
Der Schäfer
Der Schäfer
Der Schäfer war ein echter Beruf, dem ein mehrjähriger Dienst als Schäferjunge und Schäferknecht bei einem Schafmeister voranging. Schäfer waren in der Regel "frei", d.h. nicht leibeigen und häufig wechselten sie ihren Arbeitsplatz und Dienstherren. Entweder waren sie Angestellte der Gemeinde oder des Gutsherrn oder aber sie arbeiteten auf eigene Rechnung als Pächter. Letzteres war eine Möglichkeit zu bescheidenem Wohlstand zu kommen, denn nebenbei konnten sie eine Anzahl eigene Schafe hüten und auch den Nachwuchs vermarkten. In diesem Falle waren sie aber auch für Verluste voll verantwortlich.
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Schäfer hatten eine eigene Tracht: Der große Hut sollte ihn auch vor dem Regen schützen und mit seinem Hirtenstab hatte er ein vielseitiges und nützliches Werkzeug: Zum einen benutzte er den Stab als Stütze, um sich gegen ihn zu lehnen. Dann konnte er mit ihm die Herde dirigieren- etwas Erde wurde gezielt geworfen und die Schafe wichen zurück. Mit dem Haken daran wurden Schafe eingefangen. |
Die Weidewirtschaft bildete auch in Norddeutschland einen Hauptwirtschaftszweig, besonders in der kargen Heidelandschaft. Einst war die Wolle ein gefragtes Handelsgut und entsprechend viele Schafe gab es.
Das Ansehen des Schäfers im Dorf war etwas zwiegespalten: Sein Beruf galt, wie auch z. B. der des Müllers als "unehrlich" Seine Außenseiterrolle in der Dorfgemeinschaft war schon bedingt durch seine einsame Tätigkeit, aber er war auch eine beliebte Nachrichtenquelle. Und in Zeiten, wo es auf dem Lande praktisch keine Ärzte gab wurden seine Heilkünste benötigt. Sicher wird auch manch ein Dorf- bzw. Gutsbewohner ein wenig mit Neid auf ihn geschaut haben. Die selbständige Tätigkeit des Schäfers hatte allerdings wohl auch oft zu Folge, dass er etwas in seine eigene Tasche wirtschaftete... Seine "eigenen" Schafe, erkennbar durch ungekerbte Ohren, waren oft die wohlgenährtesten und kräftigsten Tiere, Verluste durch Krankheit etc. betrafen nur höchst selten sein Eigentum...
Wie sah nun die eigentliche Arbeit eines Schäfers aus?
Es gibt mehrere Formen Schafe zu halten: Die Standschäferei und die Wanderschafhaltung sowie variable Zwischenformen. Die Zucht und auch der Verkauf der Wolle waren, neben der eigentlichen Tätigkeit des Hütens, ebenfalls Aufgabe des Schäfers.
Im Winter blieben die Schafe im Schafstall. Der Mist blieb mehrere Monate unter den Tieren liegen. In der Mitte gab es eine Raufe- gefüttert wurde Erbsen- und Bohnenstroh. Als Einstreu wurde Roggenstroh genommen. Da hand gedroschen, fanden sie auch hier noch etliche Körner für die Schafe.
Der Schäfer zog mit den Schafen im Frühjahr so zeitig wie möglich raus, da das Futter allmählich knapp wurde. Morgens gegen zehn Uhr zog er aus und kehrte abends, vor Sonnenuntergang wieder heim. War er Angestellter einer Gemeinde, so wurden die Schafe abends unter lautstarkem Geblöke den einzelnen Höfen wieder zugeteilt- alleine fanden sie den Weg nicht. Im Frühjahr wurden die neugeborenen Lämmer an den Ohren markiert, um sie für die jeweiligen Besitzer zu kennzeichnen, die männlichen Tiere wurden kastriert, den weiblichen der Schwanz beschnitten.
So ab Anfang Mai blieben die Schafe samt den Lämmern draußen. Hierfür wurden dann eine Anzahl Hürden aufgestellt, jede ca. 3 1/2 Meter lang und 1 Meter hoch. Hier blieben die Schafe bis ca. Mitternacht, danach hatte der Schäfer die Hürden weiter zuschlagen. Der Kot der Schafe in diesen Hürden war in Zeiten ohne Kunstdünger ein wichtiges Düngemittel. Der Schäfer hatte für die Nacht seine Schäferkarre - auf einem alten Wagengestell war ein Häuschen gebaut: 2 m lang, 1 m breit, 1 m hoch mit spitzem, mit Zinkblech verkleidetem Bretterdach. Beim Transportieren zog der Schäfer seine Hütte mit einem Seil, dass er über die Schulter geschlagen hatte; die Führung erfolgte durch Umfassung der Deichsel. Für seinen Hund gab es einen metergroßen Korb mit Stroheinlage, der unter die Hütte geschoben wurde.
Mitte Juni wurden die Schafe, meist in einem Fluss, gewaschen. In einer Gemeinschaftsaktion wurde jedes Schaf einzeln mehrmals untergetaucht und mit bestimmten Handgriffen gewaschen. Nach trocknen des Fells erfolgte die Schafschur. Sie fand auf der Scheunendiele statt und die Schäfer halfen sich gegenseitig. Mit einer scharfen Schere wurde das Fell - möglichst nah an der Haut und in einem Stück - geschoren. Diese Prozedur dauerte pro Schaf ca. eine viertel bis eine halbe Stunde.
Eine wichtige Aufgabe des Schäfers war auch die Gesunderhaltung seiner Schafe. Er schaute laufend nach ersten Anzeichen der Räude - ein Kratzen des Schafes an der Seite, dem Rücken oder am Hals war verdächtig. Mit dem Stab fing der Schäfer es ein, entfernte den Knoten (hier hatten sich Räudemilben eingenistet) mit den Fingernagel und rieb noch ätzende Tabaklauge hinein. Diese sorgfältige Beobachtung erstickte die Krankheit meist schon im Keim. Geschah dies nicht, konnte in kurzer Zeit die gesamte Herde befallen werden.
Der Schäfer trug sein Essen in einer Brottasche mit sich
Da der Schäfer bei der Standschäferei tagsüber mit der Herde draußenblieb und erst am Abend mit den Schafe wieder zum Hof zurückkehrte, nahm er nicht an der gemeinsamen Mittagsmahlzeit teil, sondern trug sein Essen in seiner Brottasche mit sich. Seine Mahlzeit bestand überwiegend aus Schwarzbrot, allerdings gehörte ein Stück Wurst oder Schinken dazu.









