
Allertalbahn: Wietzebrücke/Sprengung
Die Sprengung der Bahnbrücke über die Wietze
(Erinnerungen von Dieter Bosse)
Am 11. und 12. April 1945 wurden alle Wietzebrücken gesprengt. Kurz vorher wurde die Dorfbevölkerung aufgefordert, Türen und Fenster zu öffnen und sich in den Schutz der Keller- oder Erdbunker zu begeben. Die Detonationen erschütterten durch die Druckwellen, die sich im Erdboden fortpflanzten, die in ihren Erdlöchern und Kellern ausharrenden Menschen. Es war, als ob sich die ganze Erde anhob und wieder senkte.
Am 12. April wurde auch die Bahnbrücke gesprengt. Dieses Ereignis hat mich lange in meiner Kindheit beschäftigt. Und heute noch glaube ich, dass es gestern gewesen sei.
Ich stelle heute aber auch fest, dass mit dieser Sprengung endgültig die Bahnverbindung von Wietze über die Nachbargemeinden Winsen, Oldau und Hambühren nach Celle, weiter nach Hannover und Braunschweig nach Berlin zerstört wurde.
An der Stelle, wo die Bahnbrücke die Wietze überquerte, erkennt man heute noch die Reste der alten Betonbrücke.
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Ich musste auf die Toilette, die auf dem Hof in einem Nebengebäude untergebracht war, weil sie auch von Kirchenbesuchern genutzt wurde. Man musste also immer über den Hof. Egal bei welchem Wetter. In dem Gebäude waren auch noch eine Waschküche und ein Stall.
Um sich auf dem Klo zurechtzufinden, musste man bei Dunkelheit immer eine Taschenlampe mitnehmen. Fenster gab es dort auch nicht. Überhaupt waren Komfort und Hygiene nicht gerade sehr einladend. Klopapier wurde auch erst viel später erfunden.
Und ich habe bei diesem für Wietze so einschneidenden Ereignis auf dem Klo gesessen, als es plötzlich unerträglich laut knallte und das ganze Gebäude wackelte.
Was war geschehen?
Die Kameraden der Heimatfront hatten die Brücke gesprengt, um den Vormarsch der Alliierten aufzuhalten. Wie wir heute wissen, ist ihnen das nicht gelungen.
Aber unsere Brücke war hin und meine Taschenlampe leuchte unten im tiefen Grund der stinkenden Grube. Für unsere Familie war der Verlust der Taschenlampe ein herberer Verlust als die Brücke. Es war die einzige, die wir hatten.
Unsere Mutter versuchte zwar noch mit einer an eine Bohnenstange gebundene Suppenkelle die Lampe zu retten, aber sie versank immer tiefer in den dunklen Fluten.
Die in die Luft ragenden Gleise auf der Brücke machten einen gespenstischen Eindruck. Wie ein Gerippe sahen sie aus.
Die zerstörte Brücke animierte meinen Bruder Klaus aber zu den kühnsten, architektonischen Überlegungen. Er dachte laut darüber nach (..er dachte immer nur laut), dass man dort ein Schwimmbad bauen könnte.
Damit war er meines Wissens der erste überhaupt, der über den Bau eines Schwimmbades in Wietze nachgedacht hat.









