
Geflügelschlachtbetrieb: Stimmen/Auswärtige/Kontra
Äußerungen in Leserbriefen der CZ
Tierquälerei vorprogrammiert
Welche Vor- und Nachteile wird es den ,Bürger(n)innen der Gemeinde, dem Land bringen? Neue Arbeitsplätze? Ja, jedoch gut bezahlt? Nein.
Etwas, wo man gerne Arbeiten geht? Nein, wer tötet und zerlegt schon gerne Tiere am Fließband.
Weitere Betriebe, die davon profitieren? Ja, jedoch nur mit viel Schulden und dem Risiko des Gesamtverlustes ihres Betriebes. Nur ganzheitliche Lösungen helfen der Landwirtschaft. Hähnchenproduktion hat mit Landwirtschaft nichts zu tun.
Umweltschutz? Nein, es wird durch den Schlachthof und die zusätzlichen Tiermastanlagen das Grundwasser gefährdet (giftige Gülle so weit das Auge reicht). Kläranlagen haben große Probleme mit Schlachthöfen!
Tierschutz? Nein, es gibt keine Großanlagen, die human mit Tieren umgehen. Weder beim Aufziehen, beim Transport, noch beim Schlachten, es ist halt eine Ware. Tierquälerei ist so schon vorprogrammiert.
Armes Wietze: Für den Profit von wenigen wird aus Wietze die Schlachthof-Gemeinde. [...]
Dirk A. Hiller, Winsen
Es war einmal ein Land,
das ich so schön fand.
Es zog mich unweigerlich dahin,
wo so weit die Heidekräuter blühen,
wo die Heidschnuckcnherden ziehen
und Kieferndüfte um die Nase wehen.
Ein Land, wo sich die Natur von ihrer schönsten Seite zeigen darf
und noch kein Mastbunker seinen Schatten warf.
Zu schön. um lange wahr zu sein! Vorbei ist der "Dornröschenschlaf":
Ein Hühnerbaron aus dem Westen weckt es auf.
Er will Millionen Hühner mästen,
das ist ja zu seinem Besten.
Die Industrie und die Politik
ziehen nun gegen die Natur in den Krieg.
Die Idylle wird nun zugepflastert
und bald fahren überall die Hühnerlaster.
Statt Frermdenverkehr
und Schäferei,
rollt Lastverkehr
und wütet Tierquelerei.
Zu Bienengesumm und Glockenklang
gibt's nun beißenden Gestank.
Ich mochte dieses Land so gern,
doch jetzt bleib' ich lieber fern.
Linda Hiller, Winsen
Alles verliert an Wert
Industrialisierte Landwirtschaft, diskret ausgedrückt „Veredelungslandwirtschaft” macht eine Region kaputt, ich machte die Erfahrung beim Bau der A1 zwischen Vechta und Landesgrenze NRW. Das Gebiet zeigte 1963 noch eine herbe Schönheit, 1966 war es versaut, nicht durch die BAB, die tangierte nur.
Jetzt ist der Kreis Celle dran. Kreis und Gemeinde zappeln schon am Haken der Firma Rothkötter derweil sie noch meinen, einen Sechser gezogen zu haben. Es werden gesicherte Wasser-, Abwasserverhältnisse und Verkehrslenkung verlangt. Wer kann das zusichern? Kann SVO die erforderlichen Wassermengen liefern? Genügt die Gemeinde-Kläranlage für zusätzliche eine Million Mastleichen sowie 1000 Mann Personal, oder tritt der Bürger dafür mit erhöhter Grundsteuer ein?
Alles verliert an Wert, Boden, Luft, und auch das eigene Haus. Nicht allein durch die Schlachterei, nein, Turboställe, Chemie, Gülle und das neben Luftkurort. Dann Zusatzkosten, Auslagerung Hundesportverein 300 000 Euro, wo wird es weitergehen. Der Kreisveterinär schätzt Seuchenrisiken als gering ein. Frage: Nur für Tier oder auch Menschen vor allem Kinder? Schon die bloße Vorstellung eines Risikos müsste zum Verbot der Anlage führen. Oder ist die Gier nach Gewerbesteuer schon mehr Wert als menschliche Gesundheit?
Edgar Anders
Geflügelschlachthof „Touristisch” nutzen
In den letzten Wochen war in Berichten der CZ mehrfach zu lesen, dass die Tourismus-Region-Celle (TRC) nach neuen Konzepten sucht, um den Tourismus in Celle und Umgebung anzukurbeln. Da könnte sich der geplante Bau eines Geflügelschlachthofes in Wietze tatsächlich als ein „Sechser im Lotto” erweisen.
Zahlreiche neue Hähnchenmastställe und Biogas-Anlagen würden gebaut werden und unsere Region nachhaltig verändern. Interessierte Besucher könnten sich die weiten Wege nach Oldenburg oder Ostfriesland sparen, und eine intensive Geruchsprobe der Celler Landluft gäbe es gratis dazu. Der von vielen Städten und Gemeinden begehrte Titel „Luftkurort” würde in diesem 'Zusammenhang eine ganz neue Dimension gewinnen. So könnten zum Beispiel Radtouren von Maststall zu Maststall angeboten werden. Neue Radwege würden nicht benötigt, denn wegen des erhöhten Lkw-Verkehrs werden sicherlich gut ausgebaute Straßen vorhanden sein.
Wie wäre es, wenn man ausgesuchte Stallanlagen für interessierte Besucher zur Besichtigung freigeben würde? Allerdings sollten diese stets zu Beginn einer Mastperiode stattfinden, wenn sich zirka 40 000 flaumige gelbe Küken in dem Stall tummeln.
Dieser putzige Eindruck würde Besuchern mit Sicherheit lange in Erinnerung bleiben.
Zum Abschluss der Rundtouren könnte man dann den Teilnehmern ein schmackhaftes und gesundes Essen, etwa in Form von Hühnersuppe und Grillhähnchen, anbieten.
Jetzt fehlt nur noch ein tatkräftiger innovativ denkender Tourismus-Manager, der ein derartiges Projekt in Angriff nimmt. Schließlich hatte unsere Region in Zukunft etwas zu bieten, mit dem andere Städte und Gemeinden in der Lüneburger Heide nicht aufwarten können, nämlich „Klein Oldenburg im Celler Land”. Wenn das keine rosigen Aussichten sind.
Marlies Jeremiem, Nienhagen
Entnahme wird teuer
„Behörden sehen keine Probleme”, CZ vom 25. November.
Fakt ist: Der Pumpversuch findet jetzt statt. Der Wasserstand der Aller ist jetzt am höchsten Stand (randvoll).
An der Marklendorfer Schleuse wird bis maximal aufgestaut um Strom zu gewinnen. Das Grundwasser ist durch die Niederschläge der letzten Wochen wieder aufgefüllt. Somit beste Voraussetzungen, um ein Gutachten im Sinne der Behörden zu erstellen.
Fakt ist auch: Der Pumpversuch und die spätere Wasserförderung findet nördlich der L 180 auf einer alten Allerdüne mit Humusauflage von weniger als acht Zentimetern und darunter nur reinem weißem Sand statt. Hier stehen auf ärmlichstem Standort mit sehr mäßigem Zuwachs reine Kiefernwälder, die jetzt schon alle paar Jahre wegen Stress (zu weit weg vom Grundwasser) mit Absterben beziehungsweise Kalamitäten (Insektenbefall) zu kämpfen haben. Die Wasserförderung (eine Million Kubikmeter bei Vollauslastung) findet aus einer Tiefe von 18 bis 28 Meter statt, genau die Tiefe, die auch die schon lange bestehenden Beregungsbrunnen haben. In trockenen Sommern wie 2009 ist die Wasserförderung hier nur mit erhöhtem Aufwand zu betreiben. In Winsen, wo die SVO ein Wasserwerk betreibt, ist es schon in dieser Zeit zum Ausfall eines Beregnungsbrunnens gekommen.
Der Vergleich mit der Papierfabrik in Lachendorf ist falsch, weil dort gänzlich andere Boden- und Wasserverhältnisse sind. Für mich ist es nicht nachvollziehbar wie Fachleute im Vorfeld einer Untersuchung sich zu so pauschalen Ergebnissen hinreißen lassen. Eventuell soll so sachliche Kritik im Vorfeld unterdrückt werden.
Mein Fazit: Diese Wasserentnahme wird ökonomisch und ökologisch für alle sehr teuer.
Dirk Reinecke, Bannetze
An den Pranger gestellt
...Was mich stört, ist, dass diejenigen, die ihre Bedenken sachlich äußern und auch begründen. fast schon wie Nestbeschmutzer in ihrer Gemeinde an den Pranger gestellt werden. Uas ist unsozial und undemokratisch. Dass es darauf in der Folge zu allgemeiner Politikverdrossenheit und Wahlmüldigkeit kommt, ist nicht verwunderlich.
Allerdings findet sich diese Spaltung leider auf allen Ebenen unserer Gesellschaft wieder. Ich bekomme manchmal den Eindruck, als wenn die Schaffung von Arbeitsplätzen (die Frage ist noch zu welchem Preis, wahrscheinlich mit Billiglöhnen für unsere östlichen Nachbarn) die damit einhergehende Schädigung der Natur und die Belästigung der Einwohner rechtfertigt. Gilt denn nur noch Kommerz und Aufschwung um jeden Preis? Warum muss es denn immer um umweltbelastende Industrieansiedlung gehen? Gibt es nicht genügend "grüne" Alternativen, wie zum Beispiel Photovoltaikparks, Golfplätze (umweltgerecht) Produktionsanlagen für Feinmechanik, Pelletherstellung oder wenn es schon um Fleischproguktion geht — so doch wenigstens Ökologische Bio-Tierbetriebe, in denen wenigstons eine artgerechte Haltung rnit Auslauf, längeren Mastzeiten und Futter ohne Gentechnck, Hormone und Antibiotika bei viel kleineren Produktionsmengen garantiert werden.
Hoffentlich ist den Wietzern klar, was sie sich mit einem Schlachthof dieser Art und Größenordnung antun: Es wird gerade im Sommer eine starke Geruchsbelästigung in der Umgebung der Mastbetriebe geben und durch das Ausbringen von Mist und Gülle eine starke Nitrat- und Antibiotikabelastung im Boden und letztendlich im Trinkwasser, ganz zu schweigen von der Lärm- und Schadstoflbelastung durch die Lkw-Transporte (ich weiß, wovon ich spreche, da ich im Landkreis Diepholz grenznah zum Landkreis Vechta, der Reglon der "Hühnerbarone" in Norddeutschiund, meine Jugend verbracht habe). Außerdem fördert die Geflügelmassentlerhaltung die Gefahr des Aufkommens des Vogelgrippevirus. Fairerweise sollte aber auch im Lagerr der Schlachthof-Gegner mal darüber nachgedacht werden. inwieweit jeder selbst als Konsument von Fleisch aus diesen ."Tier-KZ-Lagern" diese Haltung mliversrhuldet. Denn die Macht, die man abs verantwortungsbewusster Bürger heute hat, ist die Wahl der entsprechenden Partei und die tägliche Wahl als krjtischer Konsument. Was nicht gekauft wird, wird auch nicht produziert.
Linda Hiller, Winsen
Konsument entscheidet
Jennifer Kopka aus Nienhagen beteiligt sich an der Diskussion über den geplanten Schlachthof in Wietze und bezieht sich auf die Zuschrift "Polemik grenzt an Frechheit" von Michael Diesing vom 2. Januar.
Es steht außer Frage und doch allem voran, dass zuerstjeder Konsument mit seinem Kaufverhalten über derartige Geschäftsvorhaben entscheidet. leider sind es noch zu wenige, die sich kritisch Gedanken darüber machen was sie essen.
... Ich halte es an dieser Stelle für nennenswert, dass jeder, der sieh aktiv mit diesem Thema beschäftigt. die Argumente jeder Lobby nutzt, um sein Wissen zu vervollständigen und im Rahmen der Bürgerinitiative deutlich zu machen. Von „Polemik” kann hier gar nicht gesprochen
worden!
In dem Leserbrief wird die Meinung geäußert, dass Tierhaltung zur absolut notwendigen Ernährung der Menschen diene". Ich füge selbstverständlich an. dass wenn das überhaupt so sein sollte, die Art der Tierhaltung nach wie vor ein "Thema sein muss, wenn man nur die allein für „uns Menschen” damit im Zusammenhang stehenden Folgen berücksichtigt (geruchs-,
umwelt- und gesundheitsbelastende Faktoren. Erhöhung der globalen Treibhausgasemissionen um 51 Prozent, Verlust der Immobilienwerte etc.).
Und ob Fleisch zur "absolut notwendigen Ernährung" gehört. steht außerdem zur Diskussion im Kontext Menge und tatsächlicher Gesundheitsfaktor. Wie viel Fleisch ist notwendig? Insbesondere
in unseren westlichen. zivilisierten, gut ernährten Teilen'' %V'i.. viel Angebot haben wir und konsumieren wir tatsächlich? Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) empfiehlt den Verzehr von Fleisch in etwa zu halbieren. Aridere konservative Vereinigungen wie die weltweit führende Organisation von Ernährungsberatern, die American Dietetic Assuciation (ADA) stellen fest, dass sich die vegetarische und vegane Ernährung sogar eignet, um Volkskrankheiten zu heilen.
Und zum Thema "Wer kann sich Bio-Fleisch leisten?": jeder! Der es möchte.
Die Touristikbranche boomt schließlich auch weiterhin. Und wie war das noch mit den Rauchern? Die Zigaretten sind teurer geworden. der Verkauf aber nicht gesunken.
... Und dann bleibt der mittelständisch, bäuerliche Nachbar auch (geruchs-)freundlich. I...l
Jennifer Kopka, Nienhagen
Sonstige Äußerungen
| E-Mail an Wietze-Info.de Zur Ansiedlung des Schlachthofes habe ich folgende Bedenken:
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