preisen hochwertige Produkte erzeugt. Allein, die Wirklichkeit ist eine andere. Günstiges Hähnchenfleisch bei Lidl, Aldi und Co. bedeutet eben industrielle Fleischproduktion, ob einem das gefällt oder nicht.

Dass die Firma Rothkötter entschieden hat, in den Kreis Celle zu gehen, ist ein Glücksfall, da haben die Politiker völlig recht. Es ist ein Glücksfall vor allem für Wietze, aber auch für die umliegenden Gemeinden. Im günstigsten Fall entstehen bis zu 1000 Arbeitsplätze, dazu kommt für die Landwirtschaft ein neuer Absatzmarkt, der verbunden mit weiteren Jobs sein dürfte.

Hinzu kommt: Rothkötter scheint ein Unternehmen zu sein, das eine erstaunlich transparente Informationspolitik pflegt. Ein Unternehmen, das seinen Mitarbeitern mehr zahlt als in der Branche üblich ist. Ein Unternehmen schließlich, das angekündigt hat, in Wietze Steuern zu zahlen. Als beteiligter Politiker hat man fast keine andere Wahl, als für die Ansiedlung zu stimmen.

Kommentar der CZ nach der Infoveranstaltung
(Von Simon Ziegler, CZ, 16.9.2009)

Es ging am Montag um Details wie Tierschutzverordnungen und EU-Richtlinien, die Zufahrt zum künftigen Schlachtbetrieb der Firma Rothkötter und um den Wasserverbrauch pro Hähnchen. All diese Einzelheiten sind wichtig. Viel wichtiger ist aber, dass jetzt in Wietze ein Stimmungsbarometer vorliegt. Und das fällt recht eindeutig aus: Nach der Informationsveranstaltung weiß jeder, dass die Ansiedlung des Schlachtbetriebs von der Mehrheit in Wietze akzeptiert wird.

Das war spätestens nach der Gründung der „Bürgerinitiative für den Erhalt des Aller-Leine-Tals“ und etlichen Leserbriefen in der CZ gegen den Schlachthof nicht selbstverständlich. Die Diskussion in der Wietzer Turnhalle war wohltuend sachlich, selten polemisch und dabei trotzdem kritisch.

Zu Recht. Denn der Schlachthof wird Wietze verändern wie kein anderes Ereignis der vergangenen Jahre. Der Verkehr wird deutlich zunehmen, es wird Wasser im großen Stil benötigt. Kritiker fürchten auch Auswirkungen auf den Tourismus.

Aber wiegt das die Vorteile auf? Die Perspektiven für mehrere hundert Menschen, die jetzt arbeitslos sind und bald wieder einen Job haben? Die Perspektiven für die Gemeinde Wietze, die seit vielen Jahren eine der ärmsten im Kreis Celle ist? Das Unternehmen Emsland Frischgeflügel ist eine große Chance für die Region. Es gilt, sie zu nutzen.

Kritik ohne echte Argumente
Kommentar von Gabi von der Brelie (Pressesprecherin) in der land- u. forstw. Zeitung vom November 2009

Landwirtschaftlicher Unternehmergeist stößt heutzutage schnell an Grenzen. Es sind zumeist sehr ideologische Grenzen, die innovativen und wachstumswilligen Betriebsleitern auf-gezeigt werden. Kaum eine Biogasanlage. kaum ein Schweine- oder Geflügelsrall, fast kein Windrad lässt sich heute noch ohne die kritische Auseinandersetzung mit den Nachbarn realisieren.
Gegen sachliche Kritik spricht nichts. Sie orientiert sich an den rechtlichen Rahmenbedingungen. hinterfragt, ob Bau- und Immissions- oder Tierschutzrecht eingehalten werden. Fachliche Einwände aber unterscheiden sich von fundamentaler Opposition, wie sie Landwirten vielerorts hören müssen.

Häufig organisieren einige wenige Kritiker, nicht selten weit angereist, öffentlichen Widerspruch. Sie äußern sich zu nahezu jedem Objekt lautstark in der Presse, gründen Bürgerinitiativen und stehen in fast professioneller Mission an der Spitze von Protestveranstaltungen. Es sind die immer wieder gleichen Argumente, die potenziellen Hähnchenmästern oder Betreibern von Biogasanlagen entgegenschlagen: Gestank, Lärm, gesundheitliche Beeinträchtigungen werden befürchtet. Mit diesen Argurnenten haben sich Landwirte ebenso auseinander zu setzen wie Kommunen, die Ställe oder Verarbeitungsunternehmen genehmigen sollen.

An einem echten Austausch von Argumenten oder dem Abwägen des Für und Wider ist vielen Kritikern nicht geiegen. Sie haben sich ihre Meinung bereits gebildet, ehe der Investor überhaupt zu Wort gekommen ist. Selbst in nahezu viehlosen Regionen wie in der Braunschweiger Börde oder dem investitionsschwachen Eichsfeld müssen Landwirte mehr Energie für die öffentliche Diskussion zu ihren Investitionsplänen aufbringen als für die echte Planung. Finanzierung oder andere Detailfragen.

Die Verbraucher kaufen bevorzugt billig. Sie handeln nach dem St. Florians Prinzip: Vor der eigenen Haustür wollen sie weder Ställe, Biogasanlage oder Schlachthof. Landwirte sollen ihre Höfe möglichst marktorientiert und ohne Subventionen bewirtschaften, aber so unauffällig und geruchlos wie ein Kunstatelier. An gepflegten Äckern erfreut sich der Städter, wenn er am Wochenende fernab von Asphalt und Straßenlärm auftanken will, aber Pflanzenschutzspritze und Güllefass passen nicht ins Bild. Niedersachsen schmückt sich zu Recht mit dem Zusatz "Agrarland" Die Agrar- und Ernährungswirtschaft hat nicht nur in einem Agrarland ein gutes Recht darautf sich weiter entwickeln zu dürfen. Den Rahmen dafür hat der Gesetzgeber vorgegeben.