
Speiel: Der Grundschein
Der Grundschein
(Helmut Speiel erinnert sich an seine Schulzeit)Zu meinem Erstaunen wurde ich im Unterricht immer besser, Herr Arnold Meyer sagte, du könntest eine weiterführende Schule besuchen. Er war ziemlich neu im Schuldienst und wollte mich zur Mittelschule vorbereiten. Das hat dann auch funktioniert. Die Aufnahmeprüfung schaffte ich leicht.
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Als Halbweise bekam ich die Monatskarte für die Bahn nach Celle erstattet, die kostete 7,60 RM. Schulgeld war für mich frei und bei den Büchern wurde auch unterstützt. In Celle wehte aber ein anderer Wind. Im Sportunterricht bekamen wir den eisenharten Herrn Hermann Bosse. |
Wir marschierten zum Celler Freibad. Schwimmen konnte fast keiner richtig. Wir mussten uns mit dem Rücken zum Beckenrand aufstellen, uns mit dem Armen fest verhaken. Er drohte uns:“ Wer in der Luft die Arme löst, kriegt eine Abreibung“. Dann warf er den ersten Schüler rein ins Wasser, was an der Stelle 3,50 m tief war! Er stand mit der Rettungsangel am Rand und hat uns alle „rausgefischt“. Das sollte eine Mutprobe sein. Kurz danach kam richtiger Schwimmunterricht. Wir lernten schnell. Halbschwimmer hiess die erste Prüfung = 50Meter Brustschwimmen, dann kam „Freischwimmen“ = 15 Min. schwimmen mit Sprung vom 1 Meterbrett.
Die nächste Prüfung hiess „Fahrtenschwimmen“. 45 Min. Schwimmen und Kopfsprung vom 3-Meterbrett. Wir waren 26 Jungs in der Klasse, alle haben das geschafft“!
So langsam wurde uns der eisenharte Hermann Bosse immer sympathischer trotz seiner Härte. Den Gerhard Hamster aus Wietze hat er mal auf dem Saarfeld eine Abreibung mit der Eckfahne verpasst. Keiner hat aufgemuckt oder Eltern oder Polizei bemüht. Wir wurden eben nicht zu Mamasöhnchen erzogen.
Der andere Sportlehrer, Herr Thiedemann, hatte ähnlich harte Methoden. Da gabs schon mal eine Abreibung mit seinem ledernen Turnschuh!
Die andere Seite war aber das Ergebnis, alles tolle Kerle !
Der Spruch hiess damals:
Schnell wie Windhunde,
Zäh wie Leder
Hart wie Kruppstahl.
Keiner wusste, auf was man uns da vorbereitete. Es war ein Teil der vormilitärischen Ausbildung.
Hermann Bosse hatte noch ein Ziel: Die ganze Klasse soll das Rettungsschwimmerzeugnis erwerben!
Eine intensive Schulung begann. 17 m Streckentauchen war für alle kein Problem. Kleiderschwimmen mit Abschleppen eines „Ertrinkenden“, die zugehörigen Befreiungsgriffe, die Wiederbelebungs-Übungen nach Schäfer-Kohlrausch hat man heute noch „drin“.
Eine sehr sinnvolle Übungsreihe, wie ich in den folgenden Jahren feststellen konnte. 25 Jungs hatten den „Grundschein“ für Lebensrettung geschafft! Der 26. war Rudi Habermann aus Hermannsburg, der hatte einen schweren Hüftfehler und schaffte trotzdem noch den „Fahrtenschwimmer“. Für diese Prüfung hatten wir 14-Jährigen eine Sondererlaubnis erhalten.
Die Schule war stolz auf uns.
Meinen ersten Ernstfall erlebte ich, als Fritz Krumradt, ein 14-Jähriger vor meinen Augen unterging in der Aller. Den konnte ich fachmännisch rausholen. Ein Jahr später kam eine Frau in der Aller in „Seenot“. Auch das klappte sehr gut. Ein dritter Fall war ein kleines Mädchen, wieder in der Aller, unserem Baderevier. Einem etwas älteren Spielkameraden Herbert Thies, der auch nicht schwimmen konnte, kam ich zu Hilfe. Da musste ich die Befreiungsgriffe anwenden mit Wegtauchen, denn er war stärker als ich. Somit hat sich das, was Hermann der „ Eiserne“ uns beigebracht hat, gut bewährt.
Wir lernten das Streckentauchen intensiv. Luftanhalten über 90 Sekunden, durch das ganze 50-Meterbecken tauchen, mancher konnte noch wenden und so 60 Meter schaffen. Das war schon was. Zuerst haben wir unseren Sportlehrer verwünscht, aber nachher war er ein leuchtendes Vorbild. Eine Erfahrung, die ich später noch öfter machen sollte.
Wir wollten immer etwas besonderes schaffen. Mit meinem Freund Karl-Heinz Henkel kam ich auf die Idee, einmal in der Aller eine 200-Meterstrecke gegen den Strom zu schwimmen. Im Abstand 4 Metern zum Aller-Ufer schwammen wir von den Kähnen bis zur alten Fähre gegen den Strom. Wir haben es geschafft, aber hatten unsere Kräfte überschätzt. An der Fähre angekommen, mussten wir eine Viertelstunde pausieren. So lernt man aber seine Grenzen kennen.
Übrigens: Meinen alten Grundschein habe ich noch. So sieht er aus:










