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Der Köhler

Als der Köhler seinen Meiler baute
(Von Ingrid E. Liebschner)

Wieviel Romantik, wie viele eigenartige, uns allen so unbekannte Arbeit konnte man einst erleben und kennenlernen, wenn man das Glück hatte, einen Köhler zu besuchen und bei seiner Arbeit im stillen, einsamen Wald zuzusehen.

Wenn man auf wenig begangenen Waldwegen wanderte, wenn man Pilze und Beeren suchte, so sah man vielleicht einmal eine Stelle im Walde mit tiefschwarzem Boden. Vor vielen Jahren stand hier ein Holzmeiler, in dem immer wieder Holzkohle aus dem Holz dieses Waldes gewonnen wurde.
Überall brannten diese Meiler, da die Holzkohle früher gebraucht wurde: für die Schmelzöfen des Erzes, für den Goldschmied, zur Färberei und auch für die Heilkunde. Die Frauen heizten ihr Bügeleisen mit dieser Kohle, sie wurde wegen ihrer großen Oberfläche in all den durch das Schwelen entstandenen zahlreichen Poren zum Reinigen von Flüssigkeiten und Gasen und noch gar vielen Zwecken benötigt. Heute wird die Holzkohle industriell gewonnen, aber die Kohlen aus dem Meiler von Genießern der auf dem Grill fein zubereiteten Spießbraten gerne gekauft.

Herrlichste Buchen spendeten wundervollsten Schatten im stillen Wald, in dem der Köhler den Meiler errichtete. Gar oftmals baute er hier einen Meiler auf. Eine kreisrunde, schwarze Stelle hatte der Köhler schön geebnet und viel schwarze Erde rings am Rande des Kreises zu einem kleinen Wall aufgeschüttet. Genau in der Mitte baute er nun aus Buchenstangen den Kamin, also die Feuerstelle, auch Quandel genannt, in dem später der Meiler angezündet wurde. Nun setzte er etwas Holz um diesen Quandel. Er nahm dazu kein teures, aber doch gutes Holz. Alle diese Hölzer hatten einen Meter Länge und wurden nun ganz eng aneinander gesetzt, zuerst senkrecht und später etwas gegen die Mitte zu geneigt. Bald mußte der Köhler den Quandel um einen Meter erhöhen und nun eine zweite Schicht auf der ersten aufbauen.
Immer größer wurde der Kreis des Holzes und darauf die zweite Schicht. Über 15 Ster Holz wurden im Meiler verbaut. Nun mußte das Holz mit einer feuerfesten Decke ringsum verschlossen werden.
Dabei stach der Köhler mit der Schippe aus dem Waldboden breite, aber nicht zu dicke Rasenstücke aus und setzte sie unten gegen das Holz des Meilers. Den oberen Teil des Meilers schloß er ab mit Erde aus dem alten Meiler. Das Erddach war somit fertig, es mußte den Zutritt der Luft verhindern.
Erst nach vielen Tagen der emsigen Arbeit konnte der Meiler angezündet werden. Von oben her schüttete der Köhler in den Kamin des Meilers fast bis zur Hälfte kalte Holzkohle. Darauf kam glühende Holzkohle und nun bis zum Ende wiederum nicht angezündete Kohle.
Der Kamin wurde geschlossen. Langsam fing das Feuer an zu schwelen und griff nun auch auf das Holz über, ganz langsam zur Außenseite des Meilers und von oben nach unten.
Damit das Feuer trotz des völligen Luftabschlusses nicht auslöschen konnte, brachte der Köhler rings herum kleinere Löcher in das Erddach an. Durch sie konnte das Feuer langsam schwelen und kam durch die geringe Luftzufuhr nicht zum Brennen. Wäre durch starken Wind ein größeres Loch in der Umkleidung des Meilers entstanden, hätte das schwelende Feuer bald zur hellen Flamme werden und das ganze Holz des Meilers hätte zu einem kleinen Häufchen unnützer Asche verbrennen können.

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Ist der Platz .für den Meiler auch wirklich ganz eben?
Sorgfältig wird die Feuerstelle inmitten des werdenden Meilers aufgebaut
Der ganze Meiler wird mit Erde eingedeckt

Da solch ein Meiler je nach der Größe 5 bis 8 Tage brannte, mußte der Köhler diese ganze Zeit über den Meiler beobachten, den Rauch kontrollieren, der aus den eingebohrten Löchern des Erddaches ausströmte, und jedes Einsinken der Erdschicht beheben. Auch während der Nacht bliebt der Köhler in der Nähe des Meilers in seiner Hütte. Nach einigen Tagen war das Feuer erloschen, der Meiler also gar.
Jetzt konnte der Köhler die Erdschicht abdecken. Heraus kam das gleiche Holz, nur jetzt ganz schwarz und mit vielen Sprüngen. Etwa 20 Prozent des ursprünglichen Gewichts war übrig geblieben. Die Holzkohle wurde sofort in die Papiersäcke gefüllt und verkauft.
In manchen Gegenden werden alljährlich von Fremdenverkehrsverbänden Kohlenmeiler angelegt, um Naturfreunden und Touristen Einblick in dieses aussterbende Handwerk zu geben.

Langsam brennt im Innern des Meilers das Holz zur Kohle; nur wenig Rauch darf entweichen.
Während der Meiler brennt, muß der Köhler immer bei ihm sein
Auch heute gibt es noch Köhler