
Lk Celle: Demografiebericht 2008
Tempo 30, Ü65-Partys und Schulfusionen
(Von Simon Ziegler, CZ, 29.05.2009)
Der Landkreis Celle hat einen Demografiebericht verfasst, der erahnen lässt, wie grundlegend sich das Leben in der älter werdenden Gesellschaft verändert – für Bürger, Arbeitgeber und Kommunen gleichermaßen. Kaum noch neue Baugebiete, fusionierte Schulen und Schwierigkeiten der Gemeinden, qualifiziertes Personal zu finden: So könnte die Zukunft aussehen.
CELLE. „Künftig sollen vor allem kleine Orte wie etwa Gockenholz keine Baugebiete mehr neu ausweisen“, sagt Kreisdezernent Gerald Höhl. Denn neue Baugebiete bedeuten immer auch Investitionen in die Infrastruktur – in Kindergärten und Schulen beispielsweise. Doch in einer älter werdenden Gesellschaft machen solche Investitionen wohl an vielen Stellen keinen Sinn mehr, schließlich beinhaltet der demografische Wandel auch, dass die Bevölkerung insgesamt schrumpft. Die Formel ist simpel: Weniger Babys werden geboren, dafür werden die Leute immer älter.
Das Beispiel der Baugebiete macht den Wandel in der Gesellschaft deutlich, der längst in vollem Gange ist. Und weil der Wandel so grundlegend ist, kam aus der Politik der Wunsch, dass die Celler Landkreis-Verwaltung einen Bericht über die alternde Gesellschaft verfasst und einen Handlungsrahmen für die Zukunft absteckt. „Demografiebericht 2008“ heißt das 15 Seiten starke Werk, das jetzt in den politischen Ausschüssen des Landkreises zur Aussprache ansteht. „Die Ämter der Verwaltung haben zusammengestellt, was die alternde Gesellschaft für ihre Arbeit bedeutet“, erläutert Höhl das Vorgehen.
Amt für Bildung, Sport und Zentrale Dienste: Die aktuelle Diskussion um die Errichtung einer Kooperativen Gesamtschule (KGS) im Kreis Celle verweist darauf, dass die Schullandschaft vor großen Veränderungen steht, auch wegen sinkender Schülerzahlen. Das Amt schreibt, dass im Hinblick auf den deutlichen Rückgang der Geburtenzahlen im Kreis Celle die demografische Entwicklung für die Schulentwicklungsplanung von großer Bedeutung ist. Die Geburten- und Schülerzahlen sind Grundlage für die Planung aller Schulneu- und Erweiterungsbauten. Interne Planungen beschäftigten sich bereits mit der möglichen Schließung und Zusammenlegung von Schulen, geht aus dem Bericht hervor, ohne allerdings konkreter zu werden. In der KGS-Debatte hat der demografische Wandel schon eine Rolle gespielt, denn ob in zwei Jahrzehnten sich Celle noch vier Gymnasien leisten kann, ist gegenwärtig völlig unklar.
Sozialamt: Es ist naheliegend, dass auch das Sozialamt vor immensen Herausforderungen steht. Das Amt rechnet mit immer mehr Demenzkranken, verweist aber darauf, dass es bereits zahlreiche seniorengerechte Veranstaltungen wie etwa Ü65-Partys, Seniorengymnastik und Seniorentanz gibt.
Straßenverkehrsamt: Daneben gibt es aber auch die vergleichsweise kleinen Veränderungen, die man mit der alternden Gesellschaft nicht auf den ersten Blick verbindet. Das Straßenverkehrsamt beispielsweise kalkuliert mit mehr Tempo-30-Zonen, um Senioren ein sicheres Umfeld zu verschaffen.
Landkreis als Arbeitgeber: Kreisdezernent Höhl glaubt zudem, dass sich die Arbeitgeber umstellen müssen, besonders die kommunalen wie der Landkreis Celle. „Der Kampf um qualifizierte Arbeitskräfte hat längst begonnen. Wir müssen uns auch als Landkreis die Frage stellen, ob wir für junge Leute interessant sind, sagt Höhl.
Debatte: Trotz der Sprengkraft hat der Demografiebericht in den Ausschüssen bislang noch keine große Rolle gespielt. Im Jugendhilfeausschuss kritisierte aber Georgia Langhans die Celler Kreis-Verwaltung. „Ich verstehe nicht, warum in einem Demografiebericht auf das Thema ‘Migration’ nicht eingegangen wird“, sagte sie.








