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Freibad-Vergnügen in Wietze

Freibad-Vergnügen in Wietze

(Beobachtungen von Hans Pape am Beckenrand: Bikinis, Bodys, Bademeister)

Wenn die Sonne lacht und keine Wolke die Hoffnungen zunichte macht, dann wird die Badetasche gepackt.

Mein erster Eindruck
Ein Sonntag im Juli 2006, knapp über 30 Grad. Ich entscheide mich zur Abkühlung für den Besuch des Freibades.
Noch heißer und der Bademeister (heute Schwimmmeister genannt) fängt an, sich Spiegeleier auf dem 1-Meter-Brett zu braten. Die Sonne tanzt wie tausend kleine Sternchen auf dem glasklaren saftig-blauen Wasser.
Das Schwimmbad lockt heute nicht nur Kinder mit all dem, was es zu bieten hat: natürlich Wasser, Sprungbretter und Startblöcke, aber auch leckere Pommes und kühle Getränke oder Eis.

Manche brauchen gar keinen Platz auf der großzügigen Liegewiese (überwiegend Hanglage mit Schatten werfenden großen Kiefern), weil sie nicht vorhaben, das kühlende Nass zu verlassen. Die nächstliegende Bank wird Ablage für das Handtuch und dann wagt man sich unter die Außendusche. Zuerst ein banger Blick nach oben. Soll ich oder soll ich nicht?? Dann werden zaghaft die Fingerspitzen in den Strahl gehalten. Meist ist dann das Geschrei schon groß, denn das Wasser ist relativ kalt. Ganz Wackere stoßen einen Urschrei aus und stellen sich todesmutig unter die kalte Flut von oben. Für sie ist der anschließende Sprung ins Becken eine wahre Wonne...

Ganz Verzagte strecken nicht einmal die Zehenspitzen in das Fußbecken, sondern balancieren vorsichtig über den Randstein. Es gehört aber offensichtlich bei manchen Badegästen zu den größten Leidenschaften, im Sturmschritt durch das Fußbecken zu düsen und so viel wie möglich zu spritzen.
Hat man die Dusche überlebt, findet das Vergnügen im Wasser viele Ausdrucksformen. Freudige Schreie der Planschbegeisterten mischen sich mit den empörten Ausrufen der Opfer einer Spritzattacke. Vater schleudern liebevoll ihre kleinen Kinder unter Gejauchze durchs Wasser. Mütter müssen als Lasttiere herhalten oder als lebendes Tor zum Durchtauchen. Bälle und Ringe werden geworfen. Krokodile und andere Schwimmringe werden rettende Inseln für Gestrandete.

Das Personal
Ab und an mischen sich Tränen unter all die Lebensfreude, wenn eine Wespe gestochen hat oder ein unglücklicher Fall zu einer blutenden Wunde führte. Dann ist man froh, dass der scheinbar strenge Bademeister auch sanfte Züge hat und hilft, wo er kann. Uberhaupt hat der Bademeister keinen leichten Stand. Wenn es zu wild wird im Becken oder auf dem Sprungturm und jugendliche ..Wasserflöhe" das Terrain zu sehr für sich allein beanspruchen, muss er ein Machtwort sprechen, das natürlich nicht jedem gefällt. Außerdem muss er Fragen beantworten, Wasserproben nehmen, wachsamen Auges die Badenden beobachten, verlorene Portemonnaies suchen und für weinende Kinder die Eltern ausrufen. Das dürfte sicher noch nicht alles gewesen sein. Wie gut ist es. dass es noch Menschen gibt, die zu diesem Dienst bereit sind.
Das Gleiche gilt auch für die, die Eintrittskarten oder Tonnen von Pommes, Eis und Getränke verkaufen.

Hinein ins Vergnügen: Erfrischen! Sonne tanken!
Ich beackere mit meiner Frau zunächst mal das Schwimmbecken im heute natürlich gut besuchten Freibad. Dabei fällt mir auf, dass bestimmte Rituale unvergänglich sind. Sie sind vielleicht nicht so alt wie die Menschheit, aber doch älter, als fortschrittlichen Eltern genehm sein sollte. Liebe Erziehungsberechtigte! Wisst ihr eigentlich, was eure Schützlinge im Freibad treiben? Es geht hier nicht um die Pommes rot-weiß. Es geht um das archaische Balzverhalten, das schon von Acht- bis Neunjährigen geübt wird. Die Jungen springen vom Fünfmeterturm, um acht- bis neunjährige Mädels zu beeindrucken, die am Beckenrand zugucken und sich tatsächlich nur allzu gerne beeindrucken lassen! Und wenn sie älter geworden sind, wird alles noch schlimmer; nur umgekehrt! Dann sind es die Mädels, die beeindrucken wollen! Dreizehn- bis vierzehnjährige Gören wälzen sich auf Badelaken, um ähnlich alte Machos zu animieren, die auch tatsächlich höchst animiert zwischen den Badelaken promenieren. Und Sonnenbrillen tragen! Damit man nicht sieht, wie sie gucken. Liebe Eltern! Wer hat diese Sonnenbrillen gekauft?

Flirten?
Doch nun zu den etwas älteren Badegästen. In einer kurzen Badepause lausche ich heimlich, wie neben mir ein ziemlich glatter Typ um die 30 ein hübsches junges Ding ganz unverblümt und freundlich grinsend auf das schöne Wetter anspricht. Die Inhalte sind harmlos, sie scheint etwas überrascht, aber nicht überrumpelt zu sein. Mit sowas muss man rechnen. Im Freibad wird schließlich nicht nur beim Beachen fleißig gebaggert.
Der Bademeister hat da schon viel erlebt: „Natürlich wird hier viel geflirtet.”
„Und? Läuft da dann auch mehr?"
„Das kann schon mal vorkommen. Oft geht das ganz harmlos im Becken los und dann weiter irgendwo auf der Decke oder so. Und meistens bleibt es auch harmlos. Wenn wirklich mal ein Pärchen mehr versucht, gehe ich natürlich hin und sage, dass das so nicht geht. Allein schon wegen der Kinder.”
Ein beliebtes Örtchen im Freibad ist scheinbar der „Liebeshügel”, eine von imposanten Bäumen etwas abgegrenzte Rasenfläche im hinteren Bereich. Ob der Name allerdings auf ein gewisses historisches Ereignis hindeutet, kann mir niemand sagen. Und was in den Kabinen so abgeht, auch nicht. Es gibt hier schließlich keine Videoüberwachung.

Bademode heute: Hauteng sollte sie sein! Oder doch lieber weit?
Anbleiben sollte mindestens die Badehose! Machen auch alle hier im Freibad, soweit ich's überblicken kann. Alles andere würde auch ziemlich schnell die Runde machen. Wäre ein Versuch wert, aber ich traue mich nicht!
Von ihrem Recht, auch oben ohne rumzulaufen, machen die Damen der Schöpfung leider ebenso wenig Gebrauch.
In der Haus- und Badeordnung steht darüber nichts, also ist "Oben-ohne-Baden" erlaubt. Aber so ein flotter Bikini hat ja auch was und scheint den handelsüblichen Einteiler weitestgehend verdrängt zu haben. Ebenso unüblich: Tangas. In Brasilien ist das anders. Viele Männer stehen aber auch eher auf diese Pantys mit knappem Bein. Zwei Studenten, die gerade ihre Ballkünste unter Beweis stellen, bestätigen das: Hier laufen echt einige netter Dinger rum. Richtig was fürs Auge!"
Dem muss ich mich anschließen! An Farben und Design geht alles, was Spaß macht. Nur total auffällig und grell ist wohl nicht en vogue diese Saison. Auch nicht bei den Herren. Da stellt sich nur die Frage, ob klassischer Slip oder doch eher coole Shorts. Letztere haben zumindest heute deutlich die Nase vorn. Die Mädels stehen aber auch mehr drauf.

Ich habe es mir mit meiner Frau auf der Liegewiese am Hang im Schatten gemütlich gemacht und lasse den Blick schweifen. Gegen 15 Uhr ein Typ mit eben besagtem knappen Slip, dunkelblau, unbewusst posend wie ein Aktmodell. Da hätte ich mir auch eher weite Shorts gewünscht. Zeichnet sich leider mehr ab, als einem lieb sein kann.

Das Handy ist immer dabei
Interessant ist aber auch, dass das Handy auch der allerliebste Begleiter des Badegastes geworden ist und jeder 2. oder 3. Badegast, der auf der Wiese liegt, sitzt oder herumlungert, spielt mit seinem Handy herum, tippselt SMS’en oder telefoniert. Lustige Welt irgendwie.

Schwing die Pommesgabel
Jeder weiß: Im Schwimmbad sind die Pommes immer richtig gut! Schön mit Majo oder Ketchup im gewellten Pappschiffchen und mit Plastikgabel. Die Verkaufsstelle an der Milchbar (der Weg ist leider sehr weit, hat sich aber schnell rumgesprochen) bietet fast alles, was ein Schwimmbadtag verlangt, natürlich auch Eis und das unabkömmliche Weingummi für die Kleinen. Und wer mehr auf Flüssignahrung steht: auch Bier ist zu haben.

Körperkult
"Ab diesem Umfang bitte keine Arschbombe vom Dreier!"
Entwarnung! Das Schild gibt es nicht wirklich. Es wäre auch völlig überflüssig. Es heißt zwar immer, wir Deutschen werden immer korpulenter, aber weder draußen am Kalker noch im Freibad habe ich Leute mit entsprechenden Körpermaßen gesehen, bei denen man sich bei einem Sprung vom Dreier echte Sorgen machen müsste, dass das Wasser hinterher nicht mehr da ist, wo es hin gehört.
Wo sind also die ganzen Dicken? Nicht im Freibad. Manche Väter tragen zwar stolz ihre Bierplauze vor sich her, ansonsten aber so weit das Auge reicht, meist ordentlich gebaute Burschen und Mädels, die ihren Bikini gut tragen können. Sogar die meisten älteren Semester haben sich erstaunlich gut gehalten. Unsere Schönheitsideale scheinen uns - zumindest bei den Badegästen - fest und überaus erfolgreich im Griff zu haben.
Vom besagten Dreier springt übrigens gerade so ein übermütiger Jugendlicher seine undefinierbaren Figuren. Glaubt mit Sicherheit, irgendwem etwas beweisen zu müssen. Stefan Raab hätte es nicht besser hinbekommen.

Tu dir was Gutes: Ein bisschen Bewegung hat noch keinem geschadet!
Normalerweise ist so ab 18 Uhr die beste Zeit, um als mehr oder weniger ambitionierter Schwimmer in Ruhe ein paar Bahnen zu ziehen, wie man so schön sagt. Heute habe ich keine Chance. Es herrscht Chaos im Becken. Überschaubar noch, aber zum geradeaus schwimmen ungeeignet. Und gefährlich! Wenn man Pech hat, springt einem so ein blödes moppeliges Kind ohne Rücksicht vom Startblock ins Genick. Dann würde der Bademeister doch noch zu seinem Einsatz kommen.
Glücklicherweise ist Schwimmen nicht der einzige Sport, den man an einem heißen Sommertag im Freibad anstellen kann. Wasserball, Frisbee, Fußball, oder die (für männliche Zuschauer) wohl attraktivste Sportart seit es Frauen und Volleyball gibt: Beachen! Es läuft gerade eine gemischte Partie. Der Aufschlag kommt wuchtig und präzise, für die Annahme kommt nur noch ein strammer Hechtsprung in Frage; leider etwas zu kurz. Der Sand spritzt hoch, der Ball donnert in die Büsche und der Spieler landet unsanft auf dem Bauch. Das nennt man Körpereinsatz.

PS: Die Anzahl der dicken Kinder, besonders bei den Mädchen nimmt extrem zu.

Unterwasserwelten: Erkundungstour mit Taucherbrille!
Im ersten Moment, nach dem man untertaucht, ist es ist ein bisschen wie schwerelos zu sein. Die Geräusche klingen dumpf und wabbernd. Ehrlich gesagt: es sollte ein Experiment werden. Aber was ich hier zu sehen bekam, das werde ich so schnell nicht wieder los. Nur so viel: Im Wasser schwimmen nicht nur allerhand Menschen mit teilweise allerhand Körperbehaarung herum. Nein ehrlich, so schlimm ist es nicht. Allerdings muss ich sagen, dass das Wasser abends um etwa 19 Uhr auch schon etwas milchig von der ganzen Sonnencreme ist, was die Sicht einschränkt. Zum Glück bewegen sich die vielen Füße über mir so schnell, dass ein detailliert prüfender Blick auf den Pflegezustand beinahe unmöglich ist. Ein Herr im besten Alter, schätzungsweise um die 40, hat eine üble „Schere”, soviel kann ich noch erkennen. Die bekommt der nicht mehr raus.

Fazit
Nicht nur zum Schwimmen, Springen und Baggern kommen die Leute her! Ein gutes Buch, die Lieblingssongs auf dem Player und ein Badehandtuch Marke XXL schön über den Rasen ausgebreitet, so lässt es sich gut und gerne ein paar Stündchen mit der Liebsten oder ein paar Freunden aushalten. Nur eincremen nicht vergessen!
Als ich mich abends auf die Socken mache, fallen mir zwei Sonnenanbeterinnen auf, die es übertrieben haben. Quark drauf soll da helfen!

Lieber Wietzer Bürger zögere also nicht länger, sondern "Pack die Badehose ein", denn das Freibad Wietze ist allemal einen Besuch wert. Also ab ins Bade- und Sonnenvergnügen, denn Schwimmen tut Ihnen und Wietze gut!