Erinnern Sie sich noch an den Schlagbaumkrieg mit Fuhrberg?

Geflügelschlachtbetrieb: Stimmen/Wietzer/Kontra

In Leserbriefen der CZ

Über Wietze liegt ein Schatten. Werden sich zukünftig Besucher die Nasen zuhalten müssen oder einfach unseren idyllisch im Aller-Leine-Tal gelegenen Ort mit seinem in Europa einmaligen Erdölmuseum links liegen lassen? Genau das wird passieren, wenn die geplante Geflügelgroßschlachterei ihren Betrieb im neuen Industriegebiet am Ortsrand von Wietze aufnimmt. Die Tötungsmaschinerie schafft dann eine Million Masthähnchen pro Woche, das sind 200.000 Tiere pro Tag von Lkws angeliefert aus den noch zu erbauenden ca. 150 Hähnchenmastbetrieben mit jeweils knapp 40 000 Tieren in der Umgebung von Wietze.

Wir Wietzer werden uns an einen neuen, unseren Ort dann charakterisierenden Geruch gewöhnen müssen. Nicht gewöhnen werden sich aber Touristen und andere Erholungssuchende. Die bleiben dann zwangsläufig weg. Und mancher Wietzer, der sich auch nicht daran gewöhnen will, wird eine bittere Erfahrung machen müssen, wenn beim beabsichtigten Verkauf der Immobilie, Käufer sich nur schwerlich finden lassen. Diese werden nämlich Wietze genau auf die Finger schauen, um herauszufinden, was da an Umweltbelastungen durch die Massenschlachterei und die sie umgebenden Geflügelmastanlagen anfallen.

Und die Bilanz sieht nicht gut aus.' Das kann man schon jetzt aus den Erfahrungen im Emsland sagen: Zunahme von Atemwegserkrankungen durch Keim- und Staubemissionen, kostbarer Trinkwasserverbrauch von acht Litern pro Schlachthähnchen, Entsorgungsprobleme mit belasteten Abwässern, übelriechende Geruchsbelästigungen durch Großschlachterei, Mastställe und den in Mengen anfallenden Hühnerkot auf unseren Feldern, erhöhtes Lkw-Verkehrsaufkommen und weitere noch unkalkulierbare Belastungen für Mensch, Tier und Umwelt. Nicht zuletzt werden wir das erbärmliche Elend der Nutztiere heutiger Intensiv-Tierhaltungsanlagen (30 Hähnchen/qm schlachtreif gemästet in nur fünf Wochen) mitverantworten müssen. [...]
Astrid Meinheit

Tier wird zur Massenware
Das Für und Wider eines Geflügelschlachthofes in Wietze und demzufolge die Errichtung vieler Hähnchenmastställe in unserer Region und Umgebung, habe ich in den Medien verfolgt und gebe zu bedenken: Jedes Tier, das qualvoll gemästet wird, in engen Käfigen dahinvegetiert, bis es nach nur sechs Wochen schlachtreif ist (eine übergroß gezüchtete Brust lässt ein längeres Leben gar nicht zu), ist beseelt und empfindet Schmerzen genau so wie ein Mensch.
Da ich prinzipiell gegen Massentierhaltung und Massentierschlachtung bin, habe ich bereits vor 20 Jahren die Konsequenzen gezogen und bin Vegetarierin geworden. Der Ort Wietze wird an Qualität verlieren, das ist keine Frage. Dass 250 Arbeitsplätze entstehen sollen, mag ja sein. Aber was sind das für Arbeitsplätze? Werden alle Arbeitslosen dieser Region gezwungen, dort zu arbeiten und eventuell Massentötungen vorzunehmen?
Dass ein Tier zur Massenware degradiert wird, ist neben allen Argumenten, die gegen einen Schlachthof sprechen, für mich das Allerschlimmste.
Gisela Dohne, Wietze

Wo bleibt die Demokratie?
Welch eine Arroganz enthält das Verhalten der verantwortlichen Politiker, die Bürger in Wietze vor vollendete Tatsachen zu stellen? Wo bleibt hier die Demokratie - ein Grund- feiler unserer Gesellschaft?
Das ist der eigentliche Skandal! Ist es hinzunehmen, wenn der Landrat Wiswe auf einer Informationsveranstaltung einer Bürgerin aus Wietze, die sich besorgt über die Zunahme des
Lkw-Verkehrs äußert, empfiehlt, einfach umzuziehen?
Diese Bürgerin hat, wie viele andere Bürger (wie auch ich), in den vergangenen Jahrzehnten Steuern an die Gemeinde Wietze abgeführt.
Die Billiglohnarbeitskräfte, die in dem Geflügelschlachthof arbeiten sollen, werden das sicher nicht in dem Ausmaß tun können. Das ist ein ganz einfaches Rechenexempel. Bei 1700 Euro brutto, die ein Arbeiter nach einem halben Jahr Betriebszugehörigkeit verdienen soll, liegt das Lohnsteueraufkommen bei einem verheirateten Arbeiter der Lohnsteuerklasse 3 bei 0 Euro. Das können Sie in jeder Steuertabelle nachrechnen.
Sind sich die Entscheider tatsächlich darüber im Klaren, dass es zu einer zusätzlichen
Wasserentnahme riesengroßenAusmaßes kommen wird, dadurch zum Absterben der Bäume in der Nähe der Entnahmestellen (siehe Fuhrberger Holz)? Sind sie tatsächlich dafür, dass mehr als 100 Lkws pro Tag durch unseren Ort und die anliegenden Nebenstraßen fahren werden, um die eine Million Hähnchen anzuliefern?
Und weitere Lkw-Ladungen werden folgen, uni die Hähnchenteile, Knochenreste etc. wieder abzufahren und in die Filialen der Discounter auszuliefern.
[...] Mit den angedachten 250 Arbeitskräften zerstören die Verantwortlichen mindestens eine glei-
che Anzahl kleinbäuerlicher und touristischer Arbeitsplätze. [...]
Gabriele Ruschmeier, Wietze

Zum Bericht der CZ am 30.1. „Kommunen sind unterfinanziert“
Landrat Wiswe zeigt uns die Lösung auf….
Endlich eröffnel sich für Herrn Rothkkötter eine neue Perspektive. Er könnte ja auch, wie den Worten des Landrats zu entnehmen ist, seinen Schlachthof zum Beispiel gleich in Rumänien oder einem anderen osteuropäischen Land bauen. Da herrschen Zustände, wie sie hier leider nicht mehr möglich sind: geringe Löhne, keine einschränkende Gesetzgebung, kein Umweltschutz, keine Proteste gegen Mastanlagen. Jetzt weiß man endlich, wofür der Landrat steht!
Aber nein, Herr Rothkotter nimmt alle Unbilden auf sich, um dem Staat, den Menschen. dem Gemeinwohl zu dienen. Für wie dumm hält man uns eigentlich?.
Uschi Helmers

Kürzlich erfuhr ich im NDR 3, dass Niedersachsen Rekordhalter in der Geflügel- und Eierproduktion ist. Angesichts der von Rothkötter geplanten Großschlachtanlage mit der gigantischen Zahl von 2,5 Mill. Hähnchen pro Woche drängt sich die Frage auf, wozu denn immer noch mehr Geflügelfleisch in unserer Region produziert werden muss? Es ist längst bekannt, dass aus ernährungswissenschaflichen Erwägungen Fleischkonsum eingeschränkt werden sollte. Dann wäre auch für Verbraucher mit finanziell engeren Rahmenbedingungen genug Geld vorhanden, um sich biologisch einwandfreies Fleisch leisten zu können. Gleichzeitig würde man so die Ökobauern mit angemessenen Preisen für ihre Produkte unterstützen.
Solche Bemühungen werden konterkariert , wenn die für Wietze Verantwortlichen ihr Projekt durchsetzen können. Welch traurige Berühmtheit für diesen Ort, der sich bislang durch eine weitgehend unbelastete Umwelt auszeichnete und sich gerade anschickte touristisch an Bedeutung zu gewinnen.
Für eine Mehrheit von Wietzes Ratsmitgliedern scheint die Aussicht auf eine Geflügelschlachtfabrik jedoch so attraktiv zu sein, dass sie sich anbietet (anbiedert), einen Zwischenkredit zum Erwerb des von Rothkötter gewünschten Areals zu finanzieren, wenn auch zeitlich befristet. Als ob die Gemeinde nicht schon genug verschuldet wäre und vor allem ein millionenschwerer Rothkötter das nicht selbst finanzieren könnte.
In Deutschland ist flächendeckend genügend Fleisch vorhanden. Hier geht es unter dem Vorwand zunehmender Nachfrage nach Geflügelfleisch den Investoren nur darum, die eigenen Taschen immer noch mehr zu füllen, denn produziert wird für das EU-Ausland und - schlimmer noch, die Schlachtreste sollen nach Afrika verschifft werden und den Menschen dort zu Dumpingpreisen angeboten werden, mit denen kein einheimischer Bauer konkurrieren kann und somit dessen Existenz aufs Spiel gesetzt wird. Das wiederum bedeutet in der Auswirkung, dass die von unseren Steuern finanzierte Entwicklungshilfe dort ad Absurdum geführt wird. Deren Ziel soll vorrangig sein, den Afrikanern im eigenen Land Hilfe zu Selbsthilfe zu gewähren.
Bei der letzten öffentlichen Ratssitzung konnte ich mich selbst davon überzeugen, wie weit man geht, wenn im Hau-Ruck-Verfahren ein Angebot an Land gezogen werden soll. Da werden juristisch einwandfreie Bedenken der Gegenseite bezüglich der Wasserentnahme am Bannetzer Moor, Naturschutzgebiet ersten Grades, mit einem Handstreich vom Tisch gefegt – ein einziges Trauerspiel. Was für eine Vorgehensweise! Es muss doch zweifelsfrei abgesichert sein, dass für Mensch und Umwelt kein Schaden zu erwarten ist, bevor ein Projekt dieser Größenordnung umgesetzt wird. Aber gerade dies kann von den Befürwortern der Schlachtanlage nicht geleistet werden. Deswegen muss man möglichst schnell handeln, bevor noch mehr Bürger den Braten riechen und ihrem Protest Ausdruck verleihen. Bleibt nur zu hoffen, dass immer mehr Menschen, nicht nur im Aller-Leinetal, sondern weit darüber hinaus aus ihrem Dornröschenschlaf erwachen, um Agrarfabriken, die damit verbundenen Großmastanlagen und dem sich abzeichnenden Strukturwandel entgegenzuwirken. Natürlich ist hier auch die Politik gefordert, die Rahmenbedingungen entsprechend zu ändern. Was will man aber erwarten, wenn ein Hans-Heinrich Ehlen, seines Zeichens Minister, u.a. für Ernährung und Landwirtschaft in Niedersachsen, einen kleinbäuerlichen Stall mit 33 Kühen einem Maststall gleichsetzt, der bis zu 40000 Hähnchen fasst? Noch abwegiger: Ein Mäster wird im gleichen Atemzug mit einem Bienenzüchter als Massentierhalter genannt. Armes Niedersachsen!
Ursula Backenecker, Wietze

Sonstige Äußerungen

Axel Bergmeier in einer Mail an Wietze-Info

Dirk Weißenborn auf der Homepage der Bürgerinitiative Wietze: Die frohe Weihnachtsbotschaft