Wissen Sie, dass einige Hornbosteler Schulkinder früher einen erheblich kürzeren Schulweg hatten - die Schule lag dort, wo heute die ev. Kirche steht - als beispielsweise die Kinder unserer Wietzer Bauern? (mehr)

Wieckenberg: Scheiben-Schießen und andere Volksfeste

Über das Scheiben-Schießen und andere Volksfeste in unserem Allertal

Historisches
(Von Bs., 28.10.1927, Auszug aus der Wieckenberger Schulchronik)

Wie in unserem Dorfe, so haben sich in fast allen übrigen Heidedörfern mit Ausnahme von Wietze-Steinförde, Hornbostel und Winsen die drei aus alter Zeit überlieferten Festlichkeiten erhalten. Dazu gehören das Schützenfest (Schiebenbeier), das Erntefest (Erntebeier) und der Winterball (Winterbeier). Sie verteilen sich auf den Sommer, den Herbst und den Winter.
Unter diesen Festlichkeiten in Wieckenberg nahm das Schützenfest wohl seit ältester Zeit die erste Stelle ein. Ehe die Gastwirtschaft Plesse ausbaute, fand das Fest auf einer der großen Bauerndielen statt und dauerte immer 2 Tage.

Schon im 18. Jahrhundert wird in unseren Akten das Scheibenschießen erwähnt:
„Hochgebohrner Gnädiger Hochgebietender Herr, Euer Excellenz geruhen gnädigst deroselbe in Unterthänigkeit vorzutragen. Weil das Scheibenschießen vorm Jahre wieder erlaubet, damit ein jeder Hauswirth sich aus tüchtiges Gewehr schicken könnte. Weil aber unter uns Hausleuthen große Armut und nicht soviel Geldt haben, das wir einsetzen und darumb schießen können, ist also kein Gewinst dabei zu machen, wollten derwegen Euer Hochgebohren Excellenz hierdurch herzlich ersuchet und gebethen haben, uns die Hohe Gnade zu erzeigen und verwilligen, das uns von des Allergnädigsten Königs wegen alljährlich auf hiesigem Königl. Ambte etwas Geldt zum einsetzen des schießens gegeben würde, wenn solches geschehe, würde ein jeder sich ein tüchtiges gewehr anschaffen, welcheß im Fall der Noht zu gebrauchen stünde, wir getrösten uns gnädigster Erhörung, in welchem vertrauen wir denn auch seine Eurer Hochgebohrenen Excellenz unterthänigsten Knechte.
Sämtliche Hauswirthe im Köngl. Ambts Voigtey Winsen a./Aller.”

Unter dem 28. Juni 1743 kam folgende Antwort:
„Auf das von den Eingesessenen der Ambtsvoigtey Winsen übergebene Memorial und darin enthaltenes Gesuch, dass Ihnen in Anordnung eines Scheiben-Schießens jährlich etwas Geld genehmigt werden möge, wird damit zur Resolution erteilet, dass solchem Gesuche nicht deferiert werden könne, und es in der Süpplikanten Willkühr beruhe, ob selbige dergleichen Scheiben-Schießen halten wollen oder nicht.“

Wir dürfen wohl fest davon überzeugt sein, dass ein Scheiben-Schießen trotzdem gehalten wurde. Doch wäre es sicherlich fein gewesen, wenn auf solche Weise jeder zu einem Gewehr gekommen wäre. Solche Ansprüche werden heute nicht einmal gestellt.
Nun, aus dem ganzen Schriftstück geht wohl zur Genüge hervor, dass man dem Scheiben-Schießen damals eine ganz besondere Bedeutung beimaß. Es sollte die Einwohner in Ermangelung des Militärs im Schießen ausbilden. So wären ja dann auch die Gewehre im Falle der Not gut zu gebrauchen gewesen. Aber wie heute der Staat, muss wohl damals selbst der König knapp bei Kasse gewesen sein.

Erst in neuerer Zeit hat das Schützenwesen gerade in unseren Dörfern ein besonderes Gepräge bekommen. Durch den Zuzug der vielen Fremden waren geschlossene Tanzvergnügungen nötig, und zu diesem Zwecke musste nun ein Verein gegründet werden - der Schützenverein. Darüber sagt das Protokoll:
„Schon lange war es hier in Wieckenberg der Wunsch vieler, einen Verein zu gründen, doch keiner war da, der die Sache mit Ernst in die Hand nehmen wollte, zumal ein im Jahr 1889 sich bildender Gesangverein schon nach einigen Wochen in sein früheres „Nichts“ zurückfiel....

Nun geschah es, dass das Landratsamt in Celle infolge der vielen Schlägereien, die herbeigeführt wurden durch den großen Fremden-Zuzug, den die mächtig aufblühende Erdölindustrie in Wietze verursachte, öffentliche Tanzereien für einige Zeit des Jahres 1905 verbot.
Obwohl dieses Verbot nachher wieder zurückgezogen wurde und hier in Wieckenberg im Febr. 1906 wieder ein öffentliches Tanzen stattfand, sah man doch ein, dass es bei dem sich immer mehr steigernden Fremdenverkehr ohne eine geschlossene Gesellschaft nicht weitergehen konnte.

Infolge eines Aufrufs fand am 24. Februar 1906 im Plesseschen Gasthaus eine Versammlung statt, deren Zweck war, über Gründung eines Schützenvereins zu sprechen und zu beschließen (mehr).

In der Generalversammlung am 08. Mai 1906 waren 31 Mitglieder vorhanden. Heute (1927) zählt er etwa 65 Mitglieder.
Mit der Gründung des Vereins war auch die Plessesche Diele nicht mehr groß genug, so dass nun zu dem Schützenfeste und dem Ernteball immer ein großes Zelt herbeigeschafft wurde. Das erste Fest im größeren Umfange war die Fahnenweihe am 25. Mai 1911. In der Kriegszeit 1914-18 ruhte das Leben dieses Vereins bis auf einige Spenden, die er seinen Mitgliedern ins Feld schickt.

Um so reger gestaltete sich dann das Leben wieder gleich nach dem Kriege. Alles Volk schien ja einem Schwindel verfallen zu sein. Diesem Zuge folgend wurde dann auch in Wieckenberg am 21/22. Juli 1919 bereits ein Schützenfest unter den Schuleichen gefeiert, wie es Wieckenberg selbst in Friedenszeiten wohl kaum erlebt hatte. Es waren tolle Zeiten. Doch bald nahm auch hier das Fest wieder seine alten Formen an.

Bald tauchte dann im Verein der Plan auf, eine eigene Schützenhalle zu bauen. Große Schwierigkeiten bereitete immer der Her- und Abtransport des Tanzzeltes. Da wurde im Frühjahr 1925 die Gefangenenbaracken in Scheuen verkauft.
Unterm 28.06.25 kam dann der Schützenverein zum ersten Mal zusammen und verhandelte über den Kauf einer solchen Baracke im Preis von 1.200 - 1.600 Mark. Durch eine zirkulierende Liste wurde dann bis zum 30.06. festgestellt, dass von 70 Mitgliedern 55 für die Anschaffung einer Baracke waren. Ein erweiterter Ausschuss übernimmt die nochmalige Besichtigung und erwirbt die Baracke im Wert von 1.580 Mark.
Der Platz wurde von Hofbesitzer Thies bis zum Jahre 1950 gepachtet. Von Mitte August bis 11. Okt. begann nun für die Vereinsmitglieder eine arbeitsreiche Zeit. Die Mitglieder, die keine Gespanne hatten, mussten bei den Abbruch- und Aufbauarbeiten zugreifen, während die übrigen das Herfahren besorgen mussten. Hier hat sich wirklich im gemeinsamen Ziel eine brave Einigkeit des Vereins gezeigt, denn nur so war es möglich, in einem einzigen Monat unsere Schützenhalle an seinen heutigen Platz zu bringen.
Die Gesamtkosten betrugen 4.680 Mark. Diese Summe wird dem Verein noch einige Kopfschmerzen bereiten, doch ist mit dem Saal für das Dorf zugleich ein Raum geschaffen worden, der ihm die Möglichkeit gibt, Familien- wie auch Schulfeierlichkeiten dort abhalten zu können. Der Saal erhielt die Bezeichnung „Schützenhalle“ des Schützenvereins Wieckenberg.

Am 11. Oktober 1925 fand die Saaleinweihung statt. Die Festrede hielt Lehrer Pape, der den Erschienenen den Wandel alles Irdischen vor die Augen stellte. Auf einsamer Heide war der Baum gewachsen, der seine Bretter hergeben sollte zu einem Bau, bestimmt für Menschen, die auf fremder Erde in schlimmster Kriegszeit gefangen gehalten wurden. Manche Träne mag darauf geflossen sein. Und nun? Dieselben Bretter zur Lust und Fröhlichkeit bestimmt? Eine Mahnung schloß sich daran: Bei allen unseren Feierlichkeiten zu gedenken, dass sie zur Erholung und Abwechslung des Alltags dienen sollten, und dass doch möglichst neben der Freude auch ernste Arbeit die Gemeinde in diesem Raum versammeln möge.

An dieser Stelle sei zugleich erwähnt der „Schützenbund Allertal“, vereinigte Schützenvereine des ehemaligen Kirchspiels Winsen/Aller.