
Geflügelschlachtbetrieb: Bürgerinitiative

Geflügelschlachthof in der Kritik
Bürgerinitiative will sich kommende Woche in Wietze formieren
(Von Joachim Gries, CZ, 22.10.2009)
„Das ist eine Falschmeldung, die habe ich auch schon gehört.“ Claus Friedrich Schrader, Ratsherr der Wietzer Grünen stellt klar, dass eine Bürgerinitiative gegen die geplante Geflügelgroßschlachterei in Wietze noch nicht gegründet wurde.
WIETZE. Erst in der kommenden Woche soll eine „Interessengemeinschaft von Bürgern für Bürger“ ins Leben gerufen werden.
Im Anschluss an die von den Grünen in der vergangenen Wochen im Dorfhaus Wieckenberg durchgeführte Informationsveranstaltung hätten sich Interessierte gefragt, wie es denn jetzt weiter gehe, sagt Schrader. Daraus habe sich dann eine Gruppe gebildet, die jetzt zu einer Gründungsversammlung am kommenden Mittwoch, 28. Oktober, um 20 Uhr in der Milchbar des Wietzer Hallenbads einlädt.
In der Einladung werden die Themenfelder umrissen: Neben einem höheren Verkehrsaufkommen, der Wasserentnahme und Abwasserentsorgung ist auch von Hähnchenmast als vom Staat legitimierte Tierquälerei.
Der Ratsherr stellt klar, dass nicht nur die Grünen dem geplanten Millionenprojekt kritisch gegenüber stehen. Absicht der Bürgerinitiative sei es, über die Planungen zum Geflügelschlachthof zu informieren. Die Informationspolitik der Gemeinde Wietze bezeichnet der Ratsherr als mangelhaft. Die 1,4 Millionen Euro, die die Gemeinde für die Erschließung des Geländes einplant, seien nicht der Gesamtumfang der Investitionen, die auf die Kommune zukämen.
Bei dem Projekt müssten die Vor- und Nachteile abgewogen werden, sagt Schrader. Bei der Abstimmung im Verwaltungsrat der Gemeinde sei nur über das abgestimmt worden, was auf der Tagesordnung stand. Mit dem Großschlachthof seien aber auch 150 Mastställe verbunden. „Dass das Auswirkungen in der Region hat, muss jedem klar sein.“
Das Interesse der Landwirte an einem weiteren Standbein sei logisch. Allerdings begäben sich die Geflügelzulieferer in große Abhängigkeit zu dem Unternehmen Rothkötter. Bei einem Preiskampf auf dem Geflügelfleisch-Markt hätten die Landwirte die schlechtesten Karten, befürchtet Schrader.
Das Familienunternehmen Rothkötter aus Haren im Emsland will in Wietze auf einem 21 Hektar großen Gebiet einen zweiten Betrieb errichten. Das Vorhaben soll 40 Millionen Euro kosten, nach Fertigstellung werden zunächst 250 Mitarbeiter beschäftigt sein. Später soll eine Aufstockung bis auf 1000 Jobs möglich sein.
Bürgerinitiative in Wietze gegründet
Einwohner verlangen Informationen
(Von Simon Ziegler, CZ, 30.10.2009)
Am Mittwoch wurde in Wietze eine Bürgerinitiative gegen den geplanten Geflügelschlachthof gegründet. Mehr als 70 Bürger traten der Interessengemeinschaft bei, die vom Wietzer Grünen Claus Friedrich Schrader ins Leben gerufen wurde. Die Initiative will die Ansiedlung des Betriebs verhindern. Zugleich war die Gemeinde wegen ihrer Informationspolitik Zielscheibe heftiger Kritik. Bürgermeister Wolfgang Klußmann kündigte unterdessen an, dass es am 9. November eine Informationsveranstaltung geben wird.
WIETZE. „Alle Informationen, die wir haben, passen auf einen Bierdeckel“, sagte Schrader am Anfang der fast zweistündigen Diskussion in der Milchbar des Wietzer Hallenbades. Annähernd 100 Bürger – nicht nur aus Wietze, sondern auch aus Winsen, Hambühren und sogar Lachendorf – verfolgten die Veranstaltung, die unter dem Motto „Wietze – eine Region wacht auf“ angekündigt war.
Am Ende der Diskussionsrunde wurde eine Bürgerinitiative gegen die geplante Ansiedlung gegründet. Diese wird den Namen „Bürgerinitiative gegen die Zerstörung unseres Aller-Leine-Tals“ tragen. Ein zwölfköpfiger Vorstand wurde ernannt.
Zuvor hatten die Bürger ihren Unmut über den von der Firma Rothkötter aus Haren im Emsland geplanten Schlachthof im Wietzer Westen kundgetan. Dort sollen zunächst 250 Arbeitsplätze entstehen. Langfristig ist die Rede von 1000 neuen Jobs.
Insbesondere die Gemeinde Wietze wurde kritisiert, da viele Bürger beklagen, bislang kaum Informationen bekommen zu haben. „Ich verstehe gar nicht, dass man sich traut, so Politik über die Köpfe der Bürger hinweg zu machen“, sagte eine Frau unter dem Applaus der Anwesenden. „Der Bürger wird degradiert zum unmündigen Kindergartenkind“, kritisierte eine weitere Einwohnerin.
In der hitzigen Diskussion wurde zudem über Tierschutz-Fragen, eine mögliche Geruchsbelästigung und die Befürchtung gesprochen, dass Immobilien in der Nähe des Betriebs an Wert verlieren könnten. Zentrales Thema war auch der Wasserverbrauch des Geflügelschlachthofes und ein befürchtetes Absinken des Grundwasserspiegels in der Region. Weitere Aspekte der Diskussion waren die Zunahme des Lkw-Verkehrs und die Qualität der Arbeitsplätze.
Breite Unterstützung der Politik: Im politischen Raum sind die Grünen die Einzigen, die das Vorhaben ablehnen. CDU, SPD und FDP in Wietze, die Gemeinde-Verwaltung, der Landkreis Celle, das Landvolk sowie der Kreislandwirt haben sich alle hinter das Vorhaben der Firma Rothkötter gestellt und die Chancen für Wietze und den gesamten Kreis Celle betont. Bürgermeister Wolfgang Klußmann glaubt, dass „ein großer Teil der Wietzer Bevölkerung die Ansiedlung begrüßt“. Es gebe zahlreiche Anfragen von Bürgern, die wissen wollen, wann sie sich bewerben könnten, sagte Klußmann der CZ.
Zugleich verteidigte er das Vorgehen der Gemeinde. „Ich verstehe, dass die Leute Informationen haben wollen. Wir wollen zu einem Zeitpunkt informieren, wenn wir Antworten haben. Das kann ich nicht scheibchenweise machen“, sagte Klußmann. Er kündigte an, dass am 9. November in der Aula des Wietzer Schulzentrums eine Informationsveranstaltung stattfinden wird. Dann werden Klußmann, Landrat Klaus Wiswe sowie Firmenchef Franz-Josef Rothkötter und weitere Fachleute über den Sachstand informieren und Fragen der Bürger beantworten. Die Veranstaltung beginnt um 18 Uhr.
Planungsstand: Gegenwärtig wird ein Planentwurf für das Großprojekt erarbeitet. Anschließend werden die Fachausschüsse sowie der Gemeinderat öffentlich über das Thema beraten. Ziel des Unternehmens ist es laut Gemeinde-Verwaltung, im kommenden Frühjahr mit dem Bau zu beginnen.
Wietzer Protest gegen Geflügelschlachthof festigt sich
Bürgerinitiative warnt vor „Emslandisierung” des Celler Landes
52 Mitglieder wählen im Hotel Stadt Bremen in Südwinsen neuen Vorstand / Prüfauftrag für Bürgerbegehren
Südwinsen (lhb): Alle 52 grünen Abstimmungskärtchen wurden insgesamt dreimal deutlich sichtbar noch oben gehalten, als die Bürgeriniative Wietze für den Erhalt unseres Aller-Leine-Tals" jetzt ihre Satzung beschloss, den Vorstand wählte und einen Prüfauftrag für ein Bürgerbegehren vergab: Dreimal einstimmig. Damit hat sich die Protestbewegung gegen den Schlachthof und gegen industrielle Massentierhaltung in der Region endgültig formiert.
Der Saal im Hotel Stadt Bremen in Südwinsen war gut gefüllt, als sich die Mitglieder der Bürgerinitiative zur ersten Wahl des Vorstandes und zur Festlegung des weiteren Protestes gegen den geplanten Geflügelschlachthof in W'ietze trafen.
Ich hoffe, dass wir einen guten Vorstand wählen, der engagiert unsere Ziele vertritt", formulierte Düne Wippich aus Wietze vor Sitzungsbeginn ihre Erwartungen. "Das Argument der Arheitsplätze zieht immer". warnte Bernd Michaels vor einer eingeschränkten Sichtweise bel der Beurteilung des Vorhabens.
Man müsse aus Fehlern im Emsland lernen, forderte die Biologin Astrid Meinheit. Gegen eine "Emslandisierung" und den zu befürchtenden Abbau des Heidetourismus mit der möglichen Vernichtung zahlreicher Arbetsplätze wandte sich der Niederländer Peter Verwey aus Diesten. "Wo sind die Leute, die das Celler Land attraktiver gestalten?`
Auch kleinere Geflügelhalter und -züchter fürchten Konsequenzen, wie ein Beitrag von Gertrud Wacker aus Bannetze zeigte. Sie will in zahlreichen Gesprächen erfahren haben, dass diese im Hinblick auf Auswirkungen durch die Gcflügelschlachterei recht ahnungslos seien. "Der gesamte Landkreis wird zur Intensivgeflügelhaltung erklärt - damit fallen auch die kleinen Geflügelhaltungen weg", sagte Dirk Weißenborn aus Wietze.
Einen Prüfauftrag für ein Bürgerbegehren nach der Niedersächsischen Gemeindeordnung gaben die Mitglieder ihrem neu gewählten Vorstand, denn möglicherweise sei eine gemeindliche Zusage einer Zwischenfinanzierung an den Investor rechtswidrig,hieß es. Interessant sei es auch, wenn die aus dem EU-Programm "Leader" gezahlten Zuwendungen erstattet werden müssten, weil der von der Bürgerinitiative prognostizierte Strukturwandel mit den Leader-Programmzielen nicht übereinstimme, so die Schlachthof-Gegner.
Zudem wurde eine enge Verknüpfung von in Niedersachsen bestehenden Bürgerinitiativen gegen Massentierhaltung angeregt.
Der neue Vorstand der Bürgerinitiative: Vorsitzender Norbert Jurotzko, stellvertretende Vorsitzende: Uschi Helmers und Astrid Meinheit, Kassenwart Gerd Helmers, Schriftführer Lothar Müller, Pressewartin Gabriele Ruschmeier. Außerdem wurden Beisitzer gewählt.









