Speiel und die Mittelschulzeit

Helmut Speiel erinnert sich an seine Schulzeit

Aus der Mittelschulzeit 1939

Im zweiten Schuljahr gab es ein Angebot, mit einem richtigen Flugzeug über Celle zu fliegen. Der Preis war ganze 5,- Reichsmark. Meine Mutter konnte mir nicht helfen. Sie sagte, geh in den Wald. Bickbeeren und Kronsbeeren sammeln und verkaufen, dann kommt das schon zusammen.
Ich hab mir das tatsächlich aus dem Wald geholt. Stolz kaufte ich mir mein erstes Flugticket. Irgendwie wurden wir Schüler zum Flugplatz Wietzenbruch gefahren. Die ganze Schule flog wohl an dem Tage mit.

Endlich waren wir dran. Eine Junkers W 34, einmotorig, sie sah fast so aus wie die Ju 52 mit der Wellblechhaut. Die Typen kannten wir Jungs natürlich ganz genau. Anschnallen, der Motor heulte auf und nach kurzem Anlauf waren wir 8 Schüler in der Luft. Ein tolles Gefühl, wie unter uns die Erde immer kleiner wurde. Vorher hab ich den Stadtplan von Celle genau studiert, um zu wissen, wo man genau ist. Ich sah das Zuchthaus. Auf dem Hofe gingen die Gefangenen im Kreis links herum, die Hände auf dem Rücken. Schauerlich. Das Schloss, das Museum, die Stadtkirche,
alles „spielzeugklein“ rutschte das unter uns durch. Unsere alte Mittelschule am Heiligen Kreuz nicht zu vergessen.

Die „Kiste“ lag so wunderschön ruhig, dass nicht eine Spur von Angst aufkam. Das hätte noch Stunden weiter gehen können. Gern hätte ich gesehen, wenn der Soldat, der Pilot auch noch nach Wietze gebrummt wäre. Dazu fehlte wohl der Befehl. Wir sahen noch sehr viele Sehenswürdigkeiten von Celle. Dann waren die 15 Minuten auch schon herum. Eine steile Rechtskurve mit stark geneigter Fläche, der Landeanflug begann. Es rumpelte etwas beim Aufsetzen und schon hatten wir wieder festen Boden unter uns. Wir fühlten uns als richtige „Helden“. Unser Klassenlehrer Herr Wilhelm Hiete war nicht mit geflogen. Doch davon später mehr. Wir waren total begeistert.

Was wir nicht ahnten, kam einen Tag später: Ein Aufsatz sollte geschrieben werden. Thema: „ICH FLIEGE“. Für mich war das ein schönes Thema. Das war eine glatte Eins.
Den lustigsten Beitrag lieferte mein Schulkollege Herbert Lins aus Wathlingen. Das las sich dann ungefähr so:“Unsere ganze Klasse ist mit geflogen, nur unser Klassenlehrer Herr Hiete nicht, weil der hatte „Schiss“!

Die schlechte Zensur bekam er nur, weil er das grammatisch nicht richtig gemacht hatte. Er war natürlich der „Star“ der Klasse.
Der Flug aber ist bei unauslöschlich schön im Gedächtnis geblieben.

Mittelschule ca. 1941

Unser Englisch-Lehrer Herr Dr. Bertram war ein sehr gestrenger Mann. Er begrüßte uns jeden Morgen mit dem obligaten Hitler-Gruss. In der ersten Bank saßen Jochen Müske und Jürgen Willers, beide aus Celle. Bei der Begrüßung fing der Jochen an zu lachen. Dr. Bertram ging vom Deutschen Gruss direkt von oben zu einer sehr kräftigen Ohrfeige über. Jochen rutschte direkt unter die Bank. Auf die Frage:“ Warum hast du so dreckig gelacht?“ antwortete Jochen wahrheitsgemäß: „Herr Doktor, sie kommen jetzt schon 14 Tage mit dieser Jacke herein, und da ist unter Ihrer Achselhöhle die ganze Naht aufgeplatzt.“
Ein Riesenbeifall für Jochen und noch eine volle Ohrfeige für den Unglücklichen waren die Folgen. Am nächsten Tag war die Jacke repariert.

Eine andere Story aus der Klasse.
Rudi Habermann hatte einen aus der Klasse verpetzt. Wir haben ihn zusammengefaltet in den hölzernen Papierkorb gesetzt. Aber Dr. Bertram war so schnell reingekommen, dass wir ihn nicht mehr befreien konnten. Auf die Frage, warum der da drinsitzt, kam keine Antwort. Auch Rudi hat nichts gesagt.

Keiner mochte den gestrengen Doktor.
Ich hatte mal eine Stunde Englisch geschwänzt, weil ich meine Hausaufgaben nicht gemacht hatte. In der Pause schlich ich mich in die Klasse. Meine Büchertasche war weg. Rudi hatte mich verpetzt. Die Tasche hatte der Lehrer holen lassen. Ich musste mich im Lehrerzimmer melden. Ohne ein Wort
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wurde eingezogen und der Herr Rieling übernahm den Englischunterricht. Mit ihm nahm der Unterricht wieder „normale“ Form an.