
Alte Bräuche zum Jahreswechsel
Magie und Prophetie zum Jahreswechsel
Geister-, Zauber- und Schicksalsglaube in früheren Silvesterbräuchen
(Brockhaus ThemenTexte, Verlag: Bibliographisches Institut und F.A. Brockhaus AG, Mannheim)
Der Jahreswechsel wurde seit alters als bedeutendes Ereignis mit einem Fest begangen, als Zeit der Erneuerung betrachtet und von rituellen und magischen Handlungen begleitet. Der Termin des Jahreswechsels hing vom jeweils geltenden Kalender ab. Im römischen Kalender wurde der Jahresanfang 153 v. Chr. vom 1. März auf den 1. Januar gelegt. Zwar wurde der von Julius Caesar 46 v. Chr. reformierte römische Kalender, der julianische Kalender, von der römischen Kirche größtenteils übernommen, nicht aber der Termin des Jahresanfangs. Dieser wechselte noch im Mittelalter mehrmals, kirchlicher und bürgerlicher Jahresanfang wichen voneinander ab. Erst Papst Innozenz XII. hat den 1. Januar als Neujahr anerkannt; außerdem hat er den 31. Dezember als Heiligentag des Papstes Silvester I. erklärt, der 355 an diesem Tag gestorben war. Seitdem wird der Tag und zumal der Abend vor Neujahr Silvester genannt.
Dämonische Wesen in den Zwölfnächten
Die Nächte um die Jahreswende, d. h. die Nächte vom 25./26. Dezember bis 5./6. Januar, wurden einst Zwölfnächte genannt. Sie waren durch vorchristliche Bräuche und abergläubische Vorstellungen geprägt und im Volksglauben besonders gefürchtet: In ihnen spukten angeblich dämonische Gestalten oder dubiose Wesen teils mit ungeheuren Geisterscharen herum, die alles mögliche Unglück bringen konnten, sofern man diverse Tabus verletzt oder sich nicht durch apotropäische Maßnahmen geschützt hatte. Neben der ersten und der letzten Zwölfnacht bildete die mittlere, eben die Nacht zum Neujahrstag, eine der Rau- oder Rauchnächte. Als Rauchnächte wurden sie deshalb bezeichnet, weil in ihnen einst Haus und Hof sowie Amtsgebäude mit Weihrauch eingeräuchert wurden, um böse Geister oder sonstige dämonische Gestalten zu vertreiben. Raunächte wurden sie deshalb genannt, weil in ihnen zu einer noch früheren Zeit die "Pelzer" umgingen, d. h. mit Pelzen und Tiermasken vermummte Gestalten, sei es um böse Geister zu vertreiben, sei es um furchtsame Menschen zu erschrecken. Das Adjektiv "rau" hatte nämlich eine ältere Nebenform mit der Bedeutung "haarig, pelzig"; das zusammengesetzte Substantiv "Raunacht" spielt demzufolge auf jene pelzigen Gestalten oder haarigen Scheingespenster an.
Auch andere dämonische Wesen wie der wilde Jäger mit seinem Geisterheer, Hexen und Drachen sollen in den Zwölfnächten umhergezogen sein. Außer durch Räucherwerk, Feuer und Licht versuchte man sie durch Schießen, Trommeln, Läuten, Pfeifen und Peitschenknallen oder anderen Lärm fern zu halten. - Erst später sollten Feuerwerk und Böllerschüsse Licht und Lärm erzeugen, auch wenn sie inzwischen einen anderen Zweck erfüllen.
Im südlichen Deutschland und nordöstlichen Alpenraum pflegte in den Zwölfnächten eine Gestalt namens Percht (anderenorts Frau Holle genannt) mit ihrer Geisterschar umherzuziehen und zu überprüfen, ob Haus und Hof in Ordnung gebracht sowie Speisen und Gaben für sie und ihr Gefolge bereitgestellt worden waren; widrigenfalls bestrafte sie die Bewohner mit Krankheiten oder Missbildungen. Percht konnte sich allerdings auch von ihrer guten Seite zeigen und selbst zumal den Kindern Geschenke mitbringen.
Umzüge maskierter Gestalten
Viele der gefürchteten dämonischen Gestalten, aber auch eher harmlose Figuren erschienen in der Neujahrsnacht jedenfalls in maskierter Form, indem sie lärmend durch die Straßen zogen, vor oder in die Häuser kamen, Neujahrsverse hersagten oder die Zukunft voraussagten und teils Gaben heischten, teil auch Geschenke mitbrachten. So zogen außer allerlei maskierten Dämonen und Hexen insbesondere Neujahrsböcke oder -schimmel um. Der Neujahrsbock oder -schimmel wurde meist von zwei vermummten Burschen gebildet, trieb bevorzugt mit Mädchen Schabernack, konnte aber auch mit einer Lebensrute schlagen, den Kindern Geschenke bringen oder Weissagungen machen.
In nördlichen Gegenden kam der Schimmelreiter mit einem Geisterpferd und einer Schar vermummter Burschen daher; er hatte etwa ein geschwärztes Gesicht, trug eine Pelzkappe mit einer Hahnenfeder und blies durch ein großes Kuhhorn, während seine Begleiter mit Peitschen knallten. Im schweizerischen Gebiet wurde die Schnabelgeiß als dunkle Teufelsgestalt von einem hellen Engelswesen durch das Dorf geführt - wohl als Mahnung, dass das Gute das Böse zügeln solle.
Vorzeichen und Voraussagen
In der Neujahrsnacht wurden allerhand Geschehnisse als Vorzeichen gedeutet oder Mittel für Voraussagen gebraucht. Insbesondere was Wetter und Ernte, Liebe und Heirat, Geburt und Tod angeht, wurde herauszufinden versucht, was das neue Jahr bringen wird. So zog man einen Kreis um sich oder suchte einen Kreuzweg auf, um aus den Geschehnissen oder Geräuschen auf die kommenden Verhältnisse und besonders auf das bevorstehende eigene Schicksal zu schließen. Und selbstverständlich nahm man an, dass der Traum der Neujahrsnacht in Erfüllung gehen wird.
Zu den Orakelbräuchen gehört neben dem Bleigießen das Schuhwerfen und das Glücksgreifen. Beim Schuhwerfen sollte die Lage eines über den Kopf geworfenen Schuhs in die Zukunft weisen. Zeigte etwa der Schuh eines Mädchens zur Haustür, so wurde dies als Vorzeichen des Auszugs aus dem Haus der Eltern bzw. des Eintritts in den Stand der Ehe gedeutet. Beim Glücksgreifen, das vor allem in Ostpreußen verbreitet war, wurde verschieden geformtes Neujahrsgebäck als Vorzeichen genommen. Mehrfach gebackene Figuren wie Frau, Mann, Ring, Kind, Schlüssel und Totenkopf wurden auf den Tisch gelegt, und man griff mit verbundenen Augen nach ihnen oder nahm die umgedrehten Tassen ab, mit denen sie verdeckt waren. Mehrmals gegriffene oder entdeckte Figuren sollten das Eintreffen des entsprechenden Ereignisses anzeigen.
Abwehr- Glücks- und Fruchtbarkeitszauber
Es genügte natürlich nicht, in die Zukunft zu blicken, sondern es ging in der Neujahrsnacht nicht zuletzt darum, das Schicksal dazu zu bringen, dass es sich von seiner guten Seite zeigt. Gerade um Mitternacht versuchte man, Unheil abzuwehren oder das Glück herbeizubeschwören. Jedenfalls galt es, den Neuanfang durch entsprechende Handlungen zum Ausdruck zu bringen.
So wurde das alte Jahr ausgeläutet oder ausgedroschen, das neue eingeläutet oder eingedroschen. Die Lichter in den Wirtshäusern wurden ausgelöscht und Schlag zwölf wieder angezündet. Beim Neujahrsläuten tranken die Tischgenossen aus einem Glas und warfen es dann aus dem Fenster. Die Daheimgebliebenen sprangen beim zwölften Glockenschlag von den Stühlen oder Tischen in das neue Jahr hinein. Mancherorts wurde eine als alte, hässliche Frau verkleidete Strohpuppe durch den Ort geführt, um Mitternacht im Fluss ertränkt, und ein hübsches Mädchen, zur Neujahrskönigin ernannt, wurde zurückgebracht.
Vom Anfang des neuen Jahres schloss man auf dessen weiteren Verlauf: War das Wetter am Neujahrstag mild, war das Jahr über gemäßigtes Wetter zu erwarten, war es stürmisch, stünde ein wechselhaftes Jahr bevor; war es kalt und heiter, erhoffte man sich Gesundheit, war es neblig und windig, befürchtete man Krankheit im kommenden Jahr. Wer am Neujahrstag Geld hatte, würde das ganze Jahr über Geld verfügen. Es galt deshalb, kein Geld auszugeben oder auszuleihen. Aber auch die Verhaltensweisen, die man an den Tag legte, würden sich das ganze Jahr fortsetzen. Deswegen sollte man darauf achten, früh aufzustehen, sich ordentlich anzuziehen und nicht hinzufallen; ratsam war es auch, guter Stimmung zu sein und keine unnötige Handarbeit zu verrichten.
Um die Fruchtbarkeit zu erhöhen, sollte man etwa Obstbäume schütteln, klopfen, beschenken oder sonst wie behandeln. Dem Vieh war besonderes Futter zu verabreichen. Um die eigene Gesundheit zu erhalten, wurde dringend empfohlen, Erbsensuppe zu essen. Möhren, Linsen, Weißkraut, Schuppenfische und Getreidekörner, insbesondere Hirse, sollten hingegen das Vermögen vermehren. Schweinefleisch und Sauerkraut versprachen dauerhaftes Glück, aber auch Brennnesselkuchen zu essen, sollte zum Vorteil gereichen. Bier sollte verjüngen, Gebäck das Jahr versüßen. Von Äpfeln jedoch sollte man absehen, sofern man sich keine Geschwülste zuziehen wollte.
Speisen, Gebäck und Getränke
Aus den erwähnten Gründen wurden als Silvesteressen zumindest auf dem Lande fette, körnerreiche und quellende Speisen zu sich genommen: Sie sollten nicht nur eine passable Grundlage für die alkoholischen Getränke schaffen, sondern vor allem für Gesundheit, Fruchtbarkeit und Reichtum im kommenden Jahr sorgen. In den Städten wurde in bürgerlichen Kreisen der Karpfen bevorzugt, dessen Schuppen bei sich getragen Glück und besonders Wohlstand gewährleisten sollten.
Als Neujahrsgebäck waren vor allem Gebildbrote verbreitet: Unter den organischen Formen waren besonders Schweine, Hirsche, Hasen oder Bäume beliebt, unter den geometrischen Formen Kränze oder Ringe. Gebildbrote wurden nicht nur verspeist und als Neujahrsgeschenke verwendet, sondern auch dem Vieh verabreicht, um ihm Gesundheit und Fruchtbarkeit zu verleihen. Überdies wurde das übrig gebliebene Gebäck getrocknet, zerkleinert und zur Saatzeit mit dem Samen vermischt auf den Feldern ausgestreut, um das Wachstum anzukurbeln.
Als Silvestergetränk konnten sich zunächst in den Städten Bowle, Punsch und Sekt durchsetzen. Bei Feiern im Familienkreis erfreut sich mittlerweile die Feuerzangenbowle großer Beliebtheit, zum Anstoßen auf das neue Jahr wird im Allgemeinen Sekt getrunken.
Neujahrswünsche und -gaben
Glückwünsche für das neue Jahr werden noch in der Neujahrsnacht oder am Neujahrstag ausgesprochen. Einst waren hierbei gewisse Regeln einzuhalten, damit die Wünsche ihre Wirkung nicht verfehlten oder gar ins Gegenteil umschlügen; und die Neujahrswünsche gingen mit abergläubischen Vorstellungen einher. Wenn etwa eine Frau einem Mann zuerst ein gutes neues Jahr wünschte, sollte dies ein Unglücksjahr zur Folge haben. Am Neujahrsmorgen war es in jedem Fall besser, einem Knaben oder Mann als erstem Glück Wünschenden zu begegnen, da dies Glück verhieß. Begegnete man dagegen zuerst einem weiblichen Wesen oder gar einer alten Frau, war Unglück zu befürchten. Bauern bedachten auch ihr Vieh mit Glückwünschen, die ihm wohl vor allem Gesundheit verleihen sollten.
Als Neujahrsgeschenke waren etwa Gebildbrote oder Geldmünzen verbreitet. Besonders die Buben dürften am Neujahrsmorgen für ihre Glückwünsche belohnt worden sein, und das "Neujahrsabgewinnen" war daher bei ihnen recht beliebt. Teilweise waren die Glückwünschgänge also regelrechte Heischegänge. So gingen im alemannischen Gebiet die Patenkinder zu ihren Paten, würgten sie gar und forderten mit einem Spruch ihre Gabe, die demgemäß "Helsete" genannt wurde.
Heute werden die Neujahrswünsche wie "Ein gutes Neues!" oder "Prosit Neujahr!" meist eher als Höflichkeitsfloskeln gebraucht. Übrigens besagt der Wunsch "Guter Rutsch!", mit dem man sich vorsorglich ein gutes Jahr zu wünschen pflegt, ursprünglich nicht, dass man gut ins neue Jahr hinüberrutschen, sondern dass man im guten Jahr gut anfangen möge; er beinhaltet nämlich das hebräische Wort "rosch", zurück, das "Kopf" oder "Anfang" bedeutet und über das Jiddische ("rojsch") ins Deutsche gelangt ist.
Hokuspokus zu Silvester
(von Frank Rosenbauer)
Auch die Silvesternacht gilt - wie der Heiligabend und die Dreikönigsnacht - als "heilige" Nacht. In dieser Nacht zwischenden Jahren ging es neben der Abwehr der bösen Geister durch Geknalle, Rummelpott, lärmende Umzüge vermummter Gestalten und später Feuerwerk, vor allem darum, das Dunkel des kommenden Jahres zu erhellen. Mittels Bleigießen versuchte man am Silvesterabend die Zukunft zu deuten.
Wie mit allen Festtagen, so verbinden sich auch mit dem Silvestertag Bräuche, Sitten und Aberglaube. So geht natürlich der Traum in der Silvesternacht - sofern man da überhaupt zum Träumen kommt - in Erfüllung. Ebenso soll es Fruchtbarkeit für den Garten gewährleisten, wenn der Bauer - oder in unserer Zeit der Hobbygärtner - in der Neujahrsnacht hinausgeht und seinen Obstbäumen ein gutes Jahr wünscht. Oft wurden die Obstbäume mit Stroh oder Strohseilen umwickelt, damit sie im kommenden Jahr reiche Frucht tragen sollten. Dabei war es wichtig, daß im Stroh noch volle Ähren waren: Fruchtbarkeit brachte Fruchtbarkeit. Wenn man den Obstbaum in der Silvesternacht rüttelte und schüttelte, so weckte man den Baumgeist, der in ihm wohnte, um ihn an seine Pflicht zu erinnern. Die Sitte, in der Silvesternacht durch die kahlen Bäume zu schießen, sollte wahrscheinlich dem gleichen Zweck dienen.
Pfennige bringen Glück
Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert - sagt eine alte Volksweisheit. Doch auch wer sich sonst nach einem auf der Erde liegenden Pfennig nicht bückt, sollte am Silvestertag eine Ausnahme machen. Warum ausgerechnet die Mini-Münze das große Glück bringen soll, erklären die Volkskundler so: Schon bei alten Kulturengalt das Allerkleinste als Quelle für Wachsen und Gedeihen, wie etwa aus einem Samenkorn ein Baum hervorgehen kann. Pfennige sind nützlich: Knopf-Firmen verstecken sie unter Stoff, die Industrie verwendet sie als Unterlegscheiben, Verlobte kaufen damit Brautschuhe. Optimisten legen sie zur Seite - und warten auf das Glück.
Das Glück im Blumentopf - millionenfachgezüchtet
Das Glück kann man züchten. Die Rede ist natürlich vom Klee mit den vier Blättern, der nach dem Volksglauben Glück bringen soll.
Grünes Glück
Wer in der Neujahrsnacht seine Obstbäume mit Stroh umwickelt, wird im nächsten Jahr möglicherweise bergeweise Früchte ernten. Pfeift der Wind zum Jahreswechsel durch die Beerensträucher, gibt es reichlich zu pflügen. So manchen läßt der Aberglaube seine Linsensuppe am Neujahrstag auslöffeln, damit das Kleingeld im neuen Jahr nie ausgeht. In weißen Rosen schlummert unerwartete Liebe für das kommende Jahr.
Besonders viel Glück versprichen die ursprünglich aus China und Japan stammenden Azaleen. In Europa wachsen und blühen sie als - bisher unbekanntes Glückssymbol - seit 200 Jahren. Glücksgefühle werden durch rabenschwarze Schornsteinfeger, goldene Hufeisen oder die rot-weiß getupften großen und kleinen Fliegenpilze und nicht zuletzt durch grüne Glückskleetöpfe aus den Vierlanden (Hamburg) verstärkt.
Das geheimnisvolle Kleeblatt stammt eigentlich aus Mexiko und beflügelt geheime Wünsche und Hoffnungen zum Jahreswechsel. Nur die vierblättrige Pflanze mit dem lateinischen Namen Oxalis deppei bringt das große Glück. Um die zarten herzförmigen vierblättrigen Kleeblätter ranken bereits seit dem Mittelalter allerlei Legenden und Geschichten. Im Kleeblatt läßt sich das Kreuz Christi erkennen, dieser wird als sichtbarer Schlüssel zum Wohlbefinden und Glücklichsein verstanden. Die vollendete Kreuzform des Glücksklee bannt Böses - wird behauptet. Das grüne Glück soll Überlegenheit im Spiel verleihen und vor Unglück schützen. Viel Zärtlichkeit versprechen frische Schmetterlingsblütler, die im neuen Jahr in Brautschuhe gelegt werden. Glücksgrün unterm Kopfkissen läßt sagenhaft Schönes träumen. Getrocknete Kleeblätter im Schulbuch versteckt, sichern bessere Noten.
Glücksache oder Glücksfall
- der Glaube an das Positive der besonderen Jahreswechsel-Pflanzen ist weit verbreitet. Das Glücksklee bevorzugt in den dunklen Wintertagen einen nicht zu warmen (+18°C), hellen Platz am Fenster. Zuviel Gießwasser schadet. Wer länger als nur eine Wintersaison Glück mit dem Klee haben möchte, sollte ihn nach den Eisheiligen (Mitte Mai) ins Freie pflanzen. Da die empfindlichen Zwiebelchen des Jahreswechsel-Glücksklees bereits bei fünf Minusgraden erfrieren, sollten der Topfklee vor Frosteinbruch unbedingt wärmer stehen, damit er genau zum Jahreswechsel das große Glück bringt. Ganz nach Wilhelm Busch: "Will das Glück nach seinem Sinn dir was Gutes schenken, sage Dank und nimm es hin, ohne viel Bedenken".
Das wünscht sich jeder: Glück und Zufriedenheit
Daß das Glück sichtbar ist, wissen nur wenige. Denn: Zum Glück gibt es Glückklee. Aus Mexiko stammt der vierblättrige Sauerklee mit dem lateinischen Namen Oxalis deppei. Meist wachsen vier Blattstiele mit vier zarten Blätter auf einem Stengel. Sie sehen herzförmig aus wie unser Klee auf dem Felde, sind aber nicht mit ihm verwandt. Die Zwiebeln des Jahreswechsel - Glücksklees erfrieren bereits bei fünf Minusgraden. Floristisch veredelt oder ganz natürlich, so wird die Pflanze gern zu Neujahr verschenkt. Mit dem vierblättrigen Kleeblatt verbanden die Menschen bereits seit dem Mittelalter allerlei Aberglauben.
Im vierblättrigen Klee kann man das Kreuz Christi sehen, einen sichtbaren Schlüssel zum Wohlbefinden. „Glücklichsein heißt nicht, das zu bekommen, was wir wollen, sondern das zu wollen, was wir haben." Das grüne Glück soll auch Vorteile beim Spiel verleihen, vor Schicksalsschlägen schützen und als unmißverständliches Liebesorakel dienen. Die grünen Schmetterlingsblütler sind Männern bei der Brautschau behilflich. Ahnungslosen Trägern verhelfe der grüne Oxalis tetraphylla und der braunherzige Oxalis deppei sogar zu Hellsichtigkeit und soll „sie" und „ihn" zu guten Schülern/innen machen, wenn sie Glücksklee im Ranzen haben. Der Glaube an die positive Ausstrahlung des vierblättrigen Pflänzchens ist weit verbreitet. Fünf- oder siebenblättrige Kleeblätter, die nur selten gefunden werden, gelten dagegen allgemein als unheilbringend. Kleeblätter bevorzugen in Räumen einen nicht zu warmen Platz auf dem Fensterbrett und gleichmäßige Feuchtigkeit.
Wer länger Glück haben möchte als nur eine Wintersaison, sollte die Pflanze nach den Eisheiligen (Mitte Mai) nach draußen pflanzen und vor Frosteinbruch wieder in Töpfe pflanzen. Von März bis April sollte man diesem Kleegewächs eine Ruhepause gönnen. Auch in Gärtnereien werden die kleinen Kleezwiebeln nach einer frostfreien Überwinterungsphase im Frühjahr ins Freiland gesetzt. Im Mai werden sie wieder als Vermehrer gesetzt. Diese Vermehrung ist im September beendet. Der Glücksklee wächst in in etwa zehn Wochen heran, damit er zum Jahreswechsel Glück bringen kann. Die jungen Pflanzen sind genügsam. Sie brauchen bei gezielter Licht- und Wasserversorgung eigentlich keinen Dünger. Nicht nur in Deutschland, auch in Amerika, Italien, Rumänien und Ungarn freuen sich die Menschen zum Jahreswechsel über die grünen Glücksbringer.
Silvester-Rituale
Wie zaubert man das Glücks fürs neue Jahr herbei? Unsere Vorfahren wussten es. Heutzutage praktizieren wir immer noch uralte magische Rituale an Silvester - ohne zu wissen, was eigentlich dahinter steckt. Nulltarif.de klärt auf!
Regel 1: Krach machen
Die goldenste Glücksregel zu Silvester! Ob Knaller oder Kracher, Raketen oder Böller - sie sollen böse Geister erschrecken und somit fernhalten. Unsere Vorfahren ließen zu diesem Zweck noch Peitschen knallen, mussten Schellen rasseln und herumtrommeln. Wir haben heute das Feuerwerk und lassen uns das magisch-schöne Ritual 60 Millionen Euro kosten (allein in Deutschland). Alternative zum Nulltarif: Ordentlich rumgrölen - und Musik bis zum Anschlag aufdrehen!
Regel 2: Zaubersprüche aufsagen
Das Gratis-Glückstool zu Silvester. "Prosit" sagen und "Guten Rutsch!" wünschen - das sind keine Floskeln, sondern da steckt mehr dahinter. "Prosit" kommt aus dem Lateinischen und bedeutet: "Es möge gelingen!" Und der "gute Rutsch" hat nichts mit "ins neue Jahr rutschen" zu tun, sondern kommt aus dem Jiddischen, von "Rosch" ("Anfang"). Man wünscht sich also einen guten Anfang, der gelingen möge - die Zauberformel zum Glück!
Regel 3: Beim Fischessen aufpassen
Die Bezeichnung "Silvester" kommt vom gleichnamigen Papst Silvester I. Dazu muss man zwei Dinge wissen. Erstens: Silvester starb an Silvester, am 31.12.335 - und er war dafür bekannt, dass Ungläubige in seiner Anwesenheit starben. Indem sie an Fischgräten erstickten. Also: Am Todestag von Silvester immer schön mit den Gräten aufpassen!
Regel 4: Schweine suchen
Schon den Germanen war der Eber heilig. Unsere Vorfahren verehrten das Schwein als Symbol der Fruchtbarkeit - und damit als Zeichen für Wohlstand und Reichtum. Wer viel(e) Schwein(e) hatte, galt den Griechen und Römern als privilegiert und gut situiert. Also: Glücksschweine aus Marzipan suchen und sofort zugreifen!
Regel 5: Himmelsboten vernaschen
Der Marienkäfer gilt als Himmelsbote. Er ist unterwegs im Auftrag der Mutter Gottes Maria - deshalb heißt er auch "Marien"-Käfer. Der kleine rote Flattermann beschützt Kinder und heilt Kranke, wenn er ihnen zufliegt. Also das Insekt niemals abschütteln oder gar umbringen - das bringt mächtig Unglück ..! Aufessen darf man ihn aber. Denn die Magie der Marienkäfer klappt angeblich auch mit Schokokäfern - da gilt: immer schön beherzt zubeißen!
Regel 6: Mit mexikanischem Gewächs das Glück konservieren
"Oxalis tetraphylla", der Glücksklee, diese büschelig wachsende Knollenstaude - sie stammt ursprünglich aus Mexiko. Trotzdem hat die "kleine Mexikanerin", wie Botanikfreaks sie zärtlich nennen, auch bei uns viele Anhänger. Damit das Glück nicht verwelkt, empfehlen Fachleute: Im Winter in ein helles und kühles Zimmer stellen - dann im Mai in den Garten pflanzen und vor Frostbeginn wieder zurück damit ins Haus, am besten in den Keller. Zudem gilt: Die Vierblättrige reichlich gießen und während der Blütezeit wöchentlich düngen. Dann hält das Glück für immer.
Regel 7: Bloß nicht arbeiten
Unsere Vorfahren waren sicher: Die Sonne ist auf einem Rad fixiert - das sich um die Erde dreht. An Silvester, zur Wintersonnenwende, da lassen die Götter dieses Rad stillstehen. Also bitteschön den Göttern Folge leisten und selbst auch alles stillstehen, stehen und liegen lassen! Besonders schlimm wäre Wäsche waschen. Das liegt an Wotan - dem Toten- und Sturmgott (auch zuständig für Krieg und Ekstase). Unsere Urahnen wussten, dass Wotan an Silvester mit seinem Teufelsheer durch die Nacht reitet. Allerdings ohne Nachtsichtgerät. Nun könnte es ja vorkommen, dass sich dieser wilde Trupp im Dunkeln in Wäscheleinen der Sterblichen verheddert - dann wäre wohl wahrlich die Hölle los ..! Und mit dem Glück wäre es schlagartig vorbei. Also: Die Götter nicht ärgern - dann klappt's auch mit dem neuen Jahr. Viel Glück!
CZ-Beitrag 2011 von Gisela Brix








