
Kinder- und Jugendparlament
Zweieinhalb Jahre nach der Wahl: Fazit fällt bescheiden aus
(Von Simon Ziegler, CZ, 9.2.2009)
Mit großen Hoffnungen wurde im Herbst 2006 das Wietzer Jugendparlament gewählt, das erste und einzige seiner Art im Landkreis Celle.
In diesem Jahr müsste wieder gewählt werden. Ob es dazu kommt, ist aber ungewiss. Besonders erfolgreich war das Parlament nämlich nicht. „Wir hätten mehr machen können“, räumt die Vorsitzende Ani Bede ein.
WIETZE. Die Politikverdrossenheit wächst, die Wahlbeteiligung der Bevölkerung geht kontinuierlich zurück, ganze
Bevölkerungsgruppen fühlen sich von Politikern nicht angesprochen - und oftmals wendet sich die Jugend ab. Da war es in Wietze eine ziemlich gute Idee, die Heranwachsenden mit ins Boot zu holen. Anfang Oktober 2006 wurden elf Teenager für drei Jahre ins Kinder- und Jugendparlament der Gemeinde gewählt.
Zweieinhalb Jahre später ist von der Anfangseuphorie wenig übrig geblieben. Die letzte Sitzung liegt viele Monate zurück. Es kam vor, dass nur fünf der elf Mitglieder bei Sitzungen anwesend waren. „Wir haben uns alle bemüht”, sagt die Vorsitzende des Parlaments, Ani Bede. Durch Schule und Ausbildung der Nachwuchs-Politiker hätte es aber immer wieder Zeitprobleme gegeben, sagt die 19-Jährige.
An Zielen fehlte es nicht. Die Jugendlichen wollten einen Fußballplatz, auf dem sie auch tagsüber spielen können. Sie
wollten eigene Ferienpass-Aktionen organisieren, Badewochen im Wietzer Freibbad zum Beispiel oder alkoholfreie Cocktails mixen. Daraus ist nichts geworden, aus unterschiedlichen Gründen. Mal fehlte das Geld, mal hatten die Jugendlichen keine Zeit. Allerdings haben die Jungparlamentarier im März 2007 den Jugendtreff renoviert, sogar über die grüne Farbe war damals demokratisch abgestimmt worden.
Wietzes Bürgermeister Wolfgang Klußmann, der das Projekt von Anfang an unterstützt hat, hat sich mehr versprochen. „Wir haben das Spielfeld bereitet, aber kaum jemand hat es genutzt.” Woran das fehlende Interesse
liegt, weiß auch er nicht genau. Vielleicht sei das Parlament mit elf Mitgliedern zu groß, möglicherweise sei auch
die Altersstruktur zu heterogen, vermutet der Wietzer Verwaltungschef.
Beerdigen will er das Projekt aber noch nicht. „Wir werden mit den Jugendlichen sprechen und auf das Parlament zurückblicken”, sagt Klußmann. In jedem Fall sei es gut, dass „wir es probiert haben”.
Das sieht auch Ani Bede so. Die politische Arbeit mit Gleichaltrigen mach Spaß, sagt die 19-Jährige, die eine Ausbildung zur Rechtsanwalt und Notarfachangestellten macht. „Ich finde Politik interessant. Alle müssen mitmachen, damit am Ende etwas Gutes dabei herauskommt.”
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Die politische Arbeit mit Gleichaltrigen macht Spaß”, sagt Ani Bede, die Vorsitzende des Wietzer Jugendparlaments. Politik ist aber auch ein mühsames Geschäft; diese Erfahrung haben die Jungparlamentarier inzwischen auch gemacht. Bild vergrößern |
Wietzer Politik beerdigt Jugendparlament
Ambitioniertes Projekt gescheitert
(Von Simon Ziegler, CZ, 27.11.2009)
Das Projekt „Kinder- und Jugendparlament in Wietze“ ist endgültig Geschichte. Am Mittwoch hat der Jugendausschuss der Gemeinde einstimmig für das Ende des Debattierklubs gestimmt. Die Bilanz fällt ernüchternd aus.
WIETZE. Es war eine schöne Idee, die aber in der Praxis gescheitert ist. Das Kinder- und Jugendparlament in Wietze, das Einzige seiner Art im Landkreis Celle, gibt es nicht mehr. Schon Ende Oktober lief die dreijährige Legislaturperiode aus, Neuwahlen hätten längst stattfinden müssen.
Doch dazu wird es nicht mehr kommen. Über alle Parteigrenzen haben die Wietzer Politiker erkannt, dass eine Zukunft des Gremiums keinen Sinn hat. Die letzte Sitzung der Nachwuchs-Politiker hat schon Mitte 2008 stattgefunden. Einstimmig fiel deshalb die Empfehlung des Fachausschusses in dieser Woche aus, die Satzung aufzuheben. Im Dezember wird der Gemeinderat den Schlussstrich ziehen.
Warum aber ist das ambitionierte Vorhaben gescheitert, Kindern und Jugendlichen eine Plattform für ihre Interessen zu bieten? Die Wietzer Jugendpflegerin Claudia Baumung glaubt nicht, dass es am fehlenden Engagement des Nachwuchses liegt. „Jugendparlamente können funktionieren. Für unsere Gemeinde war es aber die falsche Beteiligungsform“, sagt sie. Die Zusammensetzung des Gremiums sei so heterogen gewesen, dass keine gemeinsamen Ziele entwickelt werden konnten.
In Wietze denkt man jetzt über neue Formen der Jugendbeteiligung nach, so Nicole Jürgensen, Leiterin Bürgerdienste der Gemeinde. Im Ausschuss wurde diskutiert, künftig auf ehrenamtlicher Basis einen Jugendbeauftragten als Ansprechpartner zu installieren.
KOMMENTAR: Schade
(Von Simon Ziegler)
Es kann einen ratlos machen: Die Wietzer machen etwas gegen Politikverdrossenheit, gründen ein Teenagerparlament und wollen den Nachwuchs beteiligen. Aber: Die Jugend zieht kaum mit. Möglich auch, dass eine starke Hand gefehlt hat, die das Parlament unterstützt. Eine gute Idee war es trotzdem.









