Wissen Sie, dass früher gar mancher Wietze als seinen Wohn- bzw. Geburtsort angab und nicht ahnte, dass er ein waschechter Hornbosteler war? (mehr)

Schauburg-Lichtspiele

Das alte Saalgebäude auf dem Hof des "Schützenhofes" hat eine wechselvolle Geschichte: 1908 erbaut., es war Tanzsaal, Turnhalle, 1919 (!) schon Kino mit Stummfilm und Klavierspieler.

ca. 1950 ca. 1956

Von meiner Mutter erfuhr ich, dass im alten Tanzsaal, in dem heute die Kegelbahnanlage ist, im Jahre 1919 schon Kino-Vorführungen stattfanden. Das war Stummfilm. Ein Klavierspieler machte Begleitmusik, der Vorführer kam aus Schwarmstedt, so glaube ich. Man nannte das Wanderkino.
Danach hat Karl Bieneck aus Neu-Wietze die Sache in eigener Regie betrieben. Die transportable Kino-Maschine stand im Zuschauerraum.

Irgendwann kam der Tonfilm auch nach Wietze. Mein Großvater Heinrich Schuster stellte Karl Bieneck fest ein und betrieb das Kinogeschäft einige Jahre selbst.
Anfang der 30er Jahre pachtete Gustav Zeuner aus Winsen das Ganze, baute einen Vorführraum mit 2 Maschinen. Der Saal konnte nun universell genutzt werden: Die Schützen konnten feiern, die Turner der Deutschen Turnerschaft „DT“ nutzten alle Geräte, der Theaterverein Steinförde führte tolle Sachen auf. Das “Schwarze Brett“ des Vereins hab ich noch aufgehoben mit der Jugendstilschrift. Christel Merz war der Vorstand, Franz La-Deur der “Theaterfriseur". Wir Jungs waren heimliche Zaungäste.
Ganz rechts im Saal gab es noch eine einzelne Kegelbahn, eine willkommene Einnahmequelle als „Kegeljunge“ für uns.
Die 30er Jahre brachten auch Veranstaltungen der NSDAP. Da stand vor der Bühne immer die Hitler-Büste.
Viele große Hochzeiten hat der alte Saal gesehen.

1939 begann der Krieg. Alle „Tanz-Lustbarkeiten“, so nannte man das, waren verboten. Gustav Zeuner baute deshalb den Saal als festes Kino um. Ein nach hinten ansteigender Fußboden, feste Bestuhlung und eine neue Tonanlage wurden eingebaut. Längst hatte ich mich mit dem Vorführer Karl Bieneck angefreundet. So konnte ich auch von oben Filme sehen, die nicht für Jugendliche vorsehen waren.
Die Karten riss damals Heinrich Behrmann ab. Der füllte auch die kleinen Öllampen für die Notbeleuchtung an den Ausgängen. Ich stellte die Leuchten rein, weil Herr Behrmann nur 1,60 m groß war. Er fegte auch den Saal und befeuerte die 4 großen Öfen.

Nach dem Krieg war Kino fast die einzige Unterhaltungsmöglichkeit außer Radio. Die 340 Plätze waren fast immer voll. Indianerfilme, Winnetou, Pat und Patachon, Dick und Doof, Fuzzy, Musik-und Heimatfilme, die „Schlacht am blauen Berge.“
...Es war manchmal so interessant, dass mancher Jugendliche in die Hose gep..... hat, um ja nichts zu verpassen!
Der Sohn von Gustav Zeuner brachte neuen Schwung ins Geschäft. Zu dem Kino in Winsen kamen Unterlüß und Bergen dazu. Die hießen alle „Schauburg“. Aber das Fernsehen eroberte die Wohnzimmer, das „Puschen-Kino“! Das 2. Programm kam, danach das Farbfernsehen. Das war für die Kinos gar nicht gut.

1963 verunglückte Gustav Zeuner tödlich, er war gegen einen unbeleuchteten englischen Panzer gefahren. Die Witwe, Frau Ursel Zeuner, fragte uns, ob wir nicht weitermachen wollten. Nach kurzer Bedenkzeit haben wir eingewilligt.
Frau Z. wählte dann die „Film-Staffel“ aus, die dann in den 4 Kinos liefen. Wir haben dann bis Ende 1967 durch gespielt und dann den Betrieb eingestellt, das Kino-Sterben hatte begonnen.

Der Raum stand dann bis 1973 leer. Wir haben dann die Kegelbahnanlage da rein gebaut. Einige Teile habe ich noch dem Kinematographischen Museum in Vollbüttel bei Gifhorn zu Verfügung gestellt. So alte Kinotechnik kann da noch besichtigt werden. Das Museum ist Sonntags-Nachmittags geöffnet ab April wieder.
Tel. 05373-1238 OT. Ribbesbüttel, Raiffeisenstr. 11.
Herr Schade-Didschiess, ein Mann, der mit Herzblut an der Sache „hängt“, hat hier was Tolles zusammen getragen.
So ist unsere „Kino-Story“ zu Ende gegangen.

Helmut Speiel