
Schützenfeste: vor und nach dem Krieg
Unsere Schützenfeste vor und nach dem Krieg...
(Von Helmut Speiel)
Auch vor dem krieg gab es schon Schießbuden, Verlosungen, Talamini-Eis oder von Domenico Galassi, der in der Kali-Kolonie wohnte. Der hatte ein DKW-Dreirad als Eiswagen, das nur selten richtig lief. Wir Jungs schoben es dann an, da war für jeden ein Eis zu 5 Pfg. „drin“. Die Würstchenbude machte meistens der alte Kaufmann Alpers vom Kronsweg. Der ließ auch mal 2 Würste platzen, die kriegten wir Jungs. So ein alter Würstchenkessel mit 2 Klappen steht noch bei uns. Franz Busch aus Neu-Wietze hatte ein Ket- tenkarussell mit einem Laufboden darüber. Wir Jungs schoben das Ding drei Touren und durften eine Tour fahren. Dann bekam er einen Dieselmotor und brauchte uns nicht mehr.
Zuckerbuden waren meist von Trumpf oder Rosenstedt aus Celle. Alle Kinder freuten sich das ganze Jahr auf das Schützenfest, sonst war ja auch nicht viel los.
Die Zelte holten und bau ten die Schützenbrüder in Eigenleistung auf. Die LKW`s stellten die Firmen Lohmann, Rahte, Eschemann, Wiebe und Anhalt. Nach dem Abladen wurde in unserer Wirtschaft immer ein gemütliches Zusammensein gepflegt. Fa. Holzhausen stiftete immer das Mett und die Wurst für die Männer.
Das war schon immer ein kleines Fest vorweg.!
In den 30er Jahren kostete ein kleines Bier 0,1 l 10 Pfennig, es gab 11 für eine Mark! Im Gedächtnis blieb, dass es immer eine tolle Blasmusik gab mit etwa 6 -12 Mann.
Für die Kinder erinnere ich mich noch an Sackhüpfen, Schnellaufen mit einem Löffel, in dem ein Porzellan-Ei lag, Klettermast, Haut den Lukas und Kindertanz.
Nach der Wiedergründung des Vereins 1949 waren andere Schausteller da. der alte Paul Wünschmann, genannt „Zucker-Paule“ aus Breslau kam bis ins hohe Alter immer wieder nach Wietze.
In den Schießbuden von Trumpf lagen noch die uralten Luftgewehre. Damit wurde auch der Schützenkönig ausgeschossen, die Militärregierung hatte nichts anderes erlaubt. Kinderumzüge mit 4-500 Kin-dern waren ein tolles Bild.
Die Lehrer wie Alfred Drews, Gerhard Wiener und Herr Hellmich haben ein Herz für Kinder gezeigt und alles begleitet
Unvergessen auch die Waisenkinder, die aus Celle geholt wurden, so wie die Kinder aus dem „Himmelsthür“-Heim in Wietze, die einen sehr schönen Tag erleben durften.
So 1951 hatte Schneidermeister Albert Adomeit graue Schützenjacken an gefertigt. Dazu wurde ein grüner Schützenhut, weißes Hemd, grüne Kravatte und schwarze Hose getragen. Was sahen wir alle schneidig aus! Ein neues Vereinsabzeichen gab es auch.
Meinen alten Schützenhut habe ich aufgehoben, vielleicht der letzte. Für den Schützenkönig gab es Königsgeld. Das waren dicke Rollen mit Aluminiummünzen zu 10 Pfg., 20 Pfg., 50 Pfg. und 1 Mark.
Der Adjutant des Königs bekam diese Rollen ausgehändigt und bezahlte damit an der Theke. Die Rollen rechnete dann der Wirt mit dem Verein ab. Das war eine Absicherung des Vereins, dass der König sein Geld nur auf dem Zelt ausgeben sollte.
Mit den Jahren gab es eine Neuerung. Unser Kassierer Hermann Thies druckte eigenes richtiges Königsgeld mit 0,50 DM, 1,00 DM, 5,00 DM als Scheine, weil die Preise gestiegen waren und es schon einige Hundert Mark für den König gab.
Aufgehoben habe ich noch das alte Rollengeld in einer Zigarrenkiste.
Die Schaustellerfamilien Ahrend und Duchert hielten Einzug auf dem Schützenplatz mit größeren Fahrgeschäften
und Schmalzbäckerei, Autoscooter und Berg- und Talbahn waren Trumpf. Eine Preisliste aus den 50er Jahren liegt noch bei mir. Ein kleines Glas Bier 0,1 l kostete 0,20 DM.
Da ich nach meiner Mutter seit 1955 Festwirt bis 1973 war, hatte ich mir immer gewünscht, einmal selber die Königswürde zu erringen. Das gelang mir 1977. Ein wunderschönes Königsjahr!
Man könnte noch so viele amüsante Stories aus der „guten alten Zeit“ erzählen. Vielleicht einander Mal...








