
Hallen- und Freibad: Probleme 2003/März
Gemeinde Wietze praktisch pleite: Notwendige Reparaturen können nur scheibchenweise erfolgen
(von Jan Klugkist, CZ, 7.2.2003)
„Fällt lebenswichtige Anlage des Bades aus, können wir den Laden dicht machen”
Die Lage ist ernst, aber nicht absolut hoffnungslos. Im Klartext: Das Hallen- und Freibad in Wietze steht mittelfristig zur Disposition. Der Vorsitzende des Fördervereins Schwimmbad Wietze, Hans-Hermann Pape, und sein Stellvertreter Christoph Bartsch kämpfen mit dem Rücken zur Wand. Prinzip Hoffnung ist angesagt.
Wie lange die Kinder noch im Wietzer Hallenbad plantschen können, ist angesichts der leeren Gemeindekasse offen.
175 000 Euro sollen in diesem Jahr von der Gemeinde für den Betrieb bereit gestellt werden. Nur: Die Gemeinde ist praktisch pleite. Vereins-Kassenwart Wolfgang Klußmann meint denn auch unverblümt: „Wäre die Gemeinde ein Wirtschaftsbetrieb, hätte Insolvenz angemeldet werden müssen.”
Das könnte Konsequenzen haben. Sollte die kommunale Aufsichtsbehörde, sprich der Landkreis, Nein zur Förderung des Bades sagen, steht die Schließung ins IIaus. Aber das ist noch nicht alles. Dringende Renovierungsarbeitenstehen an. Das Dach ist undicht. Die geschätzten Kosten bewegen sich locker im fünfstelligen Euro-Bereich. Die Renovierung soll noch in diesem Jahr passieren.
Die für den Unterhalt des Bades lebensnotwendige Wärmerückgewinnungsanlage pfeift, so Pape, aus dem letzten Loch. „Wenn sie ausfällt, können wir den Laden dicht machen”, meint er. 145 000 Euro sind schätzungsweise erforderlich, um die Anlage wieder auf Vordermann zu bringen.
Das ist für das kommende Jahr geplant. „Es geht eben nur scheibchenweise”, sagt Bartsch. Noch steht der Rat mehrheitlich hinter dem Bad. Aber die Front scheint zu bröckeln. „Die SPD will wohl nicht mehr”, resigniert der Vorsitzende.
Auch auf die Bevölkerung will er sich nicht unbedingt verlassen. Eine Fragebogen-Aktion hat zwar stattgefunden, und bei dem Rücklauf war die überwältigende Mehrheit für die Erhaltung des Bades.
Aber: „Die Beteiligung an der Aktion war sehr gering. Und nun kann man die Zahlen so oder so interpretieren. Die Badgegner führen an, dass diejenigen, die sich nicht beteiligt haben, zu den Nein-Sagern gehören”.
Pape folgert: „Da muss erst einer das Licht ausmachen und mit dem Schlüssel vor der Tür stehen. Dann werden die Bürger hoffentlich endlich wach”.
Auch die Mitarbeit im Förderverein ist nicht so, wie sich das der Vorsitzende vorstellt.
„Es gibt zu wenig Aktive. Die Arbeit bleibt bei Einzelnen hängen. Die werden immer älter. Und denen wird gesagt, dass sie ihren Job gut machen und ruhig weiter am Ball bleiben sollen. So geht das aber nicht. Wir sind nicht einmal in der Lage, eine größere Veranstaltung auf die Beine zu stellen, deren Erlös dem Schwimmbad zugute kommt.”
Ein Phänomen, das Pape auch aus anderen Vereinen kennt.
Auf der Sitzung des Sport- und Freizeitausschusses am 11. Februar will Pape Bericht über die Arbeit des Vereins erstatten. Fast schon symbolisch: Dieser Tagesordnungspunkt steht an letzter Stelle. Davor ist die Beratung und Beschlussfassung, als Empfehlung an den Verwaltungsausschuss, über zusätzliche Ehrengaben für die zu ehrenende Mannschaften und Einzelsportlerinnen bei der Sportlerehrung angesetzt.








