
Bärbel Speiel: Meine Zeit als Köchin
Meine Zeit als Köchin (1956-2007)
Bärbel Speiel erinnert sich ...
Die Zeit im Sandkrug von 1956 bis 1960 war eine „à la carte-Küche“. Damals gab es die Familienfeiern, wie sie heute stattfinden, noch nicht. Fast Food und andere Schnellgerichte kannte man nicht. Die ersten Pommes frites bereiteten wir 1958 zu. Es hat sich mit Sicherheit auch in der Küche von damals bis heute vieles verändert.
Die Menükarten sahen damals z. B. so aus:
Suppe: legierte Suppe „Blumenkohl, Champignons“ und Bouillonsuppe mussten dabei sein.
Hauptgerichte:
Deutsches Beefsteak „à la Meier“ mit Leipziger-Allerlei und Salzkartoffeln.
Kalbsfrikassee, in weißer Soße „Holländer Art“ mit grünem Salat und Reis.
Schweinebraten, Rotkohl, Salzkartoffeln.
Kassler mit Sauerkraut.
Dazu kamen noch Fischgerichte und Geflügel. Im Herbst wurden zusätzlich Wildschwein, Hirsch, Rehe und Wildgeflügel wie Fasan und Rebhuhn angeboten.
Als ich dann 1960 nach Wietze kam, kochte ich für Familien und Vereine.
Wenn ich für eine Bauerhochzeit kochte, sah das z. B. so aus:
5-Gänge-Menü
1. Vorspeise
Sie bestand aus einer warmen oder kalten Vorspeise.
Warme Vorspeisen: Ragout fin oder Hühnerfrikassee.
Kalte Vorspeisen: Geflügelsalat, Lachs, Forellen oder Krabben. Dazu gab es Toast und Butter.
2. Danach gab es dann die Hochzeitssuppe!
3. Jetzt gab es ein Zwischengericht: z. B. „Zungenragout“ mit gemischten Salat.
4. Hauptgang
Er bestand aus zwei Sorten Fleisch - entweder Wild und Schweinebraten oder Schweineschnitzel und Schmorbraten - dazu als Beilage Champignons oder Pfifferlinge.
Zum Wild gab es gefüllte Birne mit Preiselbeeren und Rotkohl, bei den anderen Fleischarten gab es dann Gemüseplatten und Salate.
5. Der krönende Abschluss war das Dessert.
Renner hat es in den Jahren von 1960 bis 1980 weniger gegeben, es wurde eben gut und deftig gegessen.
Wenn ich z. B. ein Jagdessen zubereitete, musste es schon kräftig sein. Es gab schöne fette Eisbeine, Sauerkraut, Erbspüree mit Speck und Zwiebeln, Salzkartoffeln.
Ich glaube, so etwas kommt heute nicht mehr auf den Tisch.
Eine große Leistung war das Königsessen beim Wietzer Schützenfest – von 1960 bis 1974 habe ich dafür geradegestanden. Es wurden dabei zwischen 250 und 300 Personen bewirtet.
Ab den achtziger Jahren begann man kalorienbewusster und magerer zu essen! Wild, Geflügel und Fisch waren angesagt, viel Gemüse und Salat. Gerne wurde bei mir grüner Salat in Sahnesoße mit vielen Kräutern gegessen!
Spezialitäten in dieser Zeit waren an erster Stelle Hirschkalbskeule, aber all diese Gerichte mussten mit Sahne und Butter zubereitet werden, um einen guten Geschmack zu erhalten.








