
Der Schmied
Die lange Tradition des Schmiedehandwerks
Vom Universalhandwerker bis zum Spezialisten
(Von Gisela Brix, CZ, 24.10.2009)
Viele Jahrhunderte lang war der Schmied in den Dörfern des Celler Landes als freier Handwerker ein geachteter Mann. Er bearbeitete alles, was mit Eisen zu tun hatte, stellte landwirtschaftliche und handwerkliche Gerät her (Pflüge, Beile, Äxte, Sicheln, Sensen, Hacken, Meißel, Scheren und mehr) und reparierte sie. Er beschlug die Hufe von Pferden und Zugochsen mit Hufeisen, wurde als Kundiger für Tierkrankheiten zu Rate gezogen und war oft zusätzlich der Bader des Dorfes, zu dessen Aufgaben auch das Zähneziehen der Dorfbewohner gehörte.
Im 12./13. Jahrhundert schlossen sich die Schmiede - wie alle anderen Handwerker - zu einer Zunft zusammen und führten als Zunftzeichen den Hammer und den Amboss.
Eid des Gesellen schützte vor Zauberei
Die Lehrzeit eines Schmiedes dauerte seinerzeit zwei bis drei Jahre und schloss mit einer Prüfung ab, die oft mehrere Tage dauerte. Es war auch im Celler Land üblich, dass der nun fertige Geselle einen Eid schwor, keine Hexerei zu betreiben. Das erscheint uns heutzutage merkwürdig, war aber seinerzeit von großer Wichtigkeit. Denn man war der Meinung, dass jemand, der Eisen im Feuer formbar machte, auch Flüche in das Werkstück hinein schmieden konnte und wollte mit diesem geleisteten Eid sicher vor Unglück sein.
Doch nicht jeder Geselle konnte seinerzeit Schmiedemeister werden. Einerseits bestimmten die Zunftmeister die Anzahl der selbständigen Schmiedemeister in der Umgebung, andererseits mussten verschiedene Vorleistungen erbracht werden, wie beispielsweise:
• man musste von „ehrbarer” Herkunft sein
• man musste sein Meisterstück auf eigene Kosten schmieden.
• man musste in der Lage sein, einen Brustharnisch anzufertigen.
• man musste ein Mahl für alle Zunftmeister ausrichten und sie großzügig bewirten.
Erst nachdem diese und andere Bedingungen vom Gesellen erfüllt waren, wurde ihm feierlich die Würde eines Schmiedemeisters verliehen. Nun konnte er sich selbständig machen und das Zunftzeichen auf seinem Schild führen.
Erst im ausgehenden Mittelalter bildeten sich innerhalb der Schmiedezunft verschiedene Gruppen, zu denen auch der Hufschmied gehörte. Er übernahm nun als Zeichen seiner Spezialisierung ein Hufeisen über einer gemauerten Esse in sein Zunftschild.
Auch die Kavallerie benötigte Fertigkeiten des Schmieds
Diese Spezialisierung auf einen bestimmten Bereich des Schmiedehandwerks war im Laufe der Zeit sinnvoll und notwendig geworden. Denn in der Landwirtschaft wurden Pferde und Ochsen als Zugkräfte eingesetzt, der Gütertransport erfolgt mit Pferden beziehungsweise Ochsen und schweren Wagen, für die Personenbeförderung brauchte man ebenfalls Kutschen und Pferde und auch die Kavallerie benötigte die Fertigkeiten des Hufschmieds.
Mit der Erfindung des Hufeisens wurden die Hufe der Pferde und anderer Zugtiere vor dem Ablaufen geschützt und so konnte die Leistungsfähigkeit der Reit- und Zugtiere vergrößert werden. Dieser Hufbeschlag musste alle sechs bis acht Wochen erneuert werden, wobei der Hufschmied die Hufeisen und Hufnägel aus Eisen selber anfertigte. Zuerst wurde das alte Eisen abgenommen und die nachgewachsenen Hornteile so bearbeitet, dass der Huf für den neuen Beschlag wieder in Form war.
Schmerzlose Prozedur für das Tier
Dabei wurde mit Raspel, Hufmesser, Hufklinge und Klopfschlegel der weiche Strahl des Hufes, die Hufsohle und der Tragrand ausgeschnitten. Danach wurde ein Eisen im Feuer der Esse bis zum Glühen erhitzt und auf dem Amboss bearbeitet. Das heiße, aber nicht mehr glühende Eisen wurde auf den Huf gedrückt und somit die
Hornoberfläche angeschmort - eine schmerzlose Prozedur für das Tier.
Auf diese Art beseitigte man kleine Unebenheiten und versiegelte die vorher beschnittenen Stellen, so dass keine Bakterien eindringen und eine Hufkrankheit auslösen konnten.
Nun bearbeitete der Schmied das Eisen auf dem Amboss so lange mit dem Hammer, bis es genau passend für den zu beschlagenden Huf war. Danach wurde das Hufeisen in kaltem Wasser abgekühlt und aufgenagelt.
Beim Aufnageln des Hufeisens musste darauf geachtet werden, dass man die Hufnägel nur durch das unempfindliche Horn nach außen trieb und nicht das lebendige Hufgewebe berührte. Die frei stehenden Enden der Nägel wurden mit der Zange abgekniffen, umgebogen und anschließend glatt gefeilt. Obwohl der Schmied den gesamten Arbeitsvorgang in gebückter Haltung erledigte und dadurch körperlich besonders beansprucht war, musste er dennoch mit Konzentration und großer Präzision arbeiten.
| Einbrennen des Hufeisens | Nageln des Hufeisens | Raspeln des Hufes |
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Pferdekutschen allmählich von Autos verdrängt
Mit der Erfindung der Eisenbahn verlagerte sich ein Teil der Personen- und Güterbeförderung auf die Schiene und auch die Pferdekutschen wurden allmählich von den Autos aus dem Straßenverkehr verdrängt. Als dann Anfang beziehungsweise Mitte des letzten Jahrhunderts Traktoren in der Landwirtschaft als Zugmaschinen eingesetzt wurden und Pferde und Ochsen als Zugkräfte ablösten, sank auch die Nachfrage nach den speziellen Fertigkeiten des Hufschmiedes.
Erst durch die Verbreitung des Reitsportes und der nostalgischen Kutschfahrten in den letzten Jahrzehnten bekam das Handwerk des Hufschmieds wieder Aufschwung.
Doch die Ausbildung zum Hufschmied beziehungsweise „Hufbeschlagsschsmied” unterscheidet sich heute wesentlich von der Lehrzeit früherer Jahrhunderte und erfordert eine mehrjährige Berufsausbildung.
Diese Ausbildung ist mittlerweile gesetzlich geregelt. Der angehende Hufschmied benötigt eine abgeschlossene. Ausbildung in einem Metall verarbeitenden Beruf (beispielsweise Schlosser), danach ein einjähriges Praktikum bei einem staatlich geprüften Hufschmied. Anschließend folgt die Aufnahmeprüfung bei einer staatlichen Lehrschmiede.
An die bestandene Prüfung schließt sich noch eine vier- bis fünfmonatige Ausbildung an, bei der viel über Anatomie, Biologie und Psyche des Pferdes gelernt wird. Das alles ist notwendig, um die Arbeit des Hufbeschlagens auch bei nervösen oder schwierigen Tieren problemlos bewältigen zu können.
Heute gehört zum Handwerk des Hufschmiedes neben dem normalen" Hufbeschlag auch das Anfertigen von so genannten orthopädischen Hufeisen, die eine Fehlstellung der Beine eines Pferdes korrigieren. Nach dieser gesamten Ausbildungszeit folgt dann als Abschluss die staatliche Hufbeschlagsprüfung, mit deren Bestehen man die Bezeichnung „Hufschmied” beziehungsweise „Hufbeschlagsschmied” tragen darf - eine heute geschützte Berufsbezeichnung.
Die wesentlichen Arbeitsbereiche des Hufschmieds sind in der jetzigen Zeit Gestüte, landwirtschaftliche Betriebe mit Pferdehaltung, Reitställe, Reiterhöfe und die Pferdestaffeln der Polizei. Heute wird allerdings kein Koksfeuer auf der Esse mehr benötigt, sondern man verwendet gasbetriebene Glühöfen, die sehr schnell auf die vorgeschriebene Arbeitstemperatur hochgefahren werden können.
Industriell gefertigte Rohlinge werden bearbeitet
Hufeisen werden nur noch in Ausnahmefällen von Grund auf geschmiedet. Im allgemeinen verwendet man fabrikmäßig hergestellte Rohlinge in verschiedenen Größen, die vom Hufschmied passgenau für den jeweiligen Huf verarbeitet werden. Je nach Konstitution des Pferdes werden auch andere Materialien wie Aluminium oder Kunststoff eingesetzt.
Es war ein langer Weg vom Hufschmied als Universalhandwerker eines Dorfes bis hin zu den heutigen Spezialisten mit umfassender und weit gefächerter Ausbildung. Die einzelnen Arbeitsschritte bei der Hufbeschlagung sind über die Jahrhunderte hinweg gleich geblieben. Auch die Werkzeuge haben sich nicht verändert. Sie werden noch genauso benötigt wie die Körperkraft, das Fachwissen und die Geschicklichkeit des Hufschmiedes.
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