
Schimeck und Janetzeck
Celler Ausbrecher gefaßt
Fingerabdrücke führten die Polizei auf die Spur von Schimeck und Janetzeck
(Hamburger Abendblatt, R. St. Celle, 18.08.1962)
Die beiden vor einer Woche nach einem Mordversuch an dem Justizwachtmeister Nowack aus dem Gerichtsgefängnis in Celle geflüchteten Schwerverbrecher Schiffskoch Alfred Janetzeck und Seemann Werner Schimeck sind gefaßt. Sie konnten am Freitagnachmittag nach einer fast 24stündigen Großfahndung unter dramatischen Umständen in einem Wald zwischen Hambühren und Wietze westlich von Celle festgenommen werden. Janetzeck wurde bei der Überrumpelung von Polizeihunden erheblich verletzt und Schimeck auf der Flucht durch vier von der Polizei abgefeuerte Schüsse getroffen.
Bei der von einem Hubschrauber aus geleiteten Fahndung waren 300 Beamte der niedersächsischen Bereitschaftspolizei, Spezialtrupps mit Spürhunden und 100 Soldaten der Bundeswehr eingesetzt. An der Jagd nach den Verbrechern, die nichts mehr zu verlieren hatten und verzweifelt ihrer Festnahme zu entgehen versuchten, beteiligten sich außerdem freiwillig mehrere hundert Bauern aus den Heidedörfern zwischen Celle und Wietze.
Auf die Spur der Ausbrecher, die sich inzwischen Zivilkleider und Fahrräder beschafft hatten, war die Landeskriminalpolizei am Donnerstag nach einem Einbruch in ein Lebensmittelgeschäft in Hambühren gekommen. Von Janetzeck stammende Fingerabdrücke verrieten, daß sich die beiden hier mit Lebensmitteln und Rauchwaren versorgt hatten. Mehrere Funkstreifen durchkämmten daraufhin unablässig das Heidegebiet, eine von ihnen sichtete am Donnerstagabend bei ovelgönne Janetzeck. Er entkam jedoch in ein schwer zugängliches Waldgelände.
Seit dem frühen Morgen war das Gebiet zwischen Hambühren und Wietze, in dem sich die Verbrecher vermutlich aufhielten, eingekreist. In der Nähe eines Kalksandsteinwerkes hatten sich beide ein Lager mit Vorräten eingerichtet. Janetzeck wurde von Polizeihunden gegen 15 Uhr unter einem Gebüsch aufgespürt. Die Hunde verbissen sich sofort in ihn und verhinderten jede Gegenwehr.
Schimeck, der sich kurz nach 17 Uhr in. dem versteckten Lager eingekreist sah, versuchte zu flüchten. Er ignorierte die Anrufe der Polizeibeamten und raste mit weiten Sprüngen davon.
Da in diesem Aufgenblick ein wolkenbruchartiger Regen einsetzte, der die Sicht auf nur wenige Meter beschränkte, gab ein Polizeibeamter auf den zu entkommen drohenden Flüchtling mehrere Schüsse ab, von denen vier trafen. Schimeck brach im Heidegelände zusammen. Seine Verletzungen sollen jedoch nicht lebensgefährlich sein.
Die Festnahme erfolgte noch nicht 30 Kilometer von Celle entfernt. Durch die ständige Verfolgung war es den Ausbrechern, wie sie zugaben, nicht möglich gewesen, aus der Umgebung von Celle zu entkommen und ihre Flucht nach Hamburg fortzusetzen. Sämtliche Wege, die sie zu benutzen versuchten, waren ständig von Funkstreifen befahren. Sie hatten daher beschlossen, sich so lange in ihrem Waldlager aufzuhalten, bis die Fahndung nach ihnen eingestellt wurde.
Der seit 1938 mit nur kurzen Unterbrechungen zumeist wegen Einbrüchen in Zuchthäusern und Gefängnissen befindliche Janetzeck, der nach Verbüßung einer fünfjährigen Zuchthausstrafe in Sicherungsverwahrung genommen werden sollte, wird sich wegen Mordversuchs, Gefangenenmeuterei und Einbruchdiebstahls vor Gericht zu -verantworten haben.
Der erst 18jährige Schimeck, der wegen Mordversuchs eine achtjährige Jugendstrafe verbüßte, wird wegen Gefangenenmeuterei und Einbruchdiebstahls erneut vor Gericht kommen.








