
Gastwirt Carl Bach
Gastwirt Carl Bach (Ovelgönne)
Helmut Speiel erinnert sich an Menschen aus seinem UmfeldCarl Bach war in den 50er Jahren der Wirt der Gaststätte "Heide-Blüte" im Nachbarort Ovelgönne. Als ich mich entschlossen hatte, in Wietze die elterliche Wirtschaft weiter zu führen, hatte ich Carl mit "C" bei einer
Gaststättenhauptversammlung kennen gelernt: Ein lustiges Haus, dachte ich mir. Wir trafen uns bei der Gilde-Brauerei in Hannover wieder. Er so wie ich hatten Umbauten vor, da sprach man mit der Brauerei. Er sagte zu mir, wenn wir fertig sind, machen wir noch einen kleinen Bummel durch die Altstadt. Ich sagte zu, ich kannte mich einigermaßen aus. Wir landeten in der Münzstraße bei Max Walloschke. Der war ein berühmter Freistilringer aus Hannover. Carl bekam sofort einen Tisch für uns beide, der Laden war proppenvoll.
Carl war in seinem Element. Er sagte zu mir: "Guck dir mal die 6 Figuren da an, die sehen so blass aus. Die müssen erst mal nen Doornkaat und ein Bier trinken". Die waren natürlich hocherfreut. So ging das weiter, wir tranken natürlich immer mit. Er fand immer neue bedürftige Seelen, denen er Gutes tun wollte. Ich merkte, dass das mit den Getränken zuviel wurde und wollte meinen letzten Zug noch erreichen. Da hatte "Carl" eine tolle Idee: "Helmut du bist mein Freund. Weißt du was, wir teilen uns den ganzen Spaß".
Ich bin tatsächlich drauf reingefallen und zahlte die Hälfte von Carls Rechnung. Ich ging nun zu Fuß zum Bahnhof und fand ihn nicht mehr. Eigentlich ganz einfach. Von der Münzstraße geradeaus zur Schillerstraße zum Bahnhof. An der Lavesstraße bin ich gelandet, fragte jemand, erreichte dann noch meinen letzten Zug nach Celle.
Am nächsten Tag überlegte ich, wie ich dem "Carl" das mal recht machen könnte.
Unser Schützenverein, dessen Vereinswirt ich war, hatte den Wunsch einmal zu erleben, wie in Hannover Bier gebraut wird. Wir organisierten einen Bus für 50 durstige Seelen.
Unser Spielmannszug war komplett dabei. Ein paar Begrüßungsmärsche auf dem Brauereihof machten bei den Brauereileuten großen Eindruck. Wir bekamen einen sehr ausführlichen Besucherrundgang. Besonders interessierte uns, wie intensiv die Brauer das Bier immer wieder probierten und abschmeckten, damit es in keiner Phase einen Fehler bekäme. Da waren Kupferwannen, in denen das Bier gewärmt wurde: Kein Brauer trinkt kaltes Bier. Denen schmeckte es, wir bewunderten die Rundbäuche, das seien Brauereigeschwüre wurden wir belehrt. Wir wurden immer durstiger. Nachdem wir die Fass-Füll-Anlage gesehen hatten, ging es in den "Schalander". Das ist ein größerer Raum für Besucher. Da stand jeden eine Halbliterflasche Bier, die war aber so warm, wie es die Brauer trinken. Wir hatten gewaltigen Durst.
Es wurde immer Nachschub gereicht, dazu Mettbrötchen. Die Stimmung gedieh prächtig. Zu dem hatten wir zwei Klasse-Unterhaltungsleute, die uns mit tollen Witzen einfach zuschütteten. Nach dem obligaten Eintrag ins Gästebuch kam der Abschied. Ich bat unseren Busfahrer, in der Herschelstraße noch einen Stop einzulegen.
Dort hatte mein Freund "Carl" mit "C" ein Lokal, das hieß "Zur Bachstelze".
Ich ging allein zu ihm hinein und fragte "Carl, ich hab da draußen noch ein paar Freunde. Können wir bei dir noch ein schönes Bier trinken?"
"Helmut, du bist mein Freund. Alle reinkommen.!"
Auf meinen Wink nahm Helmut Busse seinen Tambourstab und wir sind mit 50 Mann mit klingendem Spiel in sein kleines Lokal marschiert bis in die Toiletten. Die anwesenden "Damen" riefen um Hilfe, Carl war hilflos.
"Du verfluchter Hund, das hättest du mir doch sagen müssen."
Es ist aber wunderbar verlaufen, Schützenbrüder machen keinen Ärger. Ich glaube, er hat doch begriffen, dass das eine Retourkutsche für den Husarenstreich aus der Münzstraße war. Wir sind gute Freunde geblieben.








