
SV Wietze-Steinförde: Schützenfest 1977/Königskutsche
Königskutsche
(Helmut Speiel erinnert sich an seine Zeit mit den Schützen)
Das Jahr 1977 sollte mein Königsjahr werden. Mit einem Teiler von 145 hatte ich den besten Schuss abgegeben.
Mit großem Hallo wurde ich auf die Theke im Schiesstand gehoben, stieß mir den Kopf, weil die Decke dort so niedrig ist. Man musste 100 Hände drücken und viele kleine Biere trinken.
Ohne Vorbereitung direkt zum Hauptkönigsschießen. Die 3 anderen Könige aus den Außendörfern waren mit ihren Schießmeistern und eigenen eingeschossenen Sportwaffen zur Stelle: Ein klarer Wettbewerbsnachteil für mich. Mein Mitbewerber aus Jeversen schoss 30 Ring, mein Ergebnis war 29 Ring. Zwei Königskutschen waren anespannt. In der ersten saßen das Hauptkönigspaar und meine Königin und ich. Im zweiten Wagen der Schwarze König und der Vizekönig Heinz Müller. Wir fuhren bei Müllers vor. Wir warteten, dass man uns die Wagentür öffnete. In dem Moment hörte ich ein starkes Zischen und Fauchen hinter mir. Ich drehte mich um und sah in ein Pferdegesicht mit gefletschten Zähnen. Das Pferd von der zweiten Kutsche hatte mir den Königskranz mit den Kronsbeeren einfach aus dem Nacken gefressen!
Dieses Gefühl kann ich einfach nicht vergessen. Was haben wir über diesen Fall gelacht.
Der anschließende Festball ist dann ein ganz toller Abend geworden. Wenn man dann als Königspaar auf die Theke gehoben wird, hat man einen fantastischen Überblick über das Königsvolk. Friedrich der Grosse hat einmal gesagt: Wenn du wissen willst, wie dein Volk über dich denkt, musst du ihm auf das Maul schauen. Das Volk zeigt dann einen etwas klagenden, traurigen Gesichtsausdruck. In dem Moment soll man eine typische Handbewegung zum Tresenpersonal schicken. Sofort hellen sich die Mienen auf: Das Volk hat Durst! Und den kann man nur mit Bier löschen. Kein König darf das außer Acht lassen!
Wenn ein Schützenbruder morgens zu seiner Frau sagt: „Heute werde ich König!“, sagt die Frau meistens: „Wenn du das machst, flüchte ich, du schaffst das sowieso nicht!“
Wenn es dann erreicht ist, die neue Königin die Nachricht erhält, ist von der Flucht keine Rede mehr. Das schönste Kleid heraus, unter der Wäsche war noch Extrageld für den Urlaub versteckt. Sie nimmt es an sich. Das neue Königspaar fällt sich stolz in die Arme!
Was hat sie für einen tüchtigen Kerl!
Mit einem Schlag ist sie die wichtigste Person im Verein geworden, die Königin! So wird es in den meisten Schützenfamilien gehen. Ich weiß, wovon ich spreche. Alles ist gar nicht so schlimm, ein wunderbares Jahr liegt vor Ihnen, meine Königinnen, kosten Sie es voll aus! Eine ganz frische neue Königin fragte mich einmal: „Was muss ich denn jetzt bloß tun?“ Ich antwortete: “Einfach cool bleiben, lächeln. Das andere ergibt sich ganz alleine“. Der Verein und die Nachbarn helfen sofort. Sie sind in diesem Moment der Mittelpunkt des ganzen Ortes“.
Wenn ein Schützenbruder mal spät abends nach Hause kommt, meine Damen, schimpfen Sie ihn bitte nicht aus. Er hat nach dem intensiven Schießtraining mit seinen Mitbewerbern auf den harten Stühlen im Schiesstand ein kaltes Bier mehr getrunken und versucht, herauszufinden, wie man eine „Klasse-Zehn“ erreicht, damit Sie, meine Damen, endlich mal die Würde einer Königin erleben können. Er hat es wirklich für Sie getan.








