Wietze hat Energie und hier zu leben, ist goldrichtig!

Geflügelschlachtbetrieb: Anfänge

Geflügelschlachtbetrieb: größte Ansiedlung seit Jahrzehnten
Bis zu 1000 Jobs in Wietze geplant
(Von Simon Ziegler, CZ, 12.09.2009)

Im Landkreis Celle ist die größte Firmenansiedlung seit Jahrzehnten geplant. Die „Emsland Frischgeflügel GmbH“ will in Wietze eine Geflügelschlachterei errichten. Dabei könnten bis zu 1000 Arbeitsplätze entstehen. Landrat Klaus Wiswe bezeichnete die Ansiedlung als „riesigen Glücksfall“.

WIETZE. Es soll eine Geflügelschlachterei gigantischen Ausmaßes werden. Das Familienunternehmen „Emsland Frischgeflügel GmbH“ plant westlich des Wietzer Gewerbegebietes einen neuen Geflügelschlachthof. Das Vorhaben soll 40 Millionen Euro kosten, nach Fertigstellung werden zunächst 250 Mitarbeiter beschäftigt sein. „Mittelfristig ist die Erweiterung des Schichtbetriebs angedacht, womit die Mitarbeiterzahl in Wietze auf 1000 steigen könnte“, heißt es in einer Pressemitteilung des Landkreises Celle.

„Die Nachfrage nach Hähnchenfleisch wird weiter zunehmen. Der Standort Wietze ist gut“, sagte Franz-Josef Rothkötter, Chef und Eigentümer des Familienunternehmens in Haren/Emsland. Sein Unternehmen produziert derzeit mit 1000 Mitarbeitern rund 25 Prozent des deutschen Hähnchenfleischs. In Wietze will Rothkötter auf einem 21 Hektar großen Gebiet einen zweiten Betrieb errichten. Unterstützt werden diese Pläne vom niedersächsischen Landwirtschaftsministerium, das „den Wachstumsmarkt Nahrungsmittelindustrie unbedingt in unserem Land erhalten will“.

Das Grundstück an der B 214

„Eine solche Ansiedlung ist ein riesiger Glücksfall für uns und wir freuen sehr, dass es uns gelungen ist, die Firma von den Vorzügen eines Standortes im Landkreis Celle zu überzeugen“, zeigte sich Landrat Klaus Wiswe gestern euphorisch. Der Entscheidung für Wietze seien mehrmonatige Gespräche und Analysen verschiedener Standorte in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen vorausgegangen.

„Entscheidend war für mich nicht nur die Qualität des Standortes, sondern auch die Unterstützung durch Landkreis und Gemeindeverwaltung“, begründete der Firmenchef seine Standortwahl.

Nach Aussage von Wiswe habe Rothkötter versichert, nicht mehr mit anderen Kommunen zu verhandeln. Die Firma fokussiere sich ausschließlich auf Wietze.

Eine Firmenansiedlung mit bis zu 1000 Mitarbeitern habe es in den vergangenen Jahrzehnten in Stadt und Kreis Celle nicht gegeben, so Wiswe. Vor allem könnten viele Arbeitsplätze für Menschen mit geringer Qualifikation entstehen. Gerade diese Beschäftigungsverhältnisse seien in den vergangenen Jahren verloren gegangen, sagte der Landrat mit Blick auf den Kollaps des Celler Telefunken-Werkes.

Wietzes Bürgermeister Wolfgang Klußmann ist sich der Bedeutung des Bauvorhabens für seine Gemeinde bewusst. „Wir können endlich den Verlust vieler Arbeitsplätze kompensieren. Das Unternehmen zeichnet sich durch Verlässlichkeit aus und hat als Arbeitgeber einen guten Ruf.“

Mitglieder des Wietzer Gemeinderates und des Kreisausschusses werden sich am Montag vor Ort über den Frischgeflügel-Betrieb im Emsland informieren. Danach will die Gemeinde ein Bauleitverfahren einleiten und die nötige Verkehrsinfrastruktur schaffen.

Presseerklärung des Landkreise Celle

Politik steht hinter Wietzer Schlachthof
Sechser im Lotto mit Zusatzzahl"
(Von Simon Ziegler, CZ, 16.9.2009)

Die Ampel für einen Geflügelschlachthof in Wietze steht auf Grün: Nachdem eine Celler Delegation aus Politik und Verwaltung am Montag den Betrieb der Firma Rothkötter im Emsiand besichtigt hat, haben sich heimische Politiker eindeutig hinter das Vorhaben gestellt, das zunächst 250 Arbeitsplätze nach Wietze bringen soll.

WIETZE. Die ersten Reaktionen waren fast ausschließlich positiv. „Ich kann Ihnen sagen, dass Sie eine breite Unterstützung aus dem politischen Raum haben. Ich habe eine ausgezeichnete Wahrnehmung”, sagte Celles Landrat Klaus Wiswe zu Firmenchef Franz-Josef Rothkötter, nachdem dieser die etwa 30-köpfige Gruppe aus Celle durch den Geflügelschlachtbetrieb in Haren im Emsland geführt hatte.
Wietzes Bürgermeister Wolfgang Klußmann bezeichnete die Pläne des Unternehmens für seine Gemeinde als „einen Sechser im Lotto mit Zusatzzahl”. Neben der Wietzer CDU signalisierte auch SPD-Fraktionschef Helmut Kersting Zustimmung, der von einem „großen Gewinn für die Gemeinde” sprach.
Am Freitag hatte der Landkreis mitgeteilt, dass das Unternehmen die Ansiedlung eines Betriebs in Wietze plant. In der Celler Westkreis-Gemeinde könnten langfristig bis zu 1000 Arbeitsplätze entstehen. Am Montag wurde bekannt, dass als mögliche Standorte zuvor auch die Stadt Celle, Lachendorf sowie Wathlingen im Gespräch waren. Sollten die politischen Gremien zustimmen und ein Bauleitplanverfahren einleiten, was wohl nur noch eine Formsache ist, wird der Baubeginn im kommenden Jahr sein, kündigte Rothkötter an. Dass die Firma Rothkötter in Wietze einen Geflügelschlachthof errichten wird, sei zu 99,9 Prozent sicher, sagte am Montag Franz-Josef Rothkötter, Chef und Eigentümer des Unternehmens aus dem Emsland. Der Wietzer Gemeinderat, die Spitze der Celler Landkreisverwaltung sowie Politiker des Kreistages informierten sich vor Ort in Haren über die Arbeit das expansionswilligen Unternehmens. 

Der Weg in die Fleischtheke des Supermarktes ist schnell. Landwirte liefern die etwa fünf bis sechs Wochen alten Hähnchen an die Schlachterei. Zwei Stunden lang werden die Tiere bei blauem Licht beruhigt. Anschließend werden sie betäubt, geschlachtet und in Filets, Schenkel und Flügel zerlegt, je nachdem, was der Kunde wünscht. Von der Anlieferung der lebenden Tiere bis zur Auslieferung an die Supermärkte vergehen im Schnitt acht Stunden – industrielle Fleischproduktion in Perfektion.

Das, was die Celler Delegation am Montag im Emsland gesehen hat, soll auch im Kreis Celle Wirklichkeit werden, und zwar schon bald. Westlich des Wietzer Gewerbegebietes will Rothkötter einen zweiten Schlachthof errichten. Baubeginn soll im kommenden Jahr sein, schon im Dezember 2010 könnte der Schlachthof in Betrieb gehen. „Zunächst werden etwa 250 Arbeitsplätze entstehen“, sagte Geschäftsführer Wilfried Fleming, der sich optimistisch äußerte, diese Zahl mittelfristig auf 500 aufzustocken. „Das wird und muss kommen.“ Ob 1000 Arbeitsplätze langfristig erreicht werden, wie vom Landkreis Celle am Freitag vermeldet wurde, hänge von der Entwicklung im Hähnchenfleischmarkt ab, so Fleming.

Wie im Emsland will das Unternehmen auch im Kreis Celle eng mit Landwirten in einem Umfeld von 100 Kilometern kooperieren. Das heißt: Bauern übernehmen die Mast der Hühner. „Wir brauchen investitionswillige Landwirte. Ohne sie können wir nichts machen“, so Fleming. Im Emsland arbeitet Rothkötter mit 175 Bauern zusammen. Die Landwirte halten je Stall etwa 40000 Hühner. Die Celler Delegation besuchte am Montag auch zwei „Zulieferer“, der vielleicht heikelste Punkt der Produktionskette, weil insbesondere die Hähnchenmast bei der Bevölkerung mitunter im schlechten Ruf steht. Doch die Celler Bedenken waren anschließend ausgeräumt, denn ein nennenswerter Gestank wurde nicht registriert.

Landrat Klaus Wiswe sicherte dem Unternehmen eine breite Unterstützung aus dem politischen Raum zu. Wietzes Bürgermeister Wolfgang Klußmann sprach von einer „Perspektive“ für seine Gemeinde, da Arbeitsplätze und Kaufkraft entstünden. Firmenchef Rothkötter sicherte zu, dass „die Gewerbesteuer dort gezahlt wird, wo sie erwirtschaftet wird“.

Der Kreisausschuss wird in seiner nächsten Sitzung über einen Zuschuss für die Gemeinde befinden, damit Wietze in die Verkehrsinfrastruktur investieren kann. Wieviel Geld die Gemeinde in die Hand nehmen muss, um das 21-Hektar-Vorhaben an die B214 anzubinden, ist noch unklar.

Wietze macht Tempo bei geplantem Schlachthof
„Der Sekt ist schon kalt gestellt“
(Von Simon Ziegler, CZ, 17.09.2009)

Verkauf der Grundstücke, Verlegung des Hundesportvereins, Vorbereitung der Erschließungsarbeiten: Die Gemeinde Wietze drückt aufs Tempo, um den Schlachthof westlich des Gewerbegebietes zu realisieren. Unterdessen äußern die Grünen Kritik: Der Kreis Celle solle keine zweite Emsland-Region werden.

WIETZE. Wietzes Bürgermeister Wolfgang Klußmann fasst seinen Gemütszustand in ein schönes Bild: „Der Kühlschrank ist angeschlossen, eine Flasche Sekt liegt schon drin. Ab und zu schaue ich nach, ob der Sekt noch da ist. Aber ich trinke ihn noch nicht.“

Die Wahrscheinlichkeit, dass in Kürze angestoßen wird, steigt indes immer mehr. In Kürze sollen die Verträge zwischen den Grundstückseigentümern und der Firma Rothkötter aus Haren im Emsland unterzeichnet werden, die einen Geflügelschlachthof im Wietzer Westen errichten will. Acht Privatleuten gehört das Gelände bislang. Die Gemeinde tritt bei den Verkäufen als Vermittler auf, „Probleme sehe ich keine mehr“, sagt Klußmann.

Auch auf anderer Ebene schaffen Politik und Verwaltung Fakten. Am Dienstag, einen Tag nach der Reise zu dem Stammsitz des Unternehmens im Emsland, tagten Verwaltungsausschuss und Gemeinderat in Wietze. Die beiden Gremien stimmten dafür, 400000 Euro zur Verfügung zu stellen, damit der Polizeihundesportverein umziehen kann. Der hat sein Domizil bisher am Rand jenes Grundstückes, auf dem der Schlachtbetrieb entstehen soll. Laut Klußmann werde der Verein ins südliche Gewerbegebiet umziehen.

Die künftige Verkehrsanbindung des Geflügelschlachtbetriebes soll über das westliche Ende des 21 Hektar großen Baulandes erfolgen. Ob eine Ampel oder ein weiterer Kreisel gebaut wird, ist noch offen. Für die Erschließungsarbeiten hat die Gemeinde 1,4 Millionen Euro eingeplant. Klußmann will dafür verschiedene Fördertöpfe anzapfen, auch der Landkreis Celle hat einen Zuschuss signalisiert.

Kritik der Grünen: Während alle anderen Parteien die Ansiedlung des Schlachthofes mit Blick auf die Arbeitsplätze begrüßen, gibt es von den Grünen Kritik. Eine Hähnchengroßschlachterei ziehe unweigerlich den Bau und Betrieb von 100 Hähnchen-Mastanlagen in der Region nach sich, sagte Annegret Pfützner, Fraktionsvorsitzende im Celler Kreistag, die am Montag an der Fahrt ins Emsland teilgenommen hatte. Pfützner verwies auf mögliche Geruchsemissionen und warnte vor einer Zunahme der Massentierhaltung. „Wir wollen hier keine zweite Emsland-Region werden“, sagte sie.

CDU, SPD und FDP in Wietze sowie die Landkreis-Verwaltung betonen hingegen die Zahl der Arbeitsplätze und die wirtschaftliche Entwicklung der Gemeinde. FDP-Ratsherr Hans-Jürgen Uher sagte: „Ich bin voll für das Projekt, hätte es aber besser gefunden, wenn die Bürger im Vorfeld umfassend über das Vorhaben informiert worden wären.“